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Die Wara-Wara Mountains und die Limba in Kabala

Die Ereignisse und Erlebnisse überschlagen sich gerade schon wieder und ich komme kaum dazu, euch davon zu berichten. Einerseits sind die Wochenenden gerade voll mit Ausflügen und Kurztrips, gleichzeitig ist die Woche wirklich sehr voll mit Arbeit. Was es mit der Arbeit auf sich hat, berichte ein anderes Mal. Nur so viel sei heute verraten: Ich habe einen Stein ins Rollen gebracht, der vielleicht zu groß ist für mich und meine Kolleginnen und Kollegen. Jetzt müssen wir schauen, wie wir unsere großspurig herausposaunten Versprechen auch in die Realität umsetzen und uns selbst gerecht werden.

Um Euch auch musikalisch einzustimmen, könnt ihr bevor ihr weiterlest, einfach auf Play klicken und die Limba Musik im Hintergrund laufen lassen. Kabala ist nämlich das Homeland der Limba und um die geht es heute auch ein bisschen 🙂

Ostern in Kabala

Die Limba sind eine Sprachgruppe im Norden Sierra Leones, in der Gegend von Kabala. Dort habe ich das lange Osterwochenende verbracht. Ich war einmal letztes Jahr im Juni oder Juli in Kabala, um die Kollegen und die Kollegin dort kennenzulernen. Wir haben in Kabala ein kleines Büro mit einem Team von fünf Personen und haben dort das Projekt am Lake Sonfon. Mit Sicherheit erinnert ihr euch sehr gut daran. Damals schon fand ich Kabala und den Weg dorthin wunderschön. Hügelig, Berge und der Blick auf die Wara-Wara Mountains. Tina und ich wollten eigentlich über Sylvester nach Kabala, aber dann hat uns Covid einen Strich durch die Rechnung gemacht, deshalb ging es jetzt mit etwas Verspätung eben übers lange Osterwochenende nach Kabala.

Ruhe und Entspannung? Wohl eher Spaß und Action

Wir hatten große Sehnsucht nach einem ruhigen Wochenende, nur herumsitzen, in die Ferne schauen, lesen, vielleicht ein bisschen Wandern, aber Hauptsache nicht so viele Menschen. Das war natürlich etwas naiv von uns. Es war ja klar, dass alle Menschen, die es sich leisten können, an einem langen Wochenende entweder an den Strand fahren, in einen der National Parks oder eben nach Kabala. So kam es dann auch, dass wir angefragt wurden, ob bei uns im Auto noch Platz für zwei Leutchen wäre. Selbstverständlich! Was uns zuerst nicht so sehr erfreut hatte, stellte sich ziemlich schnell als perfektes Match heraus. Ditte und Peter sind uns in kürzester Zeit ans Herz gewachsen und leider mussten wir ihnen gestern schon wieder zum Abschied winken, weil sie zurück nach Dänemark sind.

Am Karfreitag haben wir uns also zu fünft mit dem Auto auf den Weg nach Norden gemacht. Tina, John, Ditte, Peter und ich. Begleitet hat uns Jasi`s „Vibes around the world“-Playlist. (Danke nochmal für die Playlist 😊 )  Mein Handy habe ich in den Flugmodus versetzt. In der Arbeit ist es gerade ziemlich anstrengend und in der Woche vor Ostern haben mich so viele Leute angeschrieben, ob ich helfen kann, Trips nach Outamba, in den Gola, nach Tasso usw. zu organisieren. Hinzu kamen noch all die Leute, die auch nach Kabala sind. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf ständig Nachrichten und wollte mal ein Wochenende Handy-Detox machen. Es war wundervoll!!!!

Nach fünfeinhalbstündiger Fahrt und einer „kurzen“ Mittagspause in Makeni sind wir am späten Nachmittag im Hill View Guesthouse angekommen. Unserer Unterkunft. Es ist sehr schön hergerichtet, mit fantastischem Blick auf die Wara-Wara Mountains. Wir haben uns sofort wohl gefühlt.

Der Besitzer oder Gründer des Hill View ist deutscher und offensichtlich auch Fußball-Fan 😉

Die Beisteigung der Wara-Wara Mountains

In den nächsten Tagen haben wir zwei Ausflüge auf die Wara-Wara Mountains gemacht. Wobei wir bei dem ersten am Karsamstag, ziemlich viel über Stock-und-Stein den Berg hinaufgeklettert sind, weil irgendwo der Weg auf einmal nicht mehr sichtbar war. Ich mag solche Abenteuer ja. Am Ende wurden wir belohnt von einem unglaublichen Ausblick vom obersten Felsen, um den die Vögel ihre Kreise zogen, mit einem Weitblick über Kabala und die umliegenden Hügelketten. Ich wusste fast schon gar nicht mehr, wie sehr es mir guttut einen Berg zu besteigen, und sei er auch noch so klein. Begleitet wurden wir von Toast und Butter – zwei Hunde aus dem Hill View Guesthouse. Butter hat uns noch vor dem Gipfel verlassen. Er ist mit einer anderen Wandergruppe, die wir unterwegs getroffen hatten, den Berg hinab. Aber Toast hat uns treu bis ganz nach oben begleitet. Da haben wir natürlich Wasser und Kekse mit ihm geteilt. Versteht sich ja von selbst.

Look my happy face after reaching the top 🙂 und die wundervolle Aussicht!

Am Ostersonntag sind wir auf die andere Seite des Wara-Wara, das war nicht ganz so aufregend. Dieses Mal hatten wir einen guide dabei und sind somit nicht vom Weg abgekommen. Der erste Ausflug war auf jeden Fall spannender und auch schöner. Aber auch der Besuch des Hochplateaus war gut. Hierher kommen die Leute an Sylvester mit ihren Drinks, Bierkästen und Boom-Boxen, um das alte Jahr zu verabschieden. Auf dem einen Foto seht ihr das Plateau vor uns, das unser Ziel war.

Die kleinen Wanderausflüge tagsüber waren das eine, was das lange Wochenende in Kabala unvergesslich gemacht haben. Einen großen Beitrag dazu, haben aber vor allem die Menschen geleistet, die wir kennengelernt haben.

Ditte und Peter habe ich ja schon erwähnt. Ditte wohnt nur zwei Häuser weiter und ich hatte sie schon ab und an gesehen und sogar schon einmal bei einem kleinen Abendessen kennengelernt, aber damals war das ganze Setting strange. Leider, leider haben wir uns dann nicht mehr wirklich gesehen. Wir waren alle vier sehr traurig, dass wir nur so eine kurze Zeit gemeinsam verbringen konnten. Wir hatten den lustigsten Abend seit Langem mit den beiden. Es ist nicht wiederzugeben, aber es wurde nicht nur viel getrunken, sondern auch sehr viel gelacht.

Dann ist da Naomi, die das Hill View managed. Eine super angenehme Person, so wie alle, die dort arbeiten. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich wieder nach Kabala „muss“.

Ein weiteres Highlight war die Bekanntschaft von Nik, einem Sprachwissenschaftler, der in Berlin arbeitet, ursprünglich aus den USA ist und in Kabala für vier Wochen die Sprache der Limba dokumentiert. Da ging Tina und mir das Herz auf. Jemanden zu treffen, der am Tisch sitzt und das phonetische Alphabet in seinen Notizen verwendet. Wir hatten im Studium auch das phonetische Alphabet gelernt, deshalb war es echt spannend nun mit einem „echten“ Sprachforscher zu sprechen.

Wie gesagt, ist Nik für vier Wochen in Kabala. Er hat für diese Zeit eine Kontaktperson, Kondeh, der Limba ist. Sowohl die Gruppe als auch die Sprache heißen Limba. Nik und Kondeh sind also für vier Wochen gemeinsam unterwegs, um möglichst viele Wörter in Limba zu verschriftlichen. Dafür treffen sie meist ältere Menschen, Marktfrauen, Schneider, Handwerker, Farmer. Menschen mit unterschiedlichen Berufen und unterschiedlichem Wissen, um einen möglichst breiten Wortschatz abdecken zu können. Auf seinem Laptop hat er mehrere Ordner, sortiert nach Pflanzen, Säugetieren, Vögeln, Insekten, und und und mit Bildern. Diese geht er mit den Leuten durch, um die Namen zu dokumentieren. Es ist natürlich nicht möglich, den Wortschatz einer ganzen Sprache in vier Wochen abzudecken, aber ein Anfang kann unternommen werden und ein paar Quellen gibt es auch. Die beste Quelle für Sprachen sind meist Missionare oder eben Kirchenarchive. So ist das auch im Falle der Limba. Aber alles ist nicht abgedeckt und auf Limba gibt es auch in Kirchenarchiven nicht viel.

Limba – drittgrößte Sprache in Salone mit circa 500.000 Sprechenden

Es gibt keine verlässlichen Zahlen zu Limba-sprechenden Menschen. Schätzungen gehen von bis zu 500.000 Sprecherinnen und Sprechern aus. Dazu muss man wissen, dass von den Sprachen weltweit, die meisten von weniger als 500.000 Menschen gesprochen werden. 100.000 Sprecherinnen und Sprecher sind schon ganz gut für eine Sprache im globalen Vergleich. Das ist für uns natürlich etwas verrückt. Alleine Nürnberg oder Leipzig wäre schon eine ziemlich große Sprachgruppe.

Das Spannende an den Limba ist, abgesehen davon, dass sie mit diesen 500.000 Personen die drittgrößte Sprachgruppe in Sierra Leone sind, gelten die Limba als die ersten und ursprünglichen Bewohnerinnen und Bewohner des heutigen Sierra Leone. Kabala ist ihre base. Limba steht ziemlich alleine da. Es ist kaum verwandt mit den anderen Sprachen der Region. Für die Sprachwissenschaft ist so etwas super interessant. Am Wortschatz kann man ableiten, welche Beziehungen es mit anderen Sprachgruppen gab. Zum Beispiel gibt es im Deutschen ein Wort für Elefant, obwohl es in Deutschland keine Elefanten gibt. Das Wort gab es wahrscheinlich im Deutschen auch schon, bevor der erste Elefant nach Deutschland kam. Das Wort hat seinen Weg in unsere Sprache gefunden, über Austausch mit anderen Sprachgruppen. An der afrikanischen Ostküste gibt es sehr viele Wörter mit arabischem Ursprung, weil es schon sehr lange Handelsbeziehungen mit dem arabisch-sprechenden Raum gab. Das Limba hingegen, hat viele Wörter nicht im Wortschatz, die es in anderen Sprachen in Sierra Leone gibt. Das zeigt, dass die Limba wahrscheinlich keinen Kontakt mit anderen Sprachgruppen hatten und auch nicht aus anderen Regionen immigriert sind, sonst hätten sie Begriffe und Wörter übernommen oder entlehnt bzw. würde man sonst Wörter in der Sprache finden, die es auch in anderen Regionen gibt. Sehr spannend also für Forscher wie Nik.

Während der Kolonialzeit und während der Hochzeit des Sklavenhandels, wurden viele Limba als Sklaven gefangen genommen und auf Bunce Island nach Amerika verkauft. Viele haben versucht, diesem Schicksal zu entgehen, dadurch, dass sie nach Freetown gezogen sind. Deshalb gibt es auch in der Gegend von Freetown viele Menschen, die sich als Limba identifizieren. Viele von ihnen sprechen heute aber kein Limba mehr.

Die Limba sind bekannt als Philosophen, gute Politiker (der erste Präsident Sierra Leones war ein Limba) und vor allem sagen sie über sich selbst, dass sie sehr friedliebend sind. Das spirituelle Zuhause der Limba ist das Kakoya Village. Dieses Mal habe ich es nicht dorthin geschafft. Das nehme ich mir für meinen nächsten Besuch in Kabala vor. Wie ihr aber seht, benutzen die Limba immer die gleiche Vorsilbe für Ortsangaben: ka- (Kabala, Kakoya…). Daran kann man auch gut die Sprachgrenze erkennen. Wenn die Ortschaften keine Namen mehr mit Ka-… haben, hat man das Gebiet der Limba auf jeden Fall verlassen.

Limba of Sierra Leone – Video Dokumentationen einer Kultur

Jetzt seid ihr bestimmt schon ganz gespannt, wie sich Limba anhört. Kondeh hat einen youtube-Kanal „The Limba of Sierra Leone”. Da erfahrt ihr zum Beispiel, warum die Spinne schmal um die Taille ist, wie eine Hochzeitszeremonie abläuft und noch vieles mehr. Viel Spaß dabei!

Kabala hat unglaublich zu meiner Entspannung beigetragen. Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch dort und vor allem freue ich mich jetzt schon darauf, Ditte, Peter und Nik im Sommer in Berlin zu treffen. Das ist nämlich ziemlich fix ausgemacht 😊

Euch eine wundervolle und entspannte Woche. Bei uns stehen einige Feiertage an mit Independence Day am 27. April, 1. Mai (Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, werden am Montag darauf nachgeholt) und dann ist nächste Woche auch das Ende des Ramadan. Viele Gründe zum Feiern und zum Freihaben also. In diesem Sinne: Gehabt euch wohl and stay peaceful!

Die Fotos des heutigen Beitrages stammen auch von Tina, John und Signe. Merci euch für die Fotos.

Urlaubsrezension Vivien und Jasi – Mädelsurlaub in Salone

Anmerkung von thekaddl: Hier folgt der Urlaubsrückblick von Vivien und Jasi. Text und Fotos stammen von den beiden. Sie waren im März zu Besuch.


Wir wissen gar nicht wie wir dir danken sollen, liebste Kaddl! Erfüllt von den vielen tollen Erlebnissen und Eindrücken aus Sierra Leone sitzen wir nach 11 wundervollen Tagen am Flughafen Freetown!

Angekommen in Freetown wurden wir nach der nächtlichen Fährfahrt von unserer Kaddl und Tina in Empfang genommen! Die Reise wurde von Kaddl im übrigen bestens vororganisiert. Wir haben alle wichtigen Infos auf einen Blick vorab bekommen, was uns die Planung unheimlich erleichtert hat!

Und dann stehen wir auch schon auf dem schönen, stimmungsvollen und liebevoll dekorierten Balkon von Kaddls Wohnung! Ein Traum!
Wie bekommen unser eigenes Zimmer mit ensuit Bad!

Am nächsten Tag widmen wir uns ganz entspannt der Urlaubsplanung für die kommenden Tage. Die ersten 2 Tage verbringen wir in Freetown und Umgebung: erst einmal am wunderschönen menschenleeren Strand mit Wasser mit Badewannen-Temperatur und tollen Wellen, shoppen am Big Market und Stadttour mit dem lokalen Transportmittel Keke.

Und dann geht es schon los mit Kaddls coolem Jeep Richtung Tiwai Island! Wir haben Schimpansen in freier Wildbahn entdeckt und eine wundervolle Flusstour gemacht! Ein bisher vom Tourismus noch unberührter magischer Ort!

Bei unserem anschließendem Community Walk besuchten wir insgesamt 4 unterschiedliche Communities rund um Tiwai und waren berührt von der Herzlichkeit der Menschen und den Einblicken in ihr Leben.

Und danach ab zum Beach! Hier treffen wir die Reisegruppe Berlin/Leipzig und verbringen entspannte Tage in unsere Location direkt am Meer! Highlight: unsere erste Surfstunde mit Mohammed.

Zurück in Freetown genießen wir auch noch Einblicke ins expat-Party -Nachtleben: Johns 40er Geburtstag am Strand und Irish Party in Aberdeen! Kaddl auch hier das Partylicht unter dem freien Himmel von Freetown 😉

Zu guter Letzt noch Besichtigung der Chimpanzee Sanctury Tacugama!
Und nicht zu vergessen der schönste 39igste Geburtstag von Jasi! Alles perfekt!

Wir sind glücklich! Plenty tenky und bis nächstes Jahr!


Meine Lieben, wie habe ich mich gefreut, dass ihr mich besucht habt. Vielen Dank für die wundervolle gemeinsame Zeit in Salone. Ich bin super froh, dass es euch hier so gut gefallen hat, dass ihr wiederkommen wollt. Und vielleicht macht es ja auch noch weiteren Menschen Lust auf einen Urlaub in Sweet Salone 🙂 Ich freue mich auf euch!

Wer nochmal meine Version der gemeinsamen Zeit nachlesen will: Welch ein Segen – Urlaubsbesuch

Preissteigerung und Existenzängste

Was hören wir da für Schreckensnachrichten aus Deutschland? Dieses Mal ist das Sonnenblumenöl knapp und alles wird teurer. Nun ja, was soll ich sagen. Hier war schon alles sehr teuer und nun wird alles noch teurer.

Gestern war ich im Supermarkt. Ich habe nur ein paar Kleinigkeiten gekauft, aber schnell waren umgerechnet 15€ weg:

1kg Vollkornmehl für 50,000 LE (3,65€)*
1 Flasche Sonnenblumenöl für 75,000 LE (5,47€)
1 Packung Vollkorntoast für 45,000 LE (3,28€)
1 Liter Tetrapak Milch für 30,000 LE (2,19€)

*Ich nutze die Umrechnungsrate, zu der ich als letztes getauscht habe: 1€ für 13,700€.

Es ist wirklich irre, dass ich für Mehl, Sonnenblumenöl, Toast und Milch 15€ ausgebe. Die Milch hat vor einem Jahr noch 20,000 – 22,000 LE gekostet. Vor ein paar Wochen waren es dann 24,000LE und seit letzter Woche sind es 30,000LE.

Das Sonnenblumenöl hat vor ein paar Wochen noch 45,000LE gekostet, jetzt kostet das günstigste 75,000LE. Vom Olivenöl wollen wir mal gar nicht reden.

Naja, denkt ihr jetzt. Was geht sie auch im Supermarkt so exquisite Ware einkaufen. Soll sie doch auf der Straße ihre Sachen kaufen, wie jeder normale Mensch. Ich kann euch verraten: da ist es nicht besser: Gestern: 3 Karotten für 10,000LE, 6 kleine Charlotten für 10,000LE, ein großes Bündel Minze – ihr könnt es euch schon denken: 10,000LE. Nur die Bananen stabil: 10 Stück für 10,000LE.

Und die Eier! Der Eierpreis war stabil, seit ich hier angekommen bin. 1 Ei kostete 2,000LE. Vollkommen egal, ob auf der Straße, am Markt oder im Supermarkt. Seit drei Wochen kostet ein Ei auf einmal 2,500LE. Die Brotpreise sind ja schon Anfang des Jahres kurz etwas gestiegen, waren dann aber wieder normal. Es gibt Brote in unterschiedlichen Größen für unterschiedliche Preise. Das kleinste kostet 1,000LE und dann geht es hoch bis 5,000LE. Die Preise sind noch die gleichen, aber die Brote sind auf einmal viel kleiner. Mit dem Brot für 2,000LE wird man nicht mehr satt.

Und mein Mittags-Schwarma. Das hätte ich ja fast vergessen. Der Preis war immer bei 20,000LE. Seit ein paar Wochen kostet es auf einmal 25,000LE.

Ihr seht also: Preissteigerung, wohin man auch schaut. Ich weiß, auch euch in Deutschland trifft die Preissteigerung. Hier bedeuten höhere Preise allerdings oftmals, dass die Existenz in Gefahr ist. Die meisten Menschen haben es bisher schon gerade so geschafft, über die Runden zu kommen und ausreichend Essen zu finden für sich und ihre Familien. Da alles teurer wird, ist das nun kaum mehr möglich.

Wovon das Geld für Essen nehmen?

Ich merke es, weil die Menschen auf einmal verzweifelter und teilweise aggressiver werden. Wenn sonst die Snack-Frau am Strand ihre Ware freundlich und bestimmt angeboten hat, kommt sie jetzt und bittet um Hilfe. „Support me. Buy my snacks. Support me. Everything is expensive.” Oder die Männer, die vor dem einem Restaurant am Strand immer beim Ausparken helfen und dafür ein bisschen Geld bekommen. Das letzte Mal haben sich zwei fast gegenseitig weggeschubst. Und sie bekommen fürs Helfen wirklich nur sehr kleine Beträge. Ich merke im Alltag, dass die Situation für viele Menschen „tense“ ist. Ich ärgere mich natürlich, dass das Sonnenblumenöl und die Milch jetzt noch teurer sind, aber ich kann es mir immer noch gut leisten.

Auch Mohamed, einer der Beach-Cleaner am Strand, hat mich gestern sehr nachdrücklich angesprochen. Es ist Ramadan und er hat nichts, um das Fasten zu brechen am Abend. Er hat mir erzählt, wie schwierig es gerade ist und am Ende habe ich ihm dann auch etwas gegeben. Normalerweise gebe ich ihm nichts. Aber normalerweise erzählt er auch nicht so lange und nachdrücklich, wie schwierig gerade alles ist. Dass auf einmal so viele Menschen um Support bitten, zeigt, wie angespannt ihre Lage ist.

Niemand bettelt gerne, wenn er oder sie nicht muss!

Das sich die Situation hier so verschärft liegt an zwei Dingen: 1. Wird alles importiert. Durch den Krieg in der Ukraine sind alle Waren teurer auf dem Weltmarkt. Einige Länder, die uns normalerweise beliefern, exportieren aktuell gar nichts. So müssen wir einerseits mehr bezahlen und zugleich gibt es weniger Angebot.

Das zweite sehr große Problem ist der Mangel an Benzin und Diesel. Wir sind sehr stark von importierten Rohstoffen abhängig für unseren Strom und für den Transport. Seit vier Wochen haben wir so gut wie nie Strom. Der Strom für Freetown wird ja größtenteils mit einem Stromschiff hergestellt, das aus Benzin Strom erzeugt. Wenn das Benzin teuer wird oder eben knapp wird – gibt es einfach weniger Strom für uns.

Kein Benzin, kein Strom, kein Ende in Sicht

Außerdem sind die Benzinpreise sehr cras gestiegen. Vor einem Jahr hat der Liter 9,000LE gekostet, als ich im Mai gekommen bin, wurde er schon auf 10,000LE erhöht, im Frühjahr dann auf einmal auf 12,000LE und jetzt auf 15,000LE pro Liter. Das schlägt sich in allen Preisen nieder, in den Transportkosten für Waren aber auch für Auto, Keke und Okada. Hinzukommt, dass seit 3-4 Wochen nicht genug Benzin im Land ist. Die einen sagen, es gibt Vorräte, die anderen sagen, es gibt keine Vorräte. Auf jeden Fall beschuldigen alle die Regierung wegen Missmanagement der Fuel-Krise. (Der Benzinpreis wird hier von der Regierung festgelegt.) Oftmals gibt es Benzin jetzt nicht an der Tankstelle, sondern am „Schwarzmarkt“. Dann kann man einen Kanister für 300,000LE kaufen. Je nachdem, wie knapp das Benzin gerade ist, kostet ein Liter auch mal bis zu 20,000LE.

Das geht nun schon seit ein paar Wochen so. Zwischenzeitlich hatten die großen Hotels auch echte Probleme, da sie sehr viel Fuel brauchen, für ihre Generatoren. Einige haben ihre Gäste gebeten, wo anders unterzukommen, da sie schlicht und ergreifend, kein Benzin hatten, um den Hotelbetrieb aufrechtzuhalten. Gerade ist es etwas entspannter, aber ganz durchgestanden ist die Krise noch lange nicht. Es ist immer noch nicht genug Benzin zur Verfügung.

Als ich vor ein paar Wochen mit Vivien und Jasi nach Tiwai fahren wollte, war ja kurzzeitig nicht klar, ob wir fahren können, weil alle Tankstellen leer waren. Bis jetzt hat sich die Situation nur teilweise entspannt. Mein Chef meinte gestern, ich sollte vielleicht lieber im Homeoffice arbeiten, weil meine Tankfüllung sich langsam gen Ende neigt.

Letzten Montag haben die Okada- und Poda-Poda-Fahrer gestreikt. Die Regierung legt nicht nur den Benzinpreis fest, sondern auch die Preise für den öffentlichen Verkehr. Eigentlich für die offiziellen Busse, aber irgendwie hängt das alles zusammen. Wie genau, verstehe ich nicht so genau. Natürlich sind aber auch die Preise für Keke und Okada nun gestiegen, die Leute können es aber nicht wirklich bezahlen. Was die Fahrer mit dem Streik bezwecken wollten, ist nicht so ganz klar. Aber er ist ein sehr klares Zeichen dafür, dass es Konflikte gibt und Menschen nicht wissen, wie sie sich sonst bemerkbar machen sollen.

Das einzig Positive an der Fuel-Krise ist, dass den Leuten das Benzin zu teuer ist. Selbst wenn wir keinen Strom haben, bleiben deshalb mittlerweile die Generatoren aus und die Nächte sind ruhig und dunkel.

Oberflächlich ruhig, aber wie sieht es unter der Oberfläche aus?

Mein Besuch aus Deutschland kam wohl genau zur richtigen Zeit. Alles war noch entspannt. In den letzten Wochen scheint es an der Oberfläche immer noch einigermaßen ruhig zu sein, nur die Wellen kräuseln sich ab und an etwas. Aber an der Art, wie die Menschen reden, worüber sie reden, wie sie sich teilweise verhalten, merke ich, dass es unter der Oberfläche brodelt. Wer weiß, was es braucht, damit die Situation explodiert?

Vor ein / zwei Wochen war die Atmosphäre ein bisschen angespannter. Mittlerweile habe ich das Gefühl, die Menschen haben die neue Situation akzeptiert. Wenn die Situation nun bleibt, wie sie ist, dann beruhigen sich die Gemüter vielleicht wieder. Wenn ein neuer Einschnitt kommt, weitere Preiserhöhungen oder Lebensmittelknappheit, dann kann es vielleicht auch ziemlich schnell gehen, dass die Leute auf die Straße gehen.

Inflation und Wertverlust

Ich bin bekanntermaßen keine Wirtschaftswissenschaftlerin und habe nur rudimentäre Kenntnisse zu wirtschaftlichen Zusammenhängen, ganz zu schweigen von der richtigen Verwendung von Begrifflichkeiten. Aber ich habe dennoch das Gefühl, dass ich Zeugin einer schnellen Inflation bin. Hinzukommt, dass der Leone gerade superschnell an Wert verliert im Vergleich zum Euro. Als ich gekommen bin war der Wechselkurs ungefähr bei 1€ zu 12,000LE. Anfang des Jahres war der Wechselkurs bei 12,400LE für 1€. Vor zwei Wochen habe ich Geld getauscht: 1€ – 13,000LE und vor zwei Tagen waren es dann 1€ – 13,700LE. Einerseits ärgerlich, dass ich nun Geld getauscht habe. Hätte ich mal lieber gewartet, bis der Wechselkurs sich noch weiter zu meinen Gunsten entwickelt hat. Aber eigentlich bin ich eher betroffen, weil ich quasi täglich sehe, wie der Leone an Wert verliert, was die Inflation im Land noch weiter vorantreiben wird, da wir ja alles importieren.

Es bleibt also im negativen Sinne spannend gerade, wie sich die Situation hier weiterentwickeln wird. Zugleich ist es cras zu sehen, welche Auswirkungen ein Krieg im fernen Europa auf die Wirtschaft und das tägliche Überleben hier in Sierra Leone hat.

At least: one „good“ news

Eine gute Nachricht habe ich aber: Die Weinpreise sind stabil! Unser Hauswein – der günstigste im Regal – kostet nach wie vor 75,000LE! So können wir uns wenigstens die Sorgen wegtrinken und auf ein besseres Morgen anstoßen. In diesem Sinne: Cheers!

NACHTRAG:
Ich habe gerade die erste Reaktion auf meinen Beitrag bekommen. Ich fühle mich absolut sicher hier und mir geht es gut. Keine Sorge also.

Welch ein Segen: Urlaubsbesuch

Welch ein Segen! Anders kann ich es kaum bezeichnen. Welch ein Segen ist es, so gute Freundinnen und Freunde zu haben, die die Strapazen einer Reise auf sich nehmen und ins Ungewisse starten, um mich zu besuchen. In den letzten drei Wochen war unsere Bude voll und ich konnte ganz viel Energie tanken, dank der Besuche aus Deutschland. Vielen Dank deshalb nochmal an alle, die mich besucht haben. Es war einfach wundervoll!

Alle, die noch ein Urlaubsziel für die nächsten Monate bis Jahre suchen, können ja besonders aufmerksam lesen und schauen, ob ein Urlaub à la Salone auch etwas für euch wäre 🙂

Reisegruppe Leipzig-Berlin

Ende Februar kam die vierköpfige Reisegruppe aus Berlin und Leipzig an. Ihnen war keine Verschnaufpause gegönnt. Von der Fähre ging es mit einem kurzen Zwischenstop zum Rucksack-abwerfen in unserer Wohnung direkt zu einem Cocktail-Abend zu einer Bekannten. So konnten sie direkt eintauchen in die verwirrende Welt Freetowns.

Als am nächsten Tag dann die Rucksäcke geöffnet wurden, trauten wir unseren Augen kaum. Wir wurden mit so viel Kaffee, Wurst, Parmesan, Schokolade und Linsen versorgt, dass wir unser Glück gar nicht fassen konnten!!! Was da alles aus den Rucksäcken gezaubert wurde – Wahnsinn!

Ich möchte hier nicht zu viel verraten und erzählen von all den Eindrücken und Unternehmungen der Reisegruppe, da ich auf ausschweifende Rezensionen von ihnen hoffe, so dass ihr im O-Ton erfahren könnt, wie sie das Ganze hier wahrgenommen haben. Ich war vor der Ankunft der Gruppe schon etwas nervös, weil ich nicht einschätzen konnte, wie sie es hier finden würden. Für einige war es die erste Reise nach Afrika südlich der Sahara, aber alle sind eigentlich reiseerfahren beziehungsweise sind sie nicht kontaktscheu in Bezug auf einfache Unterkünfte.

Mit Steff – ihr erinnert euch vll noch an seinen Besuch im November – hatten wir schon ein kleines „Ankunftsstandardprogramm“ entwickelt, das wir nun allerdings gar nicht eins-zu-eins anwenden konnten, da die Gruppe viel früher als erwartet fit war und neugierig, ihre Umgebung zu erkunden. So dass wir am ersten Tag direkt nach Cockle Point gedüst sind und ab ans Meer.

Einige Reiseziele hatten Tina und ich uns ja extra aufgehoben, um sie dann mit unseren Gästen das erste Mal zu besuchen. Es war klar, wir fahren auf jeden Fall mit der Gruppe nach Tiwai. Das ist eine Insel in einem Fluss im Regenwald. Wegen ein bisschen Unpässlichkeiten konnten wir allerdings erst einen Tag später los, so dass die Reisegruppe gezwungen war, nicht nur unseren Lieblingsstrand Cockle Point kennenzulernen, sie „mussten“ auch noch einen Nachmittag an River No 2 verbringen. So hart kann das touristische Leben in Sierra Leone sein…

Ihr müsst leider mit meinen Fotos vorlieb nehmen, da mein Internet gerade nicht stabil genug ist, um den Fotoordner herunterzuladen, mit den Fotos von Wenke.

Ab auf die große Insel

Um weitere Verzögerungen auszuschließen, wurde beschlossen: Ab jetzt keine Rücksicht mehr auf niemand! Morgen ist Abfahrt nach Tiwai!!!! Über Tiwai werde ich vielleicht nochmal extra schreiben. Nur so viel sei verraten: es war ein großes Highlight für alle. Nach fünf-sechs Stunden Fahrt von Freetown kommt man in einem Örtchen an, von dort aus geht es mit Sack und Pack aufs Boot und rüber auf die Insel. Tiwai ist Mende und bedeutet so viel wie große Insel. Auf der anderen Seite ist der Anlegesteg noch nicht fertig. Es heißt also, sportlich aufs Ufer hinaufklettern.

Auf der Insel wohnen keine Menschen. Es ist ein Naturschutzgebiet und nur für Research oder touristische Zwecke besucht. Wir haben in der Research Station übernachtet, da das Touristencamp noch nicht fertig renoviert war. Es ist das gelbe Haus, das ihr auf einem der Fotos seht. In den Bäumen im Hintergrund kamen manchmal ein paar Affen vorbei.

Wir haben so ziemlich alle Tourangebote mitgenommen: night walk, long forest walk, day trip mit dem Kanu, night tour mit dem Boot, nochmal forest walk … Beim forest walk waren wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Wir haben am Fluss ein paar Fischer getroffen, die uns direkt mal zwei Fische fürs Abendessen geschenkt haben. Man muss die Leute nur nett grüßen und schon öffnen sie einem ihre Herzen. Die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit mit der uns begegnet wurde, waren wirklich ganz wundervoll! Bei den Forest walks sieht man auf jeden Fall Affen und hört immer mal wieder das Knacken und Knicken der Millionen von Termiten, die ununterbrochen das Holz der Bäume futtern. Nicht zu vergessen die wunderschönen farbenfrohen Schmetterlinge und ungewöhnlichen Pflanzen. Aber Obacht: Gefahr von Genickstarre wegen Hans-Guck-in-Luft-Stellung.

Termiten-Wahnsinn:

Affen-Such-Bild:

Die Tageskanu-Tour haben wir in sogenannten Einbäumen bestritten. Immer drei von uns in einem Boot und ein Bootsmann, der uns durchs Wasser stackte. Auf dem einen Bild seht ihre ein Bast-Gebilde. Das ist eine Fischfalle. Bei der einen Kanutour sind wir auch noch an einer Goldgräberstelle vorbeikommen. Die Männer fahren auf die Mitte des Flusses hinaus, einer taucht dann mit Hilfe eines Schlauches, durch den ein Gerät Luft pustet, dann werden unter Wasser Eimer mit Sand gefüllt. Diese Eimerfüllungen werden am Ufer auf Haufen gesammelt und dann Step by Step ausgewaschen. Ziemlich körperlich anstrengende Arbeit. Soviel steht fest. Die Fotos sind leider nicht so gut, wegen des Lichts…

Ich hatte mega großes Glück: ich habe tatsächlich ein Pygmy Hippo gesehen bei der Nachtfahrt auf dem Fluss. Beim Forestwalk haben wir ja schon Pygmy Hippo Ausscheidungen gesehen und Spuren und dann auf der Nachtfahrt blitzen auf einmal rote Äuglein auf und ich habe die Umrisse des Kopfes noch gesehen, bevor das Hippo abgetaucht ist.

Alle Bootstouren in Tiwai sind nichts für ängstliche Menschen, die wasserscheu sind. Man hat immer das Gefühl, man landet entweder gleich im Wasser, weil das Boot kippt oder weil das Boot untergeht, da es durch Löcher voller Wasser läuft. Gerade nachts ist der Gedanke etwas unangenehm mit dem Wissen, dass es auch Krokodile gibt…

Tiwai ist auf jeden Fall hervorragend für alle, die Lust auf Natur, Abenteuer und nette Menschen haben. Eine Kombi aus entspannt schwimmen im Fluss und Angst davor, dass gleich das Bein vom Krokodil weggeschnappt ist 😉

Für die Reisegruppe ging es von Tiwai aus für einen Tag und eine Nacht in die Communities in der Nähe der Insel. Ich habe mich auf dem Weg zurück nach Freetown gemacht, da ich ja zwischendrin noch arbeiten musste und auch noch weitere Gäste angekündigt waren. Während die Reisegruppe Leipzig/Berlin nach den Communities direkt weiter nach Banana Island gefahren ist, habe ich kurz einmal meine Ruhe in Freetown genossen mit Sonnenuntergang am Balkon und mediteranem Teller.

Mädelsurlaub in Salone

Nach zwei Tagen Arbeit und einigem Psycho-Stress haben wir dann Vivien und Jasi an der Fähre abgeholt. Sie sind viel früher angekommen als erwartet, so dass sie auf uns warten mussten, nicht andersherum. Aber alles hat supergut geklappt. Die beiden hatten weniger Zeit als die erste Reisegruppe, deshalb wurde auch das Reiseprogramm etwas angepasst.  

Nach dem klassischen Einstieg ins Strandleben am Cockle Point ging es erstmal auf Shopping und Sightseeing Tour in die Innenstadt. Mir hat es mega Spaß gemacht, mit den beiden durch meine neue Stadt zu ziehen und ihnen alles zu zeigen. Ich hatte lange keinen Shoppingtag mit meinen Mädels 😊 Fühlte sich fast an wie Breite Gasse…

Zwischen dem Shoppen und Sightseeing ging es noch in eine Kirche, in der sogar Queen Elisabeth schon war, was die Unterschrift im Gästebuch bewies, dann ging es auch noch aufs höchste Gebäude der Stadt für einen schönen Ausblick, bevor wir uns wieder ins Marktgetümmel warfen. Zum Abschluss gab es noch Kaffee und Kuchen. Zuhause wurde dann die Küche belegt und gekocht, da wir für die nächsten Tage nicht in Freetown sein würden und alle Reste verkochen mussten.

Fast hätte ich es vergessen: Vive und Jasi sind ja zu dritt angereist. Sie hatten noch einen fliegenden Elefanten im Gepäck. Der ist mit uns auf Reisen gegangen…

Tiwai die Zweite

Da Tiwai alle so geflasht hat, bin ich auch mit den Mädels nach Tiwai. Die Abfahrt aus Freetown war noch etwas mit Aufregung belegt, da es an den Tankstellen kein Benzin gab. Wegen des Krieges in der Ukraine schnellen hier alle Preise nach oben. Auch der Benzinpreis und trotzdem waren Diesel und Benzin knapp. Wir dachten schon, wir können nicht fahren, aber dann gab es an der einen Tankstelle zum Glück doch noch Diesel für uns.

Da ihr nun eh schon Bescheid wisst über Tiwai, will ich hier nicht nochmal alles erzählen. Nur, dass ich nochmal riesiges Glück hatte und wir dieses Mal sogar Schimpansen gesehen haben. Wir mussten sehr lange ruhig sitzen und warten, aber dann waren sie in einem Baum direkt über uns. Wenn ich demnächst noch Manati und Schuppentiere sehe, habe ich eigentlich alles gesehen 😉

Dieses Mal war leider auch die Wasserpumpe kaputt, weshalb wir uns im Fluss duschen mussten. Das tat aber dem ganzen Erlebnis keinen Abbruch, sondern war eher witzig. An der Badestelle, an der wir mit den anderen noch etwas zaghaft ins Wasser sind, da wir ja nicht wussten, ob es hier Krokodile gibt, hieß es auf einmal, dass ganz sicher hier keine Krokodile sind. Wir hatten also richtig Badespaß vor allem, als auch noch eine Gruppe Jungs mit ins Wasser sprang und herumplantschte. Nach der Badeaktion gab es dann noch ein Foto mit Elefant. Das seht ihr unten.

Reisegruppe Leipzig-Berlin hat uns so dermaßen vom Community Heritage Trail vorgeschwärmt, dass wir uns entschieden haben, auch einen Tag und eine Nacht in den Communities zu verbringen. Es war wirklich ein super Erlebnis und kommt ab sofort auf die Must-Do-Liste für künftigen Besuch. Auf dem Community Trail haben wir verschiedene Dörfer besucht, uns wurden die heiligen Stätten gezeigt, ein bisschen Landwirtschaft, Palmöl-Produktion und wir wurden in einem Dorf auch von den Frauen mit Musik und Tanz begrüßt. Ich konnte mir endlich eine Zahnbürste kaufen, weil ich meine in Freetown vergessen hatte.

Im FarAway Camp hatten wir das schönste Badeerlebnis überhaupt. Im Fluss unter Palmen – nur wir und die leichte Strömung. Gut, als wir ankamen, gab es kurz einen Schock, da eine Schlange schnell weggehuscht ist, aber das muss man dann auch einfach ausblenden…

Der Typ, der das Camp herrichten will, ist ein alter Kauz. Wir hatten großen Spaß beim Gruppenfoto. Ich habe den Abend und die Nacht in der Community sehr genossen. Abends war ich noch mit dabei wie unser Guide Abdulai, der auch Community Teacher ist, mit den Kindern ein paar Sätze auswendig lernte, bevor es dann auch für mich ins Bettchen ging. Geschlafen haben wir in dem Haus, das auf dem einen Foto ist und Essen gab es auch reichlich und lecker, wie ihr auf den Fotos ja sehen könnnt. Einerseits waren wir froh, als wir am nächsten Tag ins Auto stiegen, mit dem Wissen, bald am Strand zu liegen, zugleich war es auch schade, die communities zu verlassen und wieder zurück ins Stadtleben geworfen zu werden.

Beach, Meer und Surfen

Nach den Communities ging es zur Reunion mit dem Rest der Crew an den Bureh Beach. Für einen Abend waren wir alle zusammen da und haben das Lagerfeuer und das unglaublich leckere Seafood genossen. Für die erste Reisegruppe ging es dann zurück nach Freetown für den Covid-Test und Vivien, Jasi und ich haben noch am Strand entspannt und am nächsten Tag unsere erste Surflesson genommen.

Aber jeder Urlaub geht einmal zu Ende. So mussten auch wir unsere Sachen packen und zurück nach Freetown fahren. Dort haben wir auch die Leipzig-Berlin noch für einen letzten Abend und ein letztes Bier am Strand getroffen. Am nächsten Tag ging es für die Vierer-Crew zur Fähre und dann zurück nach Deutschland. Wir anderen hatten noch zwei Partys und zwei Geburtstage vor uns, bevor es dann auch hier endgültig Abschiednehmen hieß – bis zum nächsten Wiedersehen in Deutschland.

Alles easy-peasy und highty-tighty?

Meine Ausführungen über meinen Urlaub in Salone hören sich vielleicht etwas zu reingewaschen und schön an. Weggelassen habe ich all die Diskussionen, die ich mit eigentlich allen Gästen hatte über alltägliche Themen hier.

Was ist Gerechtigkeit? Ist es „gerecht“ ein paar Frauen im Dorf Geld zu geben, wenn sie danach fragen, oder ist es „besser“, das Geld über den Village Chief ins Dorf zu geben? Habe ich überhaupt das Recht und bin ich überhaupt in der Position zu entscheiden, was für andere „gerecht“ und „richtig“ ist? Ist es besser, Menschen, die mich anbetteln, Geld zu geben und wenn ja wie viel? Oder lieber doch nicht? Und wie verrückt ist das hier eigentlich, dass ich am Traumstrand liege und mein Bierchen genieße und wenn ich mich umdrehe, sehe ich wie Kinder und Hunde zwischen Plastikmüll herumstapfen und es offensichtlich am scheinbar Nötigstem fehlt. Ist es inspirierend zu sehen, mit wie wenig Input von Außen die Kinder in den Dörfern sich beschäftigen können oder ist es einfach nur ein Beweis craser Armut? Was macht es mit Menschen, wenn nichts verlässlich und selbstverständlich ist? Weder Strom, noch Wasser noch Benzin noch die Preise für die wichtigstens und alltäglichen Lebensmittel? Und wie ist hier eigentlich die Rolle die Frau? Wo fängt man an, wenn der Schulunterricht auf Englisch ist, aber ich mich selbst mit dem Lehrer nicht wirklich gut auf Englisch unterhalten kann? Wie können die Kinder jemals in ihrer Zukunft auf internationaler oder auch nur nationaler Ebene mitmischen?

All diese Fragen begleiten uns alle, wenn wir durch dieses Land reisen. So schön es ist und so freundlich, herzlich und offen die Menschen sind – ganz vergessen, dass es eines der ärmsten Länder der Welt ist, kann man hier nicht. Auch nicht, wenn man im Urlaub ist. Es kann sein, dass ihr einiges auf der Welt hinterfragt, wenn ihr hier seid. Das solltet ihr vielleicht noch wissen, bevor ihr euren Flug bucht 😉 Aber es ist trotzdem ein sehr wertvolles Geschenk, Sierra Leone zu bereisen und seine Menschen zu treffen. Da spreche ich, glaube ich, auch im Sinne meiner Gäste.

KAT Salone (Kaddl´s Adventure Travel) opening soon

Während ich mit Vivien und Jasi unterwegs war, haben die anderen noch verschiedene Orte besucht wie Big Water, Kabala, Tasso Island, Black Johnson Beach, Outamba Kilimi National Park… Nach insgesamt drei Besuchen mit sehr unterschiedlichen Interessen, unterschiedlichen Ansprüchen an einen Urlaub und unterschiedlichen Budgets, denke ich darüber nach, mich bald selbstständig zu machen als Tour Operator in Sierra Leone.

Die Handtücher und Bettlaken sind wieder frisch gewaschen. That means: meine Türe steht für neuen Besuch wieder offen. Meldet euch also gerne, wenn ihr einmal aus dem Alltag fliehen wollt und in eine vollkommen andere Welt eintauchen wollt. Travel Agency Prinzing berät und organisiert gerne nach individuellen Wünschen 😊

PS: Die Fotos von Tiwai, Bureh und dem Communitiy Trail sind teilweise von Vivien und Jasi 🙂

Krieg in Europa – Krieg in der Welt

Es ist Krieg in Europa. Auch wenn der Krieg für mich geographisch sehr weit weg ist, war ich nicht minder schockiert über den Kriegsbeginn in der Ukraine. Voller Ungläubigkeit verfolge ich die Nachrichten. Krieg – ich werde es wohl nie wirklich verstehen. Zu vielschichtig sind die Kriege dieser Welt und deshalb auch so schwierig für mich, sie zu verstehen. So schwierig, sie wieder zu beenden. Für Deutschland und Europa ist der Krieg nun auf einmal nah. Da wir sonst in einer Blase des Friedens leben, vergessen wir manchmal, dass Frieden wertvoll ist und nicht für alle Menschen selbstverständlich.

Für mich war klar, ich möchte etwas über „Krieg“ schreiben. Aber nun merke ich, wie schwer es mir fällt und wie sehr mir die Worte fehlen. Immer wenn ich anfange, mich über Kriege und Konflikte zu informieren, komme ich schnell an meine Grenzen. Sprachlos wegen des Leides, der Unsinnigkeit und Aussichtslosigkeit auf einen stabilen Frieden bleibe ich zurück.

Wer sich mit einem der für mich komplexesten Konflikte auseinandersetzen möchte, kann versuchen sich einen Überblick zu verschaffen zu den beteiligten Parteien, ihren Interessen und Verflechtungen des Konfliktes in der Demokratischen Republik Kongo. Der Konflikt forderte in den letzten 20 Jahren über 3 Millionen Menschenleben. Hinzukommen Fluchtgeschichten, Misshandlungen, Missbrauch – und vieles nur wegen der Rohstoffe, die unter anderem in unseren Smartphones stecken.

Manchmal ist es leichter, sich schweren Themen mit Zahlen zu nähern, deshalb hier eine Übersicht von Wikipedia zu Kriegen und Konflikten 2021/2022. Die verschiedenen Farben zeigen die Intensität der Gewalt und der Opferzahlen an. Leider hilft es mir beim Thema Krieg nicht, mich über Zahlen zu nähern. Da sie das schreckliche weltweite Ausmaß nur verdeutlichen.

dunkelrot: Major wars, 10,000+ deaths in current or past calendar year   
rot: Wars, 1,000–9,999 deaths in current or past calendar year   
orange: Minor conflicts, 100–999 deaths in current or past calendar year   
gelb: Skirmishes and clashes, 10–99 deaths in current or past calendar year

Was ist Krieg?

Vielleicht ist die Annährung über eine Definition einfacher? Es gibt verschiedene Definitionen für Krieg. Die meisten sind sich einig, dass es sich um einen mit Waffen und Gewalt ausgetragenen Konflikt zwischen mindestens zwei Parteien handelt. In einigen Definitionen ist beim Krieg mindestens eine der beteiligten Parteien ein Staat, und es gibt ein planmäßiges Vorgehen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Der Krieg wird dadurch vom „bewaffneten Konflikt“ unterschieden. Der bewaffnete Konflikt kann sporadisch entstehen und muss nicht immer strategischer Natur sein. Ich erinnere mich auch noch wage, dass ich im Studium einmal gelernt habe, dass zwar die Opferzahl nicht alleinig ausschlaggebend ist für die Anwendung des Begriffs „Krieg“ auf einen Konflikt, aber ab 1.000 Todesopfern, spricht die Weltgemeinschaft meist nicht mehr von einem bewaffneten Konflikt, sondern von Krieg. Dass dies alles nur Zahlen und Definitionen sind, erfahren wir gerade wieder einmal jeden Tag über die Medien. Jeder Krieg bringt unglaubliches Leid über alle, die von ihm betroffen sind.

Konflikte ohne Ende

Als der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, war mir klar, ich möchte meine Gedanken zum Krieg mit euch teilen. Die Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen, erfahren ein unglaubliches Maß an Solidarität und Anteilnahme aus Europa. Es tut sehr gut, das zu sehen. Zugleich zeigt es wieder einmal, wie unterschiedlich wir auf die Not von Menschen reagieren – je nachdem, ob sie uns gefühlt nahe sind, oder nicht. Neben den Kriegen und bewaffneten Konflikten, die es in die deutschen Abendnachrichten „schaffen“ – wie der Krieg in der Ukraine, der Krieg in Syrien und im Jemen – gibt es viele weitere bewaffnete Konflikte und Kriege auf der Welt, von denen wir nichts erfahren und von denen wir meist auch gar nichts wissen. Durch mein Studium und auch meine Arbeit und mein Interesse an der Welt, weiß ich von einigen dieser Konflikte, aber dennoch erschütterte mich die lange Liste der ongoing conflicts, insbesondere, da viele schon seit Jahrzehnten schwelen und immer wieder mit hoher Intensität ausbrechen.

In Kolumbien schwelt seit Mitte der 1960er Jahre ein regionalbegrenzter Krieg/bewaffneter Konflikt, von dem man in deutschen Nachrichten kaum etwas mitbekommt. Alleine in den ersten Monaten diesen Jahres sind dort schon knapp über 400 Menschen wegen des Konfliktes gestorben. Der somalische Bürgerkrieg begann 1991 und ist bis heute nicht beendet. Es gibt ruhiger und weniger ruhiger Phasen seitdem. Seit Januar sind schon fast 800 Menschen in diesem Konflikt verstorben. Im mexikanischen Drogenkrieg sind dieses Jahr schon über 1.200 Menschen getötet worden. Den terroristischen Aktionen von Boko Harram fielen dieses Jahr schon über 1.000 Menschen zum Opfer, in verschiedenen Ländern. Im Vergleich dazu starben im syrischen Bürgerkrieg im Jahr 2022 bisher knapp unter 1.000 Menschen. Die Zahlen habe ich Wikipedia entnommen.

Eigentlich wollte ich euch ein paar der “vergessenen” Konflikte heute näherbringen. Aber irgendwie fließt es nicht aus mir heraus. Der Artikel liegt nun schon seit über einer Woche unfertig auf meinem Desktop herum. An Stelle von langen Ausführungen und Darstellungen zu aktuellen Konflikten auf der Welt, gibt es deshalb heute nur einen kurzen Gedanken von mir.

Dankbarkeit und Demut

Es geht mir nicht darum, zu zeigen, wie schlecht es vielen anderen Menschen geht, wie viele Menschen weltweit Kriegsflüchtlinge sind – im eigenen Land oder in den Nachbarländern – ich denke nur, wir als in Deutschland (nach 1945) Geborene und/oder Lebende, sollten uns ab und an bewusst machen, welch ein verdammtes Glück wir bisher hatten, dass wir in Frieden leben dürfen, dass wir keine Angst haben müssen vor Bomben, Trümmern, zerstörten Häusern. Dass wir uns keine Sorgen machen müssen, um uns selbst, unsere Familien und Bekannten.

Ich bin emotional sehr ergriffen, wenn ich sehe, wie viel Solidarität die Menschen in der Ukraine erfahren und vor allem auch mit wie viel Tapferkeit und Entschlossenheit sie ihre Heimat und ihre Freiheit verteidigen. Ich hoffe, dass diese Solidarität sich vervielfältigt und auch allen anderen Menschen zuteilwird, die vor Krieg und Zerstörung fliehen und ihre Heimat verlassen müssen, weil sie dort nicht sicher sind.

In diesem Sinne überlasse ich euch euren eigenen Gedanken in der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen auf der Welt Frieden erleben und in Frieden leben können.

The bright side of Freetong

Da sich anscheinend ein paar Menschen Sorgen machen, auf Grund meiner Begeisterung für unsere gefiederten Freunde, möchte ich hiermit klarstellen: Alles ist gut! Ihr müsst euch keine Sorgen um mich machen. Und zum Beweis gibt es heute einen kleinen Ausflug in mein Privatleben außerhalb der Arbeit.

Denn trotz all der Anstrengungen hier, trotz des Alltagsstress wegen kein Wasser, kein Strom, unfähigen Menschen und Generatorenlärm bei Nacht, ist es hier sehr oft sehr gut.

Nachdem aus Deutschland in letzter Zeit so wenige positive und beschwingende Nachrichten kamen, habe ich mich kaum getraut, diesen Post zu veröffentlichen. Jetzt kommt er trotzdem – ist aber schon zwei Wochen alt 😉

Taucht mit mir ein – in meinen manchmal etwas verrückten Alltag in Freetown.

Heute einmal: Fokus auf die schönen Seiten des Lebens in Freetong!

Vorneweg muss ich mich entschuldigen. Eigentlich wollte ich in diesem Beitrag hauptsächlich Fotos sprechen lassen. Aber ich mache definitiv nicht genug Fotos. Deshalb nun doch wieder Text, Text, Text.

Ich fange mit der Arbeit an, damit wir dieses Kapitel ganz schnell auch wieder abhaken können 😉 Wenn ich mir meine Liste anschaue, was ich dieses Jahr schon alles umgesetzt und geschafft habe, muss ich mir selbst auf die Schultern klopfen. Ein sehr output-orientierter Monat. Wahnsinn! Ich habe das Gefühl, je besser meine work-life-balance ist, umso höher ist mein output in der Arbeit. Mein Energielevel steigt konstant.

Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit mit meinen Counterparts sehr gut und ich habe das Gefühl, dass wir wirklich ein gegenseitiger Gewinn sind. So soll es doch sein.

Meine Highlight-Momente der letzten Wochen

Die gute Atmosphäre im Büro ist das eine, aber nach Feierabend geht es direkt weiter mit dem Spaß. Unsere Nachbarin Maria kocht nicht nur unglaublich gut und füttert mich kugelrund, wir haben einfach immer eine gute Zeit zusammen. Unsere Crew hier ist zwar für Außenstehende bestimmt etwas strange, einige von euch werden es ja selbst sehen, wenn sie in den nächsten Wochen zu Besuch kommen. Wir haben manchmal das Gefühl in einer erweiterten WG zu leben.

Feierabendbierchen bei Nachbars

Ein Feierabendbierchen bei Nachbars kann sich da schon mal etwas in die Länge ziehen, so dass ich dann doch das ein oder andere Mal des Nächtens die illustre Runde als erste verlasse und nach oben stiefel, da ich ja am nächsten Tag wieder ins Büro muss. Marias Wohnung ist ein Zeitloch. Das liegt auch daran, dass es immer abgedunkelt ist und die Klimaanlage auf Hochtouren läuft. Im Fernsehen laufen politisch unkorrekte britische Fernsehserien aus den 1970er Jahren (Mind your Language), Freddy sitzt mit seinem Laptop auf dem Sofa und natürlich lässt auch John mit ein paar Bierchen unter´m Arm nicht lange auf sich warten. Es gibt immer lecker Essen, Geschichten, die mit vollem Körpereinsatz erzählt werden, und ausreichend Lacher für mehrere Wochen. Perfekter Ausgleich also zum Büroalltag.

Home-Massage statt Home-Office

Fast hätte ich es vergessen und muss es deshalb nachträglich noch hier einfügen. Wir haben uns ja letzte Woche auch noch unsere erste Massage gegönnt. Natürlich hat Maria auch dafür einen Kontakt. Sisi kommt mit Massageliege und Alnatura-Massageöl nach Hause und knetet den ganzen Körper eine Stunde lang durch. Ich finde, eine Stunde Home-Massage tut dem Rücken viel besser als eine Stunde Home-Office. Vielleicht sollte mal über diese Alternative nachgedacht werden.

Romantic Dinner und Absturz in der Kneipe

Das Schöne in Freetown ist, dass man an einem einzigen Abend so unterschiedliche Eindrücke sammeln kann. Letzten Donnerstag war ich mit John zum Dinnerdate verabredet (sein eigentliches Date hatte ihm abgesagt…). Vorher noch kurz bei Maria rein, liegt ja auf dem Weg, dann mit John zum ColeStreet Guesthouse, wo es ab und an special offers gibt. Zum Beispiel ein 4-Gänge-Menu „Taste of Italy“. Das ColeStreet Guesthouse ist wunderschön hergerichtet. Sehr geschmackvoll und hat mich irgendwie an ein portugiesisches schmuckes Innenhof-Lokal erinnert. Es gibt nur sechs Tische, zum unglaublich leckeren italienischen Essen gesellte sich dann noch ein Opernsänger, der von der Treppe eine Arie sang. Hoch romantisch.

Natürlich hatte Maria schon geschrieben, während wir noch beim Essen waren. Maria hat irgendwann ein Selfie von ihr und Tina geschickt – John und mir war sofort klar, in welcher Kneipe die beiden sind. Also sind wir nach dem romantischen Essen in ruhiger, gehobener Atmosphäre mit dem Keke noch in die HoneySuckerBar. Und was hat uns dort erwartet? Die Wodkaflasche stand auf dem Tresen und zur Begrüßung gab es erst einmal einen Shot. Ich war noch nüchtern, weil ich eigentlich gerade ein bisschen alkoholfrei unterwegs bin. Aber no chance. So endete der Abend, mit Barfußtanzen in der Kneipe. Die Bar ist gleich bei uns um die Ecke. Da konnten wir also ganz entspannt nach Hause laufen und nach einem letzten Absacker bei Maria ins Bettchen schlüpfen.

Und zwei Tage später bekomme ich tatsächlich von zwei verschiedenen Leuten screenshots von der Instapage des Cole Street Guestshouses auf denen John und ich zu sehen sind. Heimlich kann man hier nichts machen.

Sundowner auf Leicester Peak und äthiopisches Essen am British High Comission Compound

Am Samstag stand dann ein weiteres Highlight an. Nina hatte eingeladen zu einem Spaziergang rauf zu Leicester Peak für einen Sundowner und anschließend äthiopischen Essen bei ihr. Nina wohnt auf dem Compound der British High Comission. Auf dem Compound gibt es kleine Häuschen, mit kleinen Gärten, einen Pool, Fitnessraum, Bar und auch einen riesigen Wald/Dschungel.

Wir sind am Samstag also mit dem langsamsten Keke der Welt zu Nina gefahren. Vielleicht waren wir auch einfach zu schwer? Unser Keke schaffte es kaum die Hügel rauf. Wir – also Tina, John und ich – hatten schon Angst, dass wir zu spät kommen. Die Sonne wartet schließlich nicht. Aber wir waren noch rechtzeitig da, um gemeinsam mit der Gruppe bestehend aus zehn Britinnen und Signe, unserer dänischen Freundin, sowie John, James und Cooper (Ninas Hund) den Weg auf den Peak anzutreten. Oben wurden dann die Sektgläser ausgepackt und die Sundowner wurden genossen. Ich hatte selbstgemachte Limonade dabei 😊 Und dann gab es auch noch ein Fotoshoot oder so. Sah auf jeden Fall professionell aus.

Von Leicester Peak aus hat man einen unglaublich tollen Blick über Freetown Richtung Meer. Der ganze westliche Teil der Stadt liegt einem zu Füßen und nach Sonnenuntergang erstreckt sich ein funkelndes Lichtermeer am Fuße des Hügels.

Langsam ging es wieder runter, zurück zu Ninas Haus. Und dann wurde auch schon bald das Essen geliefert. Superlecker. Äthiopisches Essen nach einem kleinen Trip auf Leicester Peak – das können wir sehr gerne wiederholen.

Swimstaken auf Banana Island

Am Sonntag ging das schöne Leben direkt weiter. Eigentlich wollten wir ganz lowscale mit Maria und Freddy nach Cockle Point fahren. Aber Maria meinte schon am Samstag, dass der Besitzer des einen Ressorts auf Banana Island sie schon seit Wochen einladen will und sie jetzt langsam nicht mehr absagen kann. Also gut, bevor wir uns schlagen lassen, dann fahren wir am Sonntag eben mal nach Banana Island und lassen uns vom Chefkoch persönlich bekochen.

Banana Island besteht eigentlich aus drei Inseln, die quasi zusammenhängen und liegt am südlichen Ende der Peninsula. Mit dem Auto ging es in 1,5 Stunden nach Kent und dann ab ins Boot, das schon auf uns wartete. Auf der Insel wurden wir mit frisch geöffneten Kokosnüssen erwartet und konnten auf dem kurzen Weg zum Camp unser frisches Kokoswasser genießen. Das Ressort auf Banana Island besteht aus mehreren Zelten, einer Bar, Toilettenhäuschen und Küche. Es ist superschön angelegt, mit Betten am Strand, viel Grün und mehrere Sitzgelegenheiten. Maria ist mit Wissam direkt los zum Fischen. Freddy, Tina und ich haben erst einmal entspannt und unsere frisch gepressten Säfte getrunken, bevor wir uns auf einen kleinen Spaziergang über die Insel begeben haben. Es ging über Pfade durch das Dorf und dann in den Wald. Im Dorf und überhaupt auf der Insel hört man sehr viel Vogelgezwitscher. Das sind meist die Village Weaver, die ihre kugelförmigen Nester von den Bäumen herabhängen lassen. Ich erinnere mich, dass ich in Ruanda einmal zugeschaut habe, wie die Nester gebaut werden. Sehr beeindruckend. Aber wir sind nicht im Dorf verweilt, sondern sind, nachdem wir den richtigen Weg gefunden hatten, fleißig durch den Wald gestampft, um etwaige Schlangen zu vertreiben. Freddy hat uns zum einzigen richtigen Sandstrand auf der Insel geführt. Es ist ein Privatstrand, aber anscheinend stört es den Eigentümer nicht, wenn man dort mal eben ins Wasser springt und in die Wellen taucht. Das kurze „Swimstaken“ war sehr erfrischend.

Was ist Swimstaken, fragt ihr euch vielleicht? Das ist das deutsche Wort für schwimmen, falls ihr es noch nicht wusstet. Freddy kann etwas Deutsch, aber manchmal kommen sehr witzige Kreationen heraus. Und ich verrate hier nur so viel: Swimstaken war nur der Anfang. Außer uns war auch noch eine chinesische Herrengruppe im Wasser. Spätestens als Tina einen der Herren abseits seiner Gruppe in eindeutiger Hockpose im Wasser entdeckte, war es mit der Ernsthaftigkeit für den Tag vorbei.

Da ich nicht genau weiß, wer hier alles so mitliest, möchte ich nur das Endergebnis unseres Ausfluges mit euch Teilen. Ein neues geflügeltes Wort: “Keep your Schnabel out of my Schwimmkacke.” Was so viel bedeutet wie „Misch dich nicht in Dinge ein, die dich nichts angehen.“

Der Spaziergang, das Swimstaken und das viele Lachen haben uns hungrig gemacht. So waren wir sehr froh, dass kurz nach uns auch Maria und Wissam wieder zurückkamen und Wissam direkt in der Küche verschwand, um uns bald mit allen Köstlichkeiten von der Speisekarte zu verwöhnen. Es gab Papayasalat, frisches Cevice, Süßkartoffel-Pommes, Baracuda in Bananenblatt mit Erdnusssoße, in Bierteig frittierte Calamari und Lobster. Dazu noch verschiedene Soßen und geröstetes Brot. Die Fotos kommen bei weitem nicht an das Essen heran. Überhaupt zeigen die Fotos leider gar nicht, wie schön es auf Banana wirklich ist. Das Essen auf jeden Fall war unglaublich gut und selbst Tina hat das Cevice und den Fisch gegessen.

Wissam und Emily betreiben das Ressort. Sie haben zwei Jungs und Emily arbeitet eigentlich in Freetown, weshalb wir dann mit Emily, den Jungs und weiteren Gästen am späten Nachmittag mit dem Boot wieder zum Festland gefahren sind. Mit vollen Mägen, einem neuen Sprichwort und einem glücklichen Lächeln im Gesicht.

Ein geklauter Glücksmoment

Der Glücksmoment ist nicht vollständig gestohlen, aber eigentlich ist es Tinas. Auf dem Heimweg nach Freetown gab es auf einmal Stau. Ein paar Autos sind auf die Gegenfahrbahn, also wir hinterher. Auf unserer Spur war eine Parade mit Blaskapelle und Musik unterwegs. Als wir ziemlich genau neben der Kapelle waren, spielten sie „Mona Lisa“, einer der Songs, den auch Maria immer spielt. Tina fing sofort an am Beifahrersitz mitzusingen und zu tanzen. Was von den Leuten, die der Blaskappelle folgten, sehr positiv aufgenommen wurde und lautstark unterstützt wurde. So waren wir auf einmal im Zentrum der Aufmerksamkeit und haben mit den Menschen neben dem Auto gesungen, getanzt und gelacht. Dann mussten wir leider weiterfahren.

Neuer Herd, neue Küche, neues Wohngefühl

Und dann ist da ja noch unsere „neue“ Küche. Das hört sich jetzt etwas banal an, aber: mein Herd, den ich im August gekauft hatte, hat mich ja schon die ganze Zeit genervt. Der Ofen ging nicht, die Flammen waren irgendwie falsch eingestellt, so dass meine ganzen Töpfe verrußten und und und. Vor zwei Wochen haben wir den Herd weggebracht und einer Freundin geschenkt. Letzte Woche dann haben ich einen neuen Herd gekauft und am nächsten Tag meine Töpfe geschrubbt. Ich bin überglücklich. Sobald ich meine Kuchenformen habe, werde ich endlich auch backen können!!! Ich schulde Tina ja immer noch ihren Geburtstagskuchen…

Wie die meisten von euch wissen, mag ich es, wenn man sich in Küchen aufhalten kann. Bisher war das in meiner nicht so der Fall. Aber jetzt haben wir den Schreibtisch in die Küche gestellt und ich muss sagen, ganz neues Wohngefühl.

Hinzukommt, dass Freddys Klempner gerade da war und wir jetzt tatsächlich in der Küche einen Wasserhahn haben, aus dem richtig Wasser kommt.

Handfütterung beim Koreaner

Eigentlich dachte ich, alle Momente wären nun eingefangen, aber nein! Soeben erinnert mich Tina noch an unser Abendessen beim Koreaner vorgestern. Die Kritiken auf Google haben mir zwar zunächst etwas Angst gemacht, aber da war es schon zu spät. Zähne zusammenbeißen und los geht’s. Tina und ich sind losgeschlendert und haben das Restaurant auch auf Anhieb gefunden. Und nicht zu vergessen: wir haben dabei auch einen Minimarkt gleich um die Ecke entdeckt. Ob es dort Milch gibt, müssen wir in den nächsten Tagen mal noch auschecken.

Zurück zum Koreaner. Angeblich authentisches koreanisches Essen und auch authentische Restaurantatmosphäre. Da sowohl John als auch Freddy schon in Korea waren, konnten sie dies bestätigen. Und auch ohne jemals in Korea gewesen zu sein: so ungefähr stelle ich mir das vor. Außer uns waren nur koreanisch aussehende Menschen da. Die Deko an den Wänden und auf den Tischen, klassisch kitschig, so stelle ich mir das vor. In der Mitte der Tische gibt es eine Öffnung, in der der Grilleinsatz ist, um das Fleisch und den Fisch direkt vom Chef persönlich gegrillt zu bekommen.

Da die mündliche Verständigung etwas schwierig war, wurde uns mit den Händen und klaren Zeichen erklärt, wie das Essen in den Mund zu führen ist: Salatblatt nehmen, Soße darauf, mit der Schere zurechtgeschnittes Fleisch dazu, dann frischen Knoblauch, Chillie, Kimchi. Jetzt nur noch das Salatblatt zusammenrollen oder – falten und ab in Mund. Ich hatte die große Ehre, dass der Chef persönlich mir das erste Päckchen zubereitete und es mir samt seiner halben Hand in den offenen Mund beförderte. Ob dies nun ein Glücksmoment war oder nicht, sei dahingestellt. Aber geschmacklich war es ausgezeichnet und der Saki passte auch perfekt dazu.

So viele Glücksmomente – das kann doch nicht so weitergehen

Ich habe vielleicht auch irgendwann einmal von Betty erzählt. Betty kenne ich noch aus meiner Zeit im Guesthouse. Betty ist oder besser gesagt war schwanger, aber naja, wie soll ich sagen, wird das Kind wohl alleine aufziehen müssen. Tina und ich waren vor ein paar Wochen schon mit ihr Babysachen kaufen und haben sie vorletztes Wochenende besucht. Sie meinte zwar, dass es jederzeit soweit sein kann, aber eigentlich hatte der Arzt auch gesagt, dass sie einen Kaiserschnitt braucht. Wir haben ihr versprochen, das mit ihr gemeinsam zu machen, weil sie Angst vor der OP hatte. Letzte Woche haben wir also gewartet, dass Betty sich meldet, aber nichts. Und dann kam am Samstagabend, als wir gerade beim äthiopischen Essen saßen, die Nachricht, dass sie einen Jungen bekommen hat. Unsere Freude war groß. Das hieß, sie hat es irgendwie geschafft.

Leider kam dann aber am Montag die schlechte Nachricht, dass das Baby Malaria hat und auch nicht bei Betty ist, sondern „in einer Maschine“. Wir hoffen, dass es beiden bald gut geht und sie zusammen aus dem Krankenhaus nach Hause dürfen. Krank sein in Sierra Leone ist nicht ratsam, besonders nicht für Babys und Kleinkinder.

Wir drücken Betty und dem Kleinen in den nächsten Tagen die Daumen, damit sie uns bald genauso freudig anstrahlen, wie unser Sonnenschein Mustapher, der Sohn meiner Securities.

Mustapher ist unser Sonnenschein im Haus. Wie könnte man diesem Lächeln auch widerstehen?

NACHTRAG: Da der Post schon vor zwei Wochen verfasst wurde, gibt es schon Neugikeiten zum Gesundheitszustand des Babys: Es hatte keine Malaria, sondern Gelbfieber. Seit letzter Woche sind die beiden zuhause und wir haben sie letzte Woche auch schon besucht. Am Freitag ist das Namensgebungsfest. Davon berichte ich vielleicht ein anderes Mal.

Mit meinem heutigen Post wollte ich euch einfach mal zeigen, dass es hier neben vielen Schwierigkeiten und Herausforderungen auch sehr viel Schönes und Entspannendes gibt. Das vergesse ich vielleicht manchmal euch zu berichten und eigentlich wollte ich euch verschiedene Aspekte des Lebens hier näherbringen.

Euch allen wünsche ich, trotz Covid, Alltagsstress und Co möglichst viele kleine und große Glücksmomente im Alltag und ab und an einen Lachanfall bis der Bauch schmerzt.

Bird watching at Outamba-Kilimi

Letztes Wochenende war es endlich so weit. Meine erste richtige bird watching experience! Einige von euch wissen vielleicht, dass eines meiner Ziele für meine Zeit hier bei der Conservation Society of Sierra Leone ist, dass ich eine richtig nerdige birdy werde. Also eine Person, die stets in den Himmel und in die Äste von Bäumen und Büschen schaut, in der Hoffnung, spannende Vögel zu entdecken.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, was ich gedacht habe, als ich damals vor über 15 Jahren den Reiseführer für Mosambik gelesen hatte, in Vorbereitung auf meine erste Reise nach Afrika: Mosambik sei ein ganz tolles Reiseziel zum Vogelbeobachten. Na toll, dachte ich damals. Vögel. Wie spannend! Heute sehe ich das natürlich ganz anders. Das Tolle an Vögeln im Gegensatz zu Giraffen, Antilopen und Löwen ist, dass sie überall sind.

Wie kam es denn nun zu meinem ersten Bird watching. Mal wieder ein Klassiker. Eigentlich wurde nur mein Auto gebraucht, aber das gibt es natürlich nicht ohne mich. Vor allem nicht, wenn es in den Outamba-Kilimi Nationalpark im Norden des Landes fährt, direkt an der Grenze zu Guinea. Ich wollte eh unbedingt bald in den Outamba. Also konnte ich direkt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Bird watching experience und Outamba-Kilimi.

Dust, dust und nochmal dust

Es ist Trockenzeit. Das bedeutet, es hat das letzte Mal im November geregnet. Einerseits wundere ich mich immer wieder über die Bäume und Pflanzen hier, die einfach trotzdem grün sind und wachsen, obwohl sie seit Monaten keinen Regen mehr abbekommen haben, zugleich sieht man sowohl in der Wohnung als auch auf der Straße und bei Fahrten über Land, dass hier schon lange kein Regen mehr den Sand und den Staub von den Blättern und Häusern gewaschen hat. Bei mir in der Wohnung ist alles von einer dünnen Staubschicht belegt. Der Hamatan – der Saharawind – bringt uns den Wüstenstaub nach Freetown.

Bis nach Makeni geht es auf einer geteerten Straße, danach geht die Straße irgendwann in Staubpisten über. Es staubte ungemein. Die Pflanzen links und rechts der Straße sind nicht mehr grün, sie sind rot. Ich habe die Zeit genutzt und mich ein bisschen mit der hiesigen Vogelwelt bekannt gemacht…

Der Weg zum Outamba führt über den Kaaba Fluss. Um ihn zu überqueren, mussten wir kurz auf die Fähre warten, die auch tatsächlich ein Auto und dazu noch ein paar Motorräder und Menschen befördern kann. Die Fähre oder besser das Floß wird an einem Drahtseil entlang über den Fluss gezogen. Auf der anderen Seite geht es dann weiter auf den Sandpisten. Ich habe mich nur gefragt, ob auch LKWs so befördert werden?

Wir sind am Vormittag gegen 10h aus Freetown los, natürlich nicht ohne vorher noch einen Umweg zu fahren, um die eine Kollegin abzuholen. Aber dann ging es wirklich los. Papanie, Andrea, Sinneh und ich. Gegen 17h sind wir dann im National Park angekommen. Begrüßt wurden wir von Kollegen von der NPAA und von Forest Guards vom National Park und von einem kleinen Affen. Es ist wirklich sehr, sehr schön im Outamba-Kilimi Camp. Unter den Bäumen direkt am Fluss gibt es eine Zeltwiese. Sie war voller Zelte, da Tacugama (die Schimpanzen Sanctury aus Freetown) dort ein Training für Forest guards aus Guinea abhält. Die Guards lernen Kamerafallen aufzustellen, Tierspuren zu lesen und noch allerlei andere Dinge, die so ein Forest Guard wissen sollte. Zum Fluss geht es ein paar natürliche Stufen hinunter. In der Trockenzeit gibt es einen kleinen Strand, an dem gerade die Teilnehmenden des Trainings waren, um sich im Fluss zu waschen. Es gibt nämlich keine richtigen Unterkünfte und Sanitäranlagen. Es gibt die Zeltwiese und ein Häuschen für den Klogang. Den Rest macht man im Fluss. Auf der anderen Seite des Flusses ist der Nationalpark. Und am Horizont erstreckt sich Guinea hinter den Bäumen. Wir haben noch kurz alles für unseren Bird Watching Ausflug am nächsten Morgen besprochen und sind dann wieder aufgebrochen. Leider haben wir unsere Zelte nicht aufgeschlagen. Aber das nächste Mal werde ich das auf jeden Fall machen.

Wir sind nochmal 30 Minuten über die Sandpiste und in einen Ort in der Nähe, wo wir uns auf die Suche nach einem Guesthouse begeben haben. Das Guesthouse entspricht wahrscheinlich nicht den Ansprüchen von allen Menschen, aber irgendwie habe ich dann doch etwas Schlaf gefunden. Wer meine letzten Posts aufmerksam gelesen hat, diejenigen haben schon einmal von den Freetong Players International gelesen. Einer unserer Netzwerkpartner. Ziemlich witzig, dass wir ein altes Fahrzeug von ihnen in dem Ort gesehen haben, in dem wir übernachtet haben…

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück zurück in den Outamba. Noch während wir auf Mohammed, unseren Führer für den Tag, gewartet haben, flogen schon die ersten Vögel durch die Morgensonne an uns vorbei. Meine Kollegin Andrea aktivierte direkt die BirdLaserApp, mit der man die Vogelbeobachtungen dokumentieren kann. Die App hilft, weltweit Daten zu Vögeln zu erheben. Wie wir ja in der Wildlife Week letzten Oktober gelernt haben, sind Vögel wichtige Indikatoren für den Zustand von Ökosystemen. Deshalb sind wir auch überhaupt in den Outamba. Es gibt nicht wirklich Daten zu den Vögeln hier. Ich glaube, CSSL will versuchen den Outamba als Important Bird Area anerkennen zu lassen. Dafür brauchen wir zunächst Daten zu den Vogelarten und zur Anzahl der Vögel.

Als Mohamed da war, ging es dann über den Fluss in seinem kleinen Boot. Auf der anderen Seite ging es direkt rein in den Wald über Trampelpfade. Die Vegetation im Outamba-Kilimi unterscheidet sich sehr stark von der im Süden Sierra Leones. Hier gibt es eher Grasland und Steppe. Es gibt hier in der Gegend auch Elefanten. Die haben wir leider nicht gesehen. Aber die hätten wir ja auch gar nicht in unserer BirdLaserApp dokumentieren können…

Ich bin auf jeden Fall ein ums andere Mal beeindruckt, wie Papanie und Andrea die Vögel benennen können. Für mich war es meist ein dunkler Umriss in den Zweigen. Nach und nach habe ich dann aber gelernt, worauf es zu achten gilt: Die Schnabelform, die Schwanzform, natürlich die Farben, insbesondere an den Flügeln und im Kopfbereich und natürlich die Flügelform, wenn die Vögel losfliegen. Ein paar wenige Vögel konnte ich auch schon vor unserem Ausflug bestimmen. Nun kenne ich noch mehr. Im Auto hatte ich mich schon kurz vorbereitet – nun im Praxistest war es zwar nicht immer einfach, aber wie gesagt: ein paar Vögel konnte selbst ich richtig identifizieren. Wir haben sehr viele Common Bulbuls gesehen, verschiedene Bee-Eater und kleine Sundbirds. Aber auch einen tollen Hornbill oben am Baum, der uns seine Silhouette in der aufgehenden Sonne zeigte. Als wir den Fluss erreichten, um ihn wieder zu überqueren, warteten schon fünf Reiher am anderen Ufer auf uns und dann flogen auch noch zwei Great Blue Turacos übers Wasser. Was eine traumhaftes Bild. Ihr seid bestimmt schon ganz gespannt, was wir so alles gesehen haben. Ich will euch nicht zu sehr auf die Folter spannen. Ich habe euch eine kleine Auswahl zusammengestellt. Da es nicht so leicht ist, gute Fotos von den Vögeln zu schießen, musste ich mich ausnahmsweise bei Wikipedia bedienen und die Fotos von dort benutzen. Und den Guinea Turaco musste ich von iStock nehmen, weil es bei Wikipedia kein Foto gab, auf dem die roten Schwingen sichtbar sind. Die Vogelnamen erscheinen, wenn ihr mit der Maus über das Bild geht.

Nach knapp drei Stunden Vogel-Wanderung kamen wir wieder im Camp an. Achso, fast vergessen: Affen haben wir natürlich auch gesehen. Die klettern ja ständig durch die Bäume und machen riesen Lärm dabei…

Zurück im Camp haben wir das Warten aufs Mittagessen mit Faulenzen verbracht. Es gibt noch ein paar alte Hütten, die von einer ehemaligen Eco-Lodge zeugen. Leider wurde die nicht in Stand gehalten, deshalb sind die Hütten nicht mehr nutzbar. Vielleicht können wir hier eines unserer Öko-Tourism Projekte starten. Das würde durchaus Sinn machen. Ich kenne einige Leute in Freetown, die gerne den Outamba-Kilimi besuchen würden. Es ist aber ziemlich schwer herauszufinden, wie man hierherkommt und vor allem, wie man das ganze organisiert. Niemand weiß so genau wie das mit Unterkunft und Verpflegung ist. Vielleicht können wir das ändern. Zu Essen gab es dann irgendwann nach zwei Stunden Wartezeit Reis mit Groundnut soup. Mein Favorite! Aber man merkt, dass es kein „Tourismus-Personal“ vor Ort gibt, sondern alles Forest Guards sind. Ähnlich wie im Gola Regenwald, ist der Fokus eher auf wissenschaftliche Besuche ausgelegt, als auf Toursimus.

Ich bin gegen drei nochmal auf den Fluss, um mit Mohamed zu den Hippos zu paddeln. Die anderen haben am Auto gewartet. Die Paddeltour war ziemlich schön. Es ist kaum jemand unterwegs auf dem Fluss. Nur ab und an mal einzelne Personen auf einem Einbaum. Das Ufer ist zugewuchert, ab und an sieht und hört man Affen und natürlich sind auch hier wieder ganz viele Vögel am Start. Ich habe einen ziemlich beeindruckenden Geier gesehen und einen wunderschönen kleinen Kingfisher. Nach ungefähr einer Stunde haben wir die Hippos erreicht. Sie halten sich immer an der gleichen Stelle auf. Ich fand, dass wir ziemlich nah an sie ran sind, dafür dass wir in einem Bötchen aus hauchdünnem Blech saßen. Das eine Hippo kam zunächst auch in unsere Richtung, aber kam dann doch nicht ganz nah an uns heran. Die Hippos tauchten leider ab, als wir kamen. Es war trotzdem ein bisschen witzig ihnen zuzusehen, wie sie abwechselnd immer wieder unter lautem Schnauben kurz aufgetaucht sind, um Luft zu holen. Und jetzt weiß ich auch, weshalb wir sie auch Flußpferde nennen. Weil sie sich genauso anhören, wenn sie Luft holen. Bei den Hippos haben wir die Muffins genossen, die ich dabeihatte, dann haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Dieses Mal habe ich auch ein bisschen gepaddelt. Das machte dann noch mehr Spaß, als einfach nur im Boot zu sitzen und zu gucken. Obacht: jetzt kommen unendlich viele Fotos von meiner Paddeltour. Es war einfach so schön entspannend und ruhig. Das möchte ich sehr ausgiebig mit euch teilen.

Zurück bei den anderen ging es nach Kamakwe, wo wir uns wieder auf die Suche nach einem Guesthouse begeben haben. Nachdem wir fundig geworden waren, ging es direkt wieder los. Wir hatten alle ziemlich Hunger nach dem langen Tag. So kam es, dass wir dann zufällig noch die zweite Halbzeit des kleinen Finales vom Africa Cup of Nations bei Pommes und Chicken anschauen konnten. Ich habe festgestellt: ich fühle mich gar nicht mehr reizüberflutet, wenn auf einem großen Bildschirm ein Fußballspiel mit lautem Ton gezeigt wird, zugleich ein Diskolicht die Plastikblumen auf der glitzernden Plastiktischdecke ständig in unterschiedliche Farben taucht und dann auch noch der DJ seine Abendschicht antritt und die Afrobeats aus den Lautsprechern dröhnen. Ganz normales Abendessen-Feeling. Weil Sinneh keine Lust auf Chicken und Chips hatte, ist er los und hat auf der Straße was zu essen gesucht und gefunden. Da wollten die anderen natürlich in Nichts nachstehen. Deshalb sind wir noch kurz an einen Straßenstand, wo Lamm, Schwein und Rind auf heißen Metallplatten knusprig gebraten wurde.

Man sucht sich einfach das Stück Fleisch aus, das man gerne hätte, das wird dann klein geschnitten in mundgerechte Happen und von allen Seiten scharf angebraten. Dann wird das Fleisch mit einem Stück Papier aufgenommen, gewürzt mit scharfem Pulver und frischer Zwiebel, ein – zwei Zahnstocher dazu und schon hat man Fingerfood vom Feinsten.

Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus für unsere zweite Bird Watching Activity. Zuerst natürlich noch Frühstück im Guesthouse, dann los auf die Straße. Da Sinneh nicht wirklich geschlafen hatte – er hat das Auto bewacht – habe ich angeboten, zu fahren. Sinneh musste nur während unseres Birdings das Steuer übernehmen. Was ihm offensichtlich Spaß gemacht hat. Dieses Mal sind wir nicht durch den Wald gelaufen, sondern einfach an der Straße zwischen Kamakwe und Makeni entlang. Aber auch entlang der Straße haben wir unglaublich viele Vögel gesehen. Und – auch praktisch: auf der Straße kommen wenigstens ab und an Menschen vorbei und verkaufen Bananen 😉

Schon am ersten Tag war klar, dass ich sehr gut im Spotten bin. Ich kann zwar keine Vogelarten benennen, aber immerhin habe ich anscheinend einen guten Blick, um die Vögel auf den Bäumen und im Gebüsch zu entdecken. So konnte ich auch einen Beitrag leisten. Einmal kam es sogar zu einer großen Diskussion. Vorneweg muss ich erklären, dass Papanie unser Vogel-Spezialist ist. Er kennt alle Vögel. Andrea ist noch am Lernen und ich bin ja sowieso ganz neu im Business. Wir laufen also gerade die Straße entlang, da fliegt plötzlich ein wunderschöner Vogel vor uns quer über die Straße. Papanie war gleich sicher, es muss ein Senegal Coucal gewesen sein. Aber Andrea und ich sahen das ganz anders. Ganz klar hatte der Vogel rote Federn auf der Unterseite der Flügel. Keine braunen! Nach längerem Hin und Her ließ Papanie sich überstimmen. Er meinte zwar erst, es gebe keinen Vogel in der Größe, der rote Schwingen hat, aber da hat er wohl den Guinea Turaco vergessen gehabt…

Kurze Zeit später kreuzte noch ein Senegal Coucal unseren Weg. So waren wir alle wieder ausgesöhnt. Und spätestens als wir den blue-bellied roller erblickt hatten, waren wir sowieso vollkommen verzückt. Wer hätte es gedacht. Vielleicht steckt mir tatsächlich ein bird-nerd in den Genen…

Kleine Zwischenstopps am Heimweg

Auf dem Heimweg gab es nur noch einen Zwischenstopp zum Mittagessen in Makeni. Dachte ich zumindest. War natürlich nicht so. War ja klar… Papanie kommt aus einem Dorf, das auf dem Weg liegt. Also sind wir nochmal kurz vom Highway runter und über Sandpiste ins Dorf von Papanies Mutter. In der Nähe des Dorfes hat Papanie eine kleine Farm gestartet mit Cashew Bäumen, Casava, Ananas und Geflügel. Sinneh hat sich schnell ein Huhn gefangen und hinten ins Auto. Ich hasse das ja, wenn wir Hühner im Auto transportieren. Die Hühner haben soviel Angst und wissen gar nicht wie ihnen geschieht. Als wir in Papanies Dorf angekommen sind, kamen ziemlich viele Kinder und haben sich vor meinem Autofenster versammelt – „Oporto“ „Oporto“ „Oporto“ und haben gewunken. Ich habe dem einen Mädchen dann die Hand hingehalten, damit sie einschlagen kann, aber erst hat sie sich nicht getraut. Dann hat sie sich doch getraut, aber meine Fingerspitzen nur ganz flüchtig berührt. Die Kinder hatten wirklich Angst vor mir. Sie finden es zwar immer super aufregend, wenn eine weiße Person im Auto vorbeifährt und rufen immer ganz laut und winken, aber Anfassen ist dann anscheinend doch eine Nummer zu cras.

Normalerweise müssen wir unterwegs auf dem Rückweg nach Freetown immer oft anhalten, weil Kollegen und Kolleginnen unterwegs noch Holzkohle, Obst, Gemüse und und und kaufen wollen. Dieses Mal habe ich den Spieß mal umgedreht. Dieses Mal war ich Shoppen. Erst habe ich eine super sanfte Vollbremsung hingelegt, als wir kurz vor Lunsar an den Pottery Ladies vorbeigefahren sind und habe noch einen Schwung Lehmtöpfe für die Balkonpflanzen gekauft und dann gab es noch einen Stopp, um Kochbananen, Papaya, Ananas, Ingwer, Gurken und so zu kaufen. Erstens sind die Produkte günstiger als in der Stadt, zweitens sind sie frischer und drittens werden so Menschen unterstützt, die keinen direkten Zugang zu den Märkten in der Stadt haben.

Als ich dann endlich um kurz nach sechs zuhause war, war ich komplett tot. Nach zwei kurzen Nächten, einer langen Autofahrt und so vielen Vögeln… Aber ein Trip in den Outamba-Kilimi lohnt sich. Und als ich am Samstag in dem Boot auf dem Fluss gepaddelt bin, dachte ich mir, wie froh und dankbar ich doch bin, dass ich bin wo ich bin und all dies erleben darf. Deshalb gibt es zum Schluss nochmal ein Paddelfoto 🙂

20 Jahre Frieden – Wo stehen wir heute?

Am 18. Januar 2002 erklärte Präsident Kabbah den seit über zehn Jahre dauernden Bürgerkrieg in Sierra Leone für beendet. Letzte Woche gab es zu diesem Anlass ein Meeting mit anschließender Pressekonferenz der CPS – Netzwerkpartner von Brot für die Welt. Zur Erinnerung: CPS steht für Civil Peace Service, auf Deutsch Ziviler Friedensdienst (ZFD). Wir stellten uns den Fragen, was wir in den letzten 20 Jahren als Organisationen dazu beigetragen haben, den Frieden zu bewahren, wo wir heute stehen und wie wir auch in Zukunft den Frieden sichern können.

11 Jahre Krieg – Gibt es da eine Unterscheidung zwischen „Gut“ und „Böse“?

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone dauerte von März 1991 bis Januar 2002. Er gilt als einer der brutalsten auf dem afrikanischen Kontinent und vielleicht auch weltweit. Genaue Opferzahlen sind nicht bekannt. Schätzungen gehen von 50.000 bis 200.000 Todesopfern aus. Doch die Todesopfer allein machen diesen Bürgerkrieg nicht zu einem der brutalsten in der neueren Geschichte. Während des Krieges wurden unzählige Menschen verstümmelt, vergewaltigt und psychisch zerstört. Kinder wurden aus ihren Dörfern entführt, unter Drogen gesetzt und zu furchtbaren Taten gezwungen, um sie zu brechen und als Kindersoldaten einzusetzen.

In vielen anderen Kriegen weltweit, die über mehrere Jahre andauern, in denen es nicht „nur“ um politische Macht, sondern vor allem um wirtschaftliche Interessen geht, gibt es keine klaren Linien, keine zwei Lager, die sich gegenüberstehen. Diese Kriege sind komplex und nicht immer ist klar, wer „die Guten“ und wer „die Bösen“ sind. Oder gibt es überhaupt „die Guten“ im Krieg? Im Falle Sierra Leones ist es nicht anders gewesen. Gräueltaten wurden nicht nur von den Rebellen begangen. Auch Soldaten der Regierungsarmee haben geplündert, vergewaltigt und die Bevölkerung in Angst versetzt. Und natürlich sind auch internationale Unternehmen, Regierungen und Mächte involviert, wenn es um Diamanten, Gold und andere Bodenschätze geht. Man nennt es auch den Ressourcenfluch. Für die Bevölkerung von Ländern, die reich an Bodenschätzen sind und schwache Regierungen haben, sind die Bodenschätze oftmals mehr Fluch als Segen. Man sieht das in der Demokratischen Republik Kongo, im Norden Mosambiks und auch in Sierra Leone. Ich möchte heute aber nicht über den Krieg schreiben, sondern über den Frieden.

CPS Netzwerktreffen zu 20 Jahre Frieden

Anlässlich des 20-jährigen Jahrestages zum Ende des Krieges haben sich letzte Woche die CPS-Netzwerkpartner von Brot für die Welt in Sierra Leone getroffen, um gemeinsam zu reflektieren, was sie in den letzten 20 Jahren getan haben, um den fragilen Frieden zu stärken, wo wir heute stehen angesichts der nahenden Wahlen im kommenden Jahr und wie wir es schaffen können, den Frieden auch in Zukunft zu wahren.

Die Organisationen im Netzwerk arbeiten in sehr unterschiedlichen Bereichen:

  • CCSL (Counsil of Churches of Sierra Leone)
    Als kirchliche Organisation kann CCSL oftmals in konfliktreichen Situationen vermitteln, da religiöse Führer in Sierra Leone hohes Ansehen genießen und Religion für die Menschen hier sehr wichtig ist. CCSL kann deshalb vermittelnd zwischen Konfliktparteien auftreten und Situationen entschärfen.
  • Culture Radio
    Culture Radio bringt Informationen, Nachrichten und Wissen zu Menschen im ganzen Land. Radio ist insbesondere in den entlegenen Gebieten das Medium der Wahl. Über community radios wird den Menschen eine Stimme gegeben, ihre Anliegen werden publik gemacht und sie werden über wichtige Entwicklungen im Land informiert. Falschinformationen kann entgegengewirkt werden.
  • MAGE (Men´s Association for Gender Equality)
    MAGE setzt sich für Geschlechtergerechtigkeit ein. Der Ansatz ist, dass es auch Männer braucht, um diesen gesellschaftlichen Wandel voranzubringen.
  • MADAME (Mankind Activities Development Accreditation Movement)
    MADAME setzt vor allem auf berufliche Ausbildung junger Menschen. Sie bieten verschiedene Ausbildungen für junge Männer und Frauen an, um ihnen einen guten Start im Berufsleben zu ermöglichen. Wer selbstständig ist und für das eigene Leben aufkommen kann, ist weniger anfällig für Falschmeldungen und Instrumentalisierung.
  • SiLNoRF (Sierra Leone Network on the Right for Food)
    SiLNoRF setzt sich, wie der Name schon sagt, für das Recht auf Essen ein. Es ist ein Netzwerk aus mehreren Organisationen, die auch Advocacy zu den Themen Nahrungssicherheit und sauberes Trinkwasser machen. Auch Landrechte gehören zu ihren Fokusthemen.
  • Freetong Players International
    Die Freetong Players informieren und vermitteln Wissen und Botschaften durch Theaterstücke.
  • YMCA (Young Men´s Christian Association)
    YMCA hat mehrere Jugendgruppen im ganzen Land, die ähnlich wie kirchliche Jugendgruppen in anderen Ländern funktionieren und versuchen Misstände in der Gesellschaft zu verringern.
  • und natürlich CSSL (Conservation Society of Sierra Leone)

Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Wir treffen uns einmal im Quartal, um über aktuelle Projekte zu berichten und uns auszutauschen. Beim Treffen letzte Woche ging es wie gesagt, um den Beitrag zum Frieden nach dem Bürgerkrieg. Es geht viel um Bildungsangebote, berufliche Ausbildung, Vermittlung zwischen Konfliktparteien und den Versuch, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft zu verringern.

Alle waren sich einig, dass einer der Hauptgründe für den Krieg damals – oder besser gesagt, einer der Gründe, weshalb der Krieg möglich war – die Perspektivlosigkeit der Menschen, insbesondere der jungen Generation, war. Hinzu kamen die große Ungleichheit im Land, die Korruption und das nicht vorhandene Vertrauen in die politische Elite, diese Missstände zu ändern. Eine Jugend, die keine Perspektive hat, die keine Ausbildung hat und sich in Drogen und Parallelwelten flüchtet, ist sehr anfällig für Radikalisierung und dafür für politische Ziele missbraucht zu werden.

Documentary on CPS 20 years after the war

Das CPS-Netzwerk hat eine 30minütige Video-Dokumentation erstellt, die die Netzwerkpartner und Betroffene zu Wort kommen lässt und auch auf die aktuelle Situation blickt. Die Netzwerkpartner berichten, was sie in den letzten 20 Jahren getan haben, um den Frieden zu stabilisieren. Der Film zeigt aber auch einige Szenen aus dem Bürgerkrieg, so dass unterschiedliche Aspekte des Krieges und des Friedens thematisiert werden.
Die Dokumentation ist leider noch nicht final freigegeben und da nicht absehbar ist, wann das der Fall sein wird, veröffentliche ich den Blogbeitrag schon einmal ohne den Film. Der Film dann nachgereicht 😉

Persönliche Erinnerungen an den Krieg – von Drogen, Mord und Kidnapping

Nachdem wir den Film angeschaut haben, gab es eine Diskussionsrunde. Offensichtlich hat der Film bei meinen Kolleginnen und Kollegen, die den Krieg miterlebt haben, viele Erinnerungen wieder hervorgeholt. Einige haben sehr persönliche Erfahrungen geteilt.

So berichtete ein Kollege, dass er während des Krieges die Schule verlassen musste und durch großes Glück die Möglichkeit hatte, anschließend seine Schule fertig zu machen und sogar zu studieren. Aber der Krieg hat ihm viel genommen. Er berichtete, dass einer seiner Mitschüler Teil der Rebellen wurde und dafür verantwortlich sei, dass seine Mutter nicht mehr da ist.

Ein weiterer Kollege erzählte, dass er gezwungen wurde (ich schätze mal, von den Rebellen), von Kenema nach Liberia zu laufen, was vier Tage dauerte. Zwischen Kenema und Liberia ist Busch und Regenwald. Dort gibt es keine Wege. Sein Bruder, von der gleichen Mutter und vom gleichen Vater (das wird hier immer extra betont, da es Mehrehen gibt), war ein Senior Rebell Leader. Deshalb wurde auch mein Kollege verfolgt und gejagt.

Ein Kollege berichtete, dass Drogen eines der Hauptprobleme waren, damals. Und es immer noch oder wieder sind. Die Jugend ist anfällig für Drogen, sie sind sehr billig hier und sie bringen die Jugendlichen in eine Abhängigkeit. Einer seiner Freunde wurde von Rebellen entführt. Er hat ihn in einem Ausschnitt im Film erkannt.

Am 25.12.1994 sei er von den Rebellen der RUF (Revolutionary United Front) gefangen genommen worden, erzählt ein weiterer Kollege. Er habe großes Glück gehabt. Ein paar Tage später haben sie ihn wieder freigelassen. Er betonte, wie wichtig es ist, den Krieg und die Kriegsgeschehnisse nicht zu vergessen. Reflektion, Erinnern und Gedenken sind wichtig.

Auch die CPS-Koordinatorin, Adenike, betonte anschließend, alle, die den Krieg erlebt haben, für sie ist klar: Nie wieder! Aber die junge Generation weiß nichts über den Krieg. Wenn sie jemanden sehen, dessen Bein oder dessen Hände amputiert sind, wissen sie nicht, dass dies mit dem Krieg zusammenhängt. Man müsse der jungen Generation erzählen, was während des Krieges passiert ist, damit auch sie sich für den Frieden einsetzen.

Wo stehen wir heute?

Im kommenden Jahr sind Wahlen in Sierra Leone. Wahlen sind immer eine fragile Zeit. Im Vorfeld der Wahlen versuchen Parteien, vulnerable Bevölkerungsteile, vor allem Jugendliche zu mobilisieren, der Druck auf die Bevölkerung steigt und es kann zu offenen Konflikten kommen. Je nach Ausgang der Wahl und je nachdem, wie die beteiligten Individuen und Parteien das Ergebnis akzeptieren, bleibt es ruhig oder gewaltsame Konflikte können ausbrechen. Es gibt zwei große Parteien im Land. Es ist üblich, dass eine Partei zwei Legislaturperioden bekommt und dann abgelöst wird. Es wird nun sehr spannend nächstes Jahr. Die aktuelle Regierung ist erst in ihrer ersten Legislaturperiode, aber die Menschen sind sehr unzufrieden mit ihnen. Es ist nicht klar, ob sie dennoch wiedergewählt werden, weil „normaler Weise“ alle eine zweite Periode an der Macht sind, oder die Bevölkerung sie nächstes Jahr schon abwählt.

Die große Ungerechtigkeit im Land war damals einer der Hauptgründe, weshalb sich Menschen den Rebellen angeschlossen haben. Mein Kollege vom CCSL betonte dies in seinem Statement. Diese Ungerechtigkeiten sind immer noch da. Die bisherigen Regierungen haben es nicht geschafft, dass zu ändern. Es gibt Verbesserungen und Entwicklungen, aber es gibt immer noch zu viele Ungerechtigkeiten im Bereich Gender, Zugang zu Ressourcen, Teilhabe am Reichtum des Landes, Lebensstandard, Landnutzung… Es gibt zu viel Korruption im Land. Als CPS-Netzwerk sollten wir diese Themen ansprechen und versuchen, diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen, so mein Kollege.

Dass die Wunden des Krieges noch nicht verheilt sind und Sierra Leone auch zwanzig Jahre nach Kriegsende noch unter den Folgen des Krieges leidet, zeigt diese kurze Dokumentation. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich im guesthouse in meinen ersten Wochen eine französische Journalistin kennengelernt habe, Jenna. Sie war unter anderem in Sierra Leone um eine kurze Dokumentation zu Sierra Leone – 20 Jahre nach dem Krieg zu drehen. Sie ist zwar selbst mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden, aber ich möchte euch den Film dennoch nicht vorenthalten. Für die Dokumentation ist sie mit einem der Rebellen in eines der Dörfer gefahren, das er damals überfallen hat.

Über den Frieden reden und schreiben

Nach der offenen Diskussionsrunde haben wir uns in thematischen Gruppen zusammengesetzt und reflektiert, was wir als CPS-Netzwerkpartner gemacht haben, um den Frieden zu stabilisieren, wo wir die Herausforderungen für die Zukunft sehen und wie wir ihnen begegnen wollen. Für uns als CSSL geht es dabei hauptsächlich um Land Use und die Nutzung der Bodenschätze und natürlichen Ressourcen des Landes. Wir versuchen zum Beispiel zwischen den Communities und Regierungsorganen zu vermitteln, den Communities alternative Einkommensmöglichkeiten aufzuzeigen und in diesem Bereich für mehr Transparenz und Gerechtigkeit zu sorgen.

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass der Frieden nicht sicher ist. Dass die Situation im Land nach wie vor fragil ist und wir uns weiterhin für den Frieden einsetzen müssen. Der Jugend eine Perspektive geben, den Menschen einen sicheren Lebensunterhalt ermöglich, Regierende zur Verantwortung ziehen, wenn sie ihre Versprechen nicht einhalten, sie in ihren Bemühungen unterstützen und helfen die Korruption zu bekämpfen. All dies sind Punkte, die auf unserer Liste stehen.

Ich weiß, ich habe am Anfang geschrieben, ich möchte nicht über den Krieg schreiben, sondern über den Frieden. Nachdem ich mich aber mit dem Frieden beschäftigt habe, habe ich gemerkt, ich kann nicht über den Frieden in Sierra Leone schreiben, ohne den Krieg im Hinterkopf zu haben. Ohne an die Zerbrechlichkeit des Friedens zu denken. In meinem täglichen Leben hier ist der Krieg sehr weit weg. Ich fühle mich sehr sicher. Ich denke, meinen Kollegen und Kolleginnen geht es ähnlich. Ich habe zum Beispiel nicht das Gefühl, dass es gefährlich ist, wenn ich nachts an der Straße stehe und auf ein Keke warte oder allgemein, wenn ich im Land unterwegs bin. Sicherheit ist aber offensichtlich nicht immer gleichzusetzen mit politischer und gesellschaftlicher Stabilität.

Als ich angefangen habe, zum Frieden zu recherchieren, musste ich feststellen, dass er fragiler ist, als ich dachte. Eine Studie des ACLED (Armed Conflict Location & Event Data Project), die im Dezember 2020 veröffentlicht wurde, zeigt einige Warnsignale auf. Laut dieser Studie nähert sich Sierra Leone in vielen Gesellschaftsbereichen wieder der Situation zu Beginn der 1990er Jahre an. Ich habe mich ja anfangs immer gefragt, was meine Stelle mit Frieden zu tun hat. Nach und nach verstehe ich es. Bei Frieden geht es nicht nur um die Abwesenheit von Krieg – das war mir schon zuvor klar. Wir sollten an den Frieden denken, bevor es zum Krieg kommt und mit allen Anstrengungen versuchen, den Frieden zu bewahren. In unserem Fall heißt das: für mehr Gerechigkeit und Teilhabe zu sorgen. Ich hatte anfangs nur nicht so klar gesehen, was meine Stelle bei einer Umweltorganisation damit zu tun. Nun verstehe ich es. Wir versuchen, die Umwelt zu schützen und damit auch die Lebensgrundlage der Menschen. Wir versuchen, die Regierung an ihre Versprechen zu erinnern und sie dabei zu unterstützen, die Gesetze umzusetzen. Das macht die Regierung verlässlicher in den Augen der Menschen und stabilisiert damit auch die Gesellschaft im allgemeinen. Unser Einfluss mag nicht ausschlaggebend sein, aber wenn viele Organisationen das gleiche Ziel verfolgen und sich auf unterschiedlichen Gesellschaftsebenen für den Frieden einsetzen, dann können wir den Frieden hoffentlich wahren.

A Holiday for War? A Holiday for Peace!

Ein Vorschlag, der sowohl im Film kam, als auch in den anschließenden Gruppenpräsentationen war ein nationaler Feiertag, um dem Krieg zu Gedenken. An der Formulierung „A Holiday for the War“ würde ich persönlich noch etwas feilen. Ich fände es schöner, einen Holiday for Peace zu haben, um dem Frieden zu Gedenken und den Krieg dennoch nicht zu vergessen.

Und dabei ist mir aufgefallen, dass wir in Deutschland keinen Feiertag haben, für das Ende des Zweiten Weltkrieges. Vielleicht brauchen auch wir einen solchen Feiertag. Es gibt viel Gedenken an die Gräueltaten der Nazis, wie die Reichsprogromnacht, die Wannseekonferenz und weitere Daten. Aber ich glaube, es wäre auch gut einen Tag für den Frieden zu haben, an dem wir uns daran erinnern können, welch großes Glück wir haben, dass wir seit über 75 Jahren in Frieden leben.

Meetings bei gefühlten Minusgraden….

Zum Ende hin, wie immer ein paar Fotoeindrücke. Es ist immer noch gewöhnungsbedürftig für mich, dass wir bei Besprechungen in abgedunkelten Konferenzsälen sitzen, die mit der Klimaanlage auf 17° heruntergekühlt werden. Dieses Mal wurde das Mittagsessen mit goldenen Löffeln verspeist. Die Kontraste im Land sind allgegenwärtig…

(Bitte nicht erschrecken, dass mein Teller halbleer ist. Ich versuche nach wie vor möglichst wenig Fisch und Fleisch zu essen und scheitere fast täglich. Aber manchmal schaffe ich es!)

 

Wi de play – Africa Cup of Nations

Am 18. Januar 2002 wurde der Bürgerkrieg in Sierra Leone nach über zehn Jahren für beendet erklärt. Ich dachte mir, dass ist ein Anlass, um über den Krieg und vor allem über 20 Jahre Frieden zu schreiben. Aber das Jubiläum ist gar nicht Thema No1 gerade – Thema No1 der letzten Wochen war Sierra Leones Beteiligung am Africa Cup! Deshalb schreibe ich heute nicht über den Frieden, sondern über das, was die Menschen aktuell bewegt: Fußball!

Das erste Mal seit 25 Jahren wieder dabei

Der Africa Cup of Nations 2021 (verschoben wegen Covid) findet seit dem 9. Januar in Kamerun statt. Sierra Leone hat sich das erste Mal seit 25 Jahren qualifiziert. Als wir letztes Jahr das Qualifikationsspiel gewonnen haben, war ganz Freetown auf der Straße und aus dem Häuschen, Menschengruppen mit Sierra Leonischen Flaggen rannten durch die Straßen und machten mit Trillerpfeifen und Topfdeckeln unendlich viel Lärm. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Stimmung, ich saß im Keke und war mittendrin. Freudiges Chaos in der ganzen Stadt. Es war klar: das hier ist nur der Vorgeschmack. Let´s see, was passiert, wenn wir erst wirklich im Africa Cup spielen…

Erstes Spiel: Sierra Leone – Algerien

Und dann war es so weit, erster Auftritt Sierra Leone auf der internationalen Fußballbühne seit über zwei Jahrzehnten. Wahnsinn! Stellt euch das vor. Eine ganze Generation junger Menschen ohne internationale Fußballturniererlebnisse. Und dabei sind hier alle so fußballbegeistert.

Das erste Spiel fand am frühen Nachmittag statt. Ich habe es also gemeinsam mit meinen Kollegen in unserem Konferenzraum auf dem großen Bildschirm angeschaut.

Meine Kolleginnen waren nicht wirklich interessiert, obwohl sie sich in den Landesfarben gekleidet hatten, kamen sie immer nur ins Zimmer gestürmt, wenn der Lärmpegel bei uns im Zimmer und draußen auf der Straße zunahm und klar war, irgendetwas ist passiert.

Tina hat mir von zu Hause immer Nachrichten geschrieben: „Jetzt haben wir wohl ein Tor gemacht? Die Leute auf der Straße drehen durch.“ – „Nein, es war nur der Anstoß.“ … „Jetzt haben wir aber ein Tor gemacht.“ – „Nein, war leider Abseits.“ …. „Jetzt haben wir aber gewonnen oder?“ – „Nein. Wir haben unentschieden gespielt. Das Spiel ist aus.“

Trotz unentschieden wurde gejubelt und gefeiert. Beim Abpfiff sprangen meine Kollegen auf und tanzten und jubelten, als hätten wir gewonnen. Okay, Sierra Leone hat unentschieden gegen den amtierenden Meister Algerien gespielt. Also kein schlechter Auftakt für das Turnier.

Spiel 2: Sierra Leone – Elfenbeinküste

Das zweite Spiel war an einem Sonntag. Wir haben uns also mit ein paar Freunden verabredet, um es gemeinsam zu schauen. Kurzfristig mussten wir aber kurz vor Anpfiff die Location nochmal wechseln, weil die erste Location einfach keine gute Fußball-Atmosphäre hatte. Zu clean und posh. Also schnell zum nächsten Roundabout und Keke klargemacht und auf in die Fußballkneipe, in der die Iren immer Premier league schauen und meist fußballbegeistertes Publikum ist. Yep, das war dann schon mehr unser Ding. Am Roundabout wurden wir direkt noch mit der Salone Flagge im Gesicht geschmückt (uns wurde mit Nagellack die Fahne auf die Wangen gemalt) und die kleine Fahne hatten wir ja eh schon mitdabei. Nun waren wir wirklich vorbereitet für das Spiel.

Dieses Spiel war um einiges spannender, vor allem, da Ivory Coast tatsächlich irgendwann ein Tor gemacht hat und wir das restliche Spiel mit zum Zerreißen gespannten Nerven immer wieder aufspringen mussten, wenn es zu brenzligen Situationen kam. Tina ist nicht wirklich für ihre Fußballbegeisterung bekannt, aber hier ist selbst für sie kein Halten.

Was für mich sehr interessant zu beobachten ist: Wenn Sierra Leone etwas Gutes macht, dann wird aufgesprungen, applaudiert, getanzt… Wenn die Gegner ein Tor machen, verfallen alle in eine Art kollektive Schockstarre. Da ist kein Gemaule, keine Beschwerde, kein Nichts. Einfach nur ruhige Niedergeschlagenheit.

Was ein Fest, als wir in der Verlängerung dann den Ausgleich erzielten. Party on! Wieder ein Unentschieden, das gefeiert wird, wie der Turniergewinn.

Der Montagmorgen im Büro war dann auch entsprechend anstrengend 😉 Ich frage mich wirklich, weshalb an den Tagen nach den Spielen nicht einfach Public Holiday ausgerufen wurde…

Und weil ihr euch ja auch immer für alltägliches interessiert, dachte ich, ich mach mal eine kleine Fotoreihe vom Klo. Was gibt es alltäglicheres als den Gang zur Toilette. Auch wenn Wasserhähne und Spülkasten vorhanden sind, heißt das nicht immer, dass da auch Wasser kommt. Deshalb gibt es die kleinen handlichen „Plastik-Teekannen“ und meist gibt es eine Wassertonne, wo man diese auffüllen kann.

Spiel 3: Sierra Leone – Äquatorial Guinea

Gestern dann, das große Zittern. Das alles entscheidende Spiel. Kommen wir in die nächste Runde, oder nicht? Eigentlich haben alle damit gerechnet, dass wir gewinnen. Weil die Menschen hier einfach sehr viel Hoffnung in sich tragen und weil der Präsident allen Spielern eine Prämie für jedes gewonnen Spiel versprochen hat und wir uns sicher waren, dass sie die Prämie bestimmt haben wollen.

Das dritte Spiel wollten wir an der Beach Road anschauen. Von dort aus kommen wir im Notfall auch zu Fuß nach Hause, weil wir wussten gar nicht, was wohl passiert, wenn wir gewinnen. Und natürlich war auch klar, am Beach wird die Stimmung am besten und die Party am lautesten sein. Schließlich reiht sich am Strand eine Bar an die nächste.

Wie beim letzten Spiel haben wir einmal location gewechselt. In der ersten Location gab es keine Sitzplätze mehr. Alles war reserviert und wir hätten in der Sonne stehen müssen. Das wäre zu viel Sonne gewesen. Also sind wir einfach die Straße lang und in die nächstbeste Bar. Ein Volltreffer! Nicht nur wegen des Barmanns und des Herren mit der rosa Schürze. Die Stimmung war top – fehlten nur noch ein paar Tore für Salone.

Dieses Spiel war das mit Abstand am aufregendsten. Wir lagen schon in der ersten Halbzeit hinten, aber in der zweiten machte Sierra Leone wirklich Druck. Leider, leider, ohne Erfolg. Wir gaben die Hoffnung nicht auf. Das letzte Mal glückte der Ausgleich ja auch erst in der Nachspielzeit. Als dann aber Kamara kurz vor Ende der regulären Spielzeit einen Elfmeter verschoss, war die Stimmung am Boden. Fast alle Zuschauer und Zuschauerinnen verließen die Bar noch vor Abpfiff. Kein Lächeln mehr in den Gesichtern. Nur noch Trauer und Enttäuschung. Als der Schiedsrichter Sierra Leone den Elfmeter gab, rasteten alle aus. Wir dachten schon, es wäre ein Tor. Und dann diese Enttäuschung…

Wir hoffen nun auf das nächste Turnier. Salone hat nicht schlecht gespielt. Die Abwehr und der Torwart sind sehr gut, nur mit den Toren klappt es nicht so. Kam mir irgendwie von irgendwo bekannt vor…

Salone Stars – still our team!

Wir haben den Abend dann noch in einem Beachrestaurant mit Sonnenuntergang und Chicken und Chips ausklingen lassen. Tina hat unterwegs noch versucht ein paar Plastikflaschen vor den Wellen zu retten.

Während ich den Beitrag schreibe, höre ich auf einmal Geschrei von der Straße. Neugierig schau ich auf den Balkon und unten stehen ein paar Leute und diskutieren sehr emotional aufgeladen über das gestrige Spiel. Es wird laut diskutiert, weil unsere Mannschaft einen Elfmeter verschossen hat. Hoffentlich lassen sie ihre Enttäuschung nicht am Team aus. Salone Stars sind schließlich immer noch unser Team. Egal ob sie gewinnen oder verlieren!

So war das mit Salone und dem Africa Cup 2021. Aber der nächste Africa Cup kommt bestimmt und dann sind wir wieder mit dabei!  

Zum neuen Jahr: Hoffnung

Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt, aber noch nicht zu alt, um hoffnungsvoll auf die kommenden Monate zu blicken. Inspiriert für meinen Hoffnungspost hat mich ein Buch, dass ich gestern Vormittag fertiggelesen habe: „Das Buch der Hoffnung“ von Douglas Abrams und Jane Goodall. Ich interessiere mich für die Arbeit von Jane Goodall, weil sie unglaublich viel für den Artenschutz und die Erhaltung der Biodiversität erreicht hat. Deshalb habe ich mir direkt das Ebook geholt, als ich von dem Buch gelesen hatte. Angefangen hat für sie alles mit ihrer Liebe zur Natur und vor allem zu den Schimpansen. Auch wenn das Buch sich stellenweise so liest, als wäre es für den amerikanischen Buchmarkt geschrieben, hat es mir tatsächlich Hoffnung gegeben. Und so hoffe ich, dass ich auch dem einen oder der anderen von euch die Augen öffnen kann für die Hoffnung.

Schlaflose Morgenstunden und zu viel im Kopf

An den ersten Tagen des neuen Jahres war meine Entspanntheit irgendwie auf einmal verflogen. Jeden Morgen bin ich aufgewacht mit Kopfkino und Gedankenkarusell. Die Gedanken drehten sich hauptsächlich um die Arbeit. Aber auch um den Alltag hier. Alles war so unsortiert und gleichzeitig so vielschichtig in meinem Kopf. Da sind so viele Aufgaben, die in der Arbeit auf mich warten und so viele Erwartungen, die an mich gestellt werden, dass ich sie nicht einmal alle aufzählen und benennen kann. Ich würde gerne alle Projekte angehen, die da auf mich warten, aber ich weiß gar nicht, wie ich das alles in einem 24 Stundentag schaffen soll. Wo anfangen, wann aufhören und bringt das dann überhaupt etwas?

Projektmanagement, Kommunikationsstrategie und Mitgliederbetreuung

Dazu kam, dass ich im alten Jahr nicht mehr alles geschafft hatte, was ich eigentlich vorhatte und was auch projektgebunden abgeschlossen werden sollte. Ich hatte über Weihnachten erfolgreich verdrängt, was alles als Ergebnis und als Herausforderungen und To Do´s aus unserem Workshop resultierte und was nun also angegangen werden möchte. Es fängt damit an, dass in den Projekten und allgemein in der Organisation das Projektmanagement verbessert werden könnte. Damit wäre dann auch unsere Arbeit als Kommunikationsteam leichter. Es wäre super, wenn alle ihre Arbeit planen würden und es gemeinsame Prozesse und Vorgehensweisen gäbe, die auch definiert sind. Es läuft schon alles, darum geht es nicht. Aber vieles wird adhoc gelöst. Ich denke, dass es für alle gut wäre, wenn wir in den verschiedenen Projekten langfristiger planen und organisieren würden und das Wissensmanagement verbessert werden würde. Gleichzeitig sind die Abgrenzungen zwischen den Bereichen nicht ganz klar und damit auch meine Rolle nicht wirklich. Eine meiner Aufgaben besteht ganz klar darin, eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln, aber wir haben nicht wirklich Zeit dafür, weil zu viele Aktivitäten anstehen, die geplant, organisiert und umgesetzt werden müssen, so dass kaum Zeit dafür bleibt, das große Ganze zu betrachten und strategisch aufzusetzen.

Und dann kommen noch meine vielen kleinen „Nebenprojekte“ dazu. Auf einmal ist das Backend der Internetseite anders, so dass wir alle Seiten nochmal überarbeiten müssen. Eigentlich dachten wir ja, die Internetseite steht jetzt. Weit gefehlt. Jetzt müssen wir uns erst einmal mit dem neuen Backend vertraut machen und dann alle Seiten so überarbeiten, dass sie wieder so aussehen, wie wir das wollen. Gerade ist das nämlich nicht mehr der Fall. Dann soll ich der Kollegin helfen, die die Mitglieder betreut, das mit den E-Mail-Adressen klappt auch noch nicht und und und. Viel zu viel in meinem Kopf.

Und eigentlich wollen wir den Wald retten…

Wenn ich dann aus dem Fenster auf die abgeholzten Hügel blicke oder wir Richtung Strand fahren, entlang an trockenen Hängen, an denen bis vor wenigen Jahren noch dichter Wald gestanden hat, dann denke ich, eigentlich wollen wir den Wald retten, aber gefühlt bin ich mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, dass ich gar nicht dazukommen, mir Gedanken für eine gute Kampagne zu machen, um das Abholzen zu stoppen und die Lebensgrundlage für Mensch und Tier zu retten.

Wenn ich mit Leuten spreche, die ich neu kennenlerne, fragen die natürlich immer, was ich hier mache. Wenn ich dann erzähle, dass ich für die Conservation Society arbeite und wir den Wald retten wollen, schauen alle immer beeindruckt, aber auch etwas mitleidig. Ein sinnloses Unterfangen. Wie soll man hier die Abholzung stoppen? Auch wenn es aussichtlos erscheint, müssen wir es probieren. Wir haben keine Wahl. Wir wissen, dass der Klimawandel voranschreitet und das Fenster immer kleiner wird, in dem wir die Folgen noch soweit abmindern können, dass wir weiterhin (gut und wie gewohnt) auf dem Planeten leben können.

Und dann sind da ja noch die Jungs vom Strand

Von meiner Begegnung mit den bettelnden Jungs am Strand habe ich ja berichtet (Please Ma, ah beg yu). Die sind auch noch in meinem Kopf. Wir haben schon ein paar Gedankennetze gesponnen, was eine Lösung sein könnte. Es gibt ein paar Männer am Strand, die den Müll dort sammeln. Ich weiß nicht wie regelmäßig und wie das Ganze finanziert wird oder ob die das auf Freiwilligenbasis machen. Tina hatte die Idee, man könnte ja das Müllkonzept von Festivals kopieren. Bei manchen Festivals in Deutschland werden Müllsäcke verteilt. Werden die dann voll zurückgebracht, gibt es einen kleinen Obolus. So etwas ähnliches könnte vielleicht auch hier klappen. Dann wäre der Strand sauber, es würde weniger Müll ins Meer geschwemmt werden und die Jungs hätten einen kleinen Verdienst und würden ihr Geld verdienen und nicht erbetteln. Das fühlt sich für sie gut an und sie erlangen eine gewisse Unabhängigkeit von milden Herzen. Ich muss mir das nochmal ein bisschen genauer überlegen und dann mit Mohammed sprechen. Das ist einer der Männer am Strand, die dort ab und an Müllsammeln. Vielleicht bekommen wir unser Projekt von den Strandlokalen finanziert. Für die wäre das ein Vorteil: deren Gäste werden nicht mehr angebettelt und der Blick auf einen sauberen Strand bringt vielleicht mehr Kundschaft. Das ist so eines der kleinen Nebenprojekte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Als ich dann angefangen habe, das Buch der Hoffnung zu lesen, wurde mir bewusst, wie wichtig Hoffnung ist. Das Sprichwort „die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist sehr weise und sehr wichtig. Es stimmt schon, wenn ich nicht zumindest eine klitzekleine Hoffnung hätte, dass wir es irgendwie schaffen können, den Wald und damit ja auch das Habitat der Tiere und die Wasserressourcen für uns Menschen zu bewahren, dass es eine Lösung gibt, für die vielen kleinen Probleme, die mir hier begegnen, dann müsste ich direkt meine Rucksäcke packen und nach Hause kommen. Andererseits denke ich mir, was dann? Was passiert denn, wenn ich zurückgehe? Dadurch, dass alles global verbunden ist, kann ich ja nicht wegrennen vor der Realität. Nur weil ich nicht mehr zusehe, wie die Wälder abgeholzt werden, heißt es ja nicht, dass es nicht mehr passiert. Nur dass ich nicht mehr angebettelt werde mit großen Augen und der typischen Handgeste vor dem Mund, heißt es ja nicht, dass die Jungs nicht mehr da sind und nicht mehr hungrig schlafen gehen.

In dem Buch werden einige hoffnungsvolle Geschichten erzählt, die zeigen, dass nicht nur die Natur einen unglaublichen Überlebenswillen und Resilienz besitzt, sondern auch wir Menschen. Solange Hoffnung da ist, machen wir weiter und können auch Unmögliches erreichen.

In Ruanda zum Beispiel wurde sehr viel Wald wieder aufgeforstet und die Natur erholt sich. Die berühmte Maya Bay in Thailand war für zwei oder drei Jahre für den Tourismus gesperrt, auch dort hat sich die Tier- und Pflanzenwelt erholt. Maritime Lebensräume benötigen laut Studien 10 bis 15 Jahre, um sich zu regenerieren (wenn die Zerstörung und der Schaden nicht zu weit vorgeschritten sind). Wälder brauchen länger, sie brauchen rund 45 Jahre. 45 Jahre mögen für manche wie ein langer Zeitraum erscheinen, aber ich finde, es ist ein sehr hoffnungsvoller kurzer Zeitraum. In meiner Familie ist es nur ein halbes Menschenleben. Ich musste direkt an den riesigen Baum auf Bunce Island denken. Ich habe mir auch schon überlegt, wie wundervoll es wäre, in 40 Jahren nach Sierra Leone zurückzukommen und nicht wegen komplett abgeholzten Hügelketten weinen zu müssen, sondern aus Freude, weil die Hügel wieder bewaldet sind. Ein sehr schöner Gedanke, wie ich finde.

Für mich waren die Geschichten in dem Buch, auch wenn sie teilweise ein bisschen plakativ waren, trotzdem irgendwie Hoffnungsquelle. Zu sehen, was andere Menschen erreicht haben, gibt mir wirklich Hoffnung und Kraft, dass wir auch hier einiges bewegen können.

In dem Buch wurde zum Beispiel mehrmals ein Film erwähnt, der von zwei Männern in China erzählt. Ein blinder Mann und ein Mann ohne Arme, die gemeinsam tausende Bäume pflanzen, um den Generationen nach ihnen einen Wald zu hinterlassen und um die Umweltzerstörung aufzuhalten. Eine wirklich beeindruckende Geschichte:

Hoffnung gibt Kraft

Auch wenn ich ein bisschen überfordert im Kopf ins neue Jahr gestartet bin, blicke ich jetzt voller hoffnungsfrohem Tatendrang auf die nächsten Monate. Es ist gerade nicht mehr der sorgenvolle Blick, bei dem ich denke – wie sollen wir das nur jemals schaffen. Sondern eher ein hoffnungsvolles Lächeln – wie gut es sich anfühlen wird, wenn wir es geschafft haben. Diese Vorfreude auf das Gefühl etwas erreicht zu haben, beflügelt. Was geschafft und erreicht denn nun? Ich denke, es werden ganz viele kleine Schritte sein, die ganz viele Menschen zusammen gehen müssen, um am Ende ans Ziel zu gelangen. Oder wie der Taufspruch meiner Nichte es ausdrückt:

Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.

Sprichwort aus Südafrika

Mein Ziel hier ist, die Vielfalt und Schönheit der Natur zu bewahren und damit auch die Lebensgrundlage der Menschen zu sichern. Wenn die Menschen Zusammenhänge verstehen und Optionen haben, dieses Wissen umzusetzen und ihre Gewohnheiten zu ändern, dann sind wir dem Ziel schon um einiges näher. Und dann müssen wir es natürlich noch schaffen, dass auch die Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen mit uns in die gleiche Richtung gehen.

Mir ist auf jeden Fall klar geworden, dass ich anscheinend ganz viel Hoffnung in mir trage. Hoffnung, die teilweise auch Gewissheit ist. Hoffnung, dass meine Freundschaften die große Distanz überstehen. Hoffnung, dass ich mit meiner Arbeit hier etwas zum besseren verändere. Hoffnung, dass ich nicht alleine bin, in meinen Bemühungen. Da ist mir auch wieder ein Zitat von Albert Camus eingefallen, dass mir in schwierigen Zeiten hilft.

Im tiefsten Winter erkannte ich, dass in mir ein unbezwingbarer Sommer wohnt.

Albert Camus

Um aus meinem Gedankenkarusell herauszukommen, habe ich zu  meinem bewährten Mittel gegriffen: ich habe Listen angelegt. Listen helfen mir immer immens, um Sachen zu sortieren, zu strukturieren und dann mit klarem Kopf nochmal zu betrachten. Eine Liste vermittelt mir immer das Gefühl, als könnte man sie abarbeiten. Ich weiß zwar immer noch nicht, ob ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme für das kommende Jahr, aber ich bin voller Zuversicht, dass ich zumindest einiges Anstoßen und voranbringen kann und dann folgt diesem Jahr ja wieder eines.

Von einigen von euch weiß ich, dass ihr auch ein paar schwere Wochen oder manchmal auch nur Tage hattet in letzter Zeit. Jede und jeder hat ja ganz eigene innere dunkle Zeiten. Ich hoffe, dass ihr alle gut durch eure dunklen Zeiten kommt, die Hoffnung immer wieder findet und mit ihr voller Zuversicht in die Zukunft blicken könnt. Das hört sich jetzt alles etwas geschwollen an, aber ich weiß nicht so genau, wie man das anders ausdrückt.

Zum Ende noch ein Zitat aus dem Buch, das ich ganz gut fand und das ich mir besonders für meine Arbeit ans Herz legen möchte. Ich glaube, es kann sehr hilfreich sein für den Umgang mit meinen Mitmenschen und dafür wirklich Lösungen zu finden, die für die Menschen sind.

„Denken mit dem Hirn, Verstehen mit dem Herzen.“

Das buch der Hoffnung, Jane goodall

Und weil es bei mir hier ja irgendwie um Umweltschutz geht und darum, die Folgen des Klimawandels zu minimieren und ihnen entgegenzuwirken, möchte ich euch auch Jane Goodalls Aufruf an uns alle nicht vorenthalten:

„Lassen Sie uns das Geschenk des Lebens nutzen, um eine bessere Welt zu schaffen.“

Das buch der Hoffnung, Jane Goodall

In diesem Sinne: Auf ein hoffnungsvolles und tatkräftiges neues Jahr!

Und jetzt, wo ich eigentlich schon fertig bin, fällt mir noch eine weitere Hoffnungsgeschichte ein. Gestern war das Eröffnungsspiel des Africa Cup of Nations. Morgen ist das erste Spiel von Sierra Leone – wir haben uns das erste Mal seit 25 Jahren qualifiziert!

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