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Rezension – Steff: „Spontanurlaub in Salone“

Anmerkung von thekaddl: Hier folgt nun die lange und sehnsüchtig erwartete Rezension unseres ersten Gastes Steff. Die Inhalte und Fotos stammen alle von ihm.

Hello, ich bin der Steff und hatte die Möglichkeit die Bloggerin Kaddl (bekannt von thekaddl.com) in Sierra Leone als erster Gast zu besuchen. Nun möchte ich natürlich ein paar Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen mit euch teilen. Wer also damit liebäugelt Kaddl selbst zu besuchen und dabei das Land zu entdecken, kann sich hier ein paar Anreize holen und über die dortigen Gegebenheiten informieren.

Zuerst sei gesagt, der Urlaub wurde relativ spontan gebucht und somit auch im Vorfeld kaum geplant. Aufgrund der Einreisebestimmungen (Gelbfieber-Impfung, notwendige PCR-Tests, Visum-Antrag, …) und der nicht allzu vorhandene Vorlaufzeit bis zum Abflug startete der Urlaubsantritt erst etwas chaotisch. Jedoch verlief im Nachhinein betrachtet alles reibungslos, auch aufgrund von Kaddls Koordinationsfähigkeiten zu den nötigen Anlaufstellen.

Würde ich den Urlaub in Form einer Postkarte an meine Oma beschreiben dürfte ich folgende Sätze zitieren: „Ich bin gerade in Sierra Leone, an der Westküste von Afrika. Es ist hier sehr heiß, die Leute sind sehr nett und die Natur ist super schön.“

Für euch werde ich natürlich noch etwas weiter ausholen…

Angekommen am Flughafen in Freetown wirkte alles chaotisch. Man muss etliche Stationen durchlaufen (Temperaturmessung, Passkontrolle, Bezahlung PCR-Test, Bezahlung Fähren-Ticket, Antrag Covid-Test, Durchführung Covid-Test, warten auf Ergebnis) bis man in den Bus zur Fähre darf. Ab da war es ein Selbstläufer. Kurzer Kontakt zu Kaddl wann ich mit der Fähre aufschlage, dann wurde ich direkt von ihr und Tina empfangen und mit dem Auto zur Wohnung gebracht.

Hier erwartete mich eine großräumige Wohnung. Ich bekam sogar ein eigenes Gästezimmer mit Matratze, eigenem Balkon und Bad. Schnell stellte sich ein gemütliches WG-Leben ein und man verbachte viel Zeit zusammen in den eigenen vier Wänden mit Würfel- und Kartenspielen, gemeinsames Kochen und Essen und das ein oder andere Durstlöschgetränk in Form von Bier oder Gin mit Ananassaft.

In meiner Anwesenheit gab es ab und an Probleme mit Stromausfall, was mich als Urlauber weniger betroffen hat. Kaddl hatte mich hier hingehend schon vorgewarnt und auf Powerbanks und ggf. Stirnlampe hingewiesen. An einem Tag war die Wasserversorgung kurz nicht gegeben, jedoch kein akutes Problem, da man sich vorab mit genügend Trinkwasser und Wasserbehältern für die Hygiene absichern kann.

Abseits der Wohnung konnten wir einen Wochenendtrip auf eine Insel mit Übernachtungen machen, begleitet von einer Tour über eine alte Insel zur damaligen Sklavenhaltung und eine Wanderung durch einheimische Dörfer. Auch unter der Woche konnte man den ein oder anderen Strand besuchen, die Schimpansen Aufzucht besichtigen und eine Dschungel Wanderung unternehmen. Man merkt dabei deutlich, hier in Sierra Leone gibt es kaum Tourismus. An den Stränden und Ausflügen waren wir nahezu immer alleine, hier ist nichts überlaufen. Dagegen wirkt die Innenstadt von Freetown laut, chaotisch und dreckig. Hier habe ich nur bei der Durchfahrt Eindrücke gesammelt, entspannter ist es aber definitiv abseits hiervon.

Zusammenfassend war es eine sehr coole Zeit, da ich nie wirklich alleine unterwegs war. Egal ob Kaddl, Tina oder beide – es war immer jemand da mit dem man gemeinsam etwas unternehmen oder einfach den Tag zusammen ausklingen lassen konnte. Es war rundum immer entspannt und man fühlte sich sofort wohl und aufgenommen in der WG. Dass es durchgehend warm bis heiß ist, Moskitos einen am liebsten auffressen würden, nicht der beste Standard gegeben ist und bei jeder Nettigkeit der Einwohner ein Trinkgeld gern gesehen ist – darauf sollte man sich einlassen können. Doch genau wegen solcher Erfahrungen war ich gerne dort zum Urlaub machen.

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@Steff: Vielen lieben Dank für diesen wertvollen Beitrag und auch nochmals Danke für deinen Besuch. Es hat uns sehr gefreut, dass du da warst und das Gästezimmer heißt jetzt Steff´s Zimmer 🙂 Allerdings wundere ich mich, weshalb du meinen Leserinnen und Lesern deinen Ausflug zum Friseur und in die Mukki-Bude vorenthalten hast 😉

Weihnachten na Salone

Wie schon mehrfach erwähnt, ist der Dezember und damit die Weihnachtszeit die Party- und Festivalsaison. Macht natürlich Sinn, da Trockenzeit und somit kein Regen. Strandpartys statt Aprésski, Christmas-Party an Stelle von Stille Nacht, Heilige Nacht. Und das Ganze bei konstant warmen Temperaturen. Wir sind Anfang Dezember mit gutem Beispiel vorangegangen und haben endlich meine erste Party in meiner Wohnung gefeiert! Anlass war der Abschied von Sarah, die ein paar Tage später zurück in die UK ist. Obwohl mal wieder kein Strom da war und es deshalb statt kühlem Bier Gin-Ananas-Bowle gab, war es eine gute Party. Und am Ende kam sogar der Strom zurück und das Partylicht kam noch zum Einsatz. Auch in der Kletterhalle gab es eine Weihnachts-Fundraising-Party. An den Wochenenden Partys am Strand und Festivals in der Stadt. Immer etwas geboten. Wenn man in der Stadt unterwegs ist, sieht man überall in den Kreisverkehren Weihnachtsdeko mit viel Lichter-Blingbling, auch einige Restaurants sind bunt geschmückt und es gibt viele Plastikweihnachtsbäume mit bunten Lichterketten.

Letzte Anstrengungen und Closing of the office

Aber auch hier heißt es: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Fast hatte ich schon wieder vergessen, wie abgekämpft, entnervt und fertig ich in den Wochen vor Weihnachten war. Aber beim Videocall mit meinem Bruder gestern kam es mir wieder. Nachdem er meinte, „Ach, du siehst dieses Mal ja richtig entspannt und nach Urlaub aus, nicht so fertig wie das letzte Mal“, wurde mir bewusst, wie angespannt ich offensichtlich gewesen bin.

Von den zwei Workshop-Wochen hatte ich ja schon berichtet (Mano River Conference und Do No Harm), im Anschluss folgte noch eine Woche Büro, aber wieder einmal waren meine Kollegin und mein Kollege nicht wirklich da, so dass Planung und Absprachen nicht stattfinden konnten und dann stand ja noch mein Workshop an.

Teambuilding und Ventil

Nach sehr viel Hin-und Her in der Vorbereitung für meinen Workshop in Kenema – wer übernachtet im Guesthouse, wer will einfach die Tagessätze, wer bekommt die Tagessätze und was genau können wir eigentlich abrechnen – es war nicht so einfach, das alles herauszufinden und dann zu organizen, aber am Ende hat es klappt. Ich war sehr froh, dass ich meine Einheiten schon vorbereitet hatte und das nicht auf die letzten Tage vor dem Workshop geschoben hatte.

Zuerst hatte ich einen Strategie- und Planungsworkshop nur für mich, Abdul und Mariama im Kopf gehabt. Aber dann wurde immer klarer, dass wir eigentlich mit den Kommunikationsleuten aus den Projekten enger zusammenarbeiten müssen. Deshalb habe ich dann alle Kommunikations-, Advocacy- und Environmental Education Kolleginnen und Kollegen eingeladen. Insgesamt waren wir zu acht. Also eine ganz nette Größe. Mein Hauptziel war es, das Teamgefühl zu stärken und hineinzuhören, wie die Situation eigentlich ist und was die Wünsche und Erwartungen der anderen sind. Was soll sich denn verändern, durch mich und meinen Einsatz hier. Schnell habe ich gemerkt, dass sehr viele Erwartungen an mich gerichtet werden, die mein Mandat hier übersteigen und die auch nicht direkt etwas mit meiner Stellenbeschreibung zu tun haben. Aber der Workshop war sehr erfolgreich aus meiner Sicht. Wir haben es geschafft, genauer zu definieren, wer wir sind, was wir wollen und was wir brauchen. Mit der Planung für 2022 haben wir begonnen, aber da brauchen wir noch einen Folgeworkshop. Den Termin haben wir schon für Ende Februar festgelegt. Wenn wir es schaffen, weiter an einer gemeinsamen Kommunikation zu arbeiten und einfach mehr miteinander kommunizieren, dann ist schon viel gewonnen. Das wird sich dann nächstes Jahr zeigen.

Am Mittwochabend kamen auch alle anderen Kolleginnen und Kollegen in Kenema an für unseren Jahresendretreat am Donnerstag. Zuerst gab es Statements, kurze Projektvorstellungen und dann das Highlight: Freundschaftsspiel gegen das Team vom Gola Rainforest. Wir haben sehr klar verloren. Kein Wunder: Büromannschaft gegen Forest Guards. Da ist ja wohl klar, wer fitter ist und länger fresh dem Ball hinterherlaufen kann. Immerhin: in den fünf Minuten, in denen ich in der Abwehr war, gab es kein Gegentor 😉

Hier noch ein paar Eindrücke vom Workshop selbstverständlich mit Gruppenfoto und vom Fußballspiel.

Am Freitag war dann „closing of the office“ bis zum 4. Januar und somit: Urlaub. Ich war schon ab Mittwochnachmittag entspannt. Seitdem mein eigener Workshop vorbei war, war ich gechillt. Ich war am Mittwochnachmittag noch Sportschuhe shoppen fürs Fußballspiel und ein paar Weihnachtsgeschenke auf dem Markt in Kenema und abends waren wir mit ein paar Kollegen unterwegs. Ich war also schon längst in Christmas Mood, was hier gleichzusetzen ist mit Party Mood.

Yoga-Retreat in Selbstisolation

Zurück in Freetown ging es deshalb auch direkt rein ins Nachtleben. Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, haben wir uns abends erst einmal mit John getroffen auf ein Bierchen und dann sind wir irgendwie noch im Club gelandet. Samstag war ich dann nochmal unterwegs und war eigentlich schon in großer Vorfreude, weil ein ziemlich cooles Festival stattfand und ich für Sonntag von einem Kumpel Tickets bekommen hatte. Beste Aussichten also: Sonntag schön Festival und dann stand ja direkt im Anschluss, Montag bis Mittwoch, Peercoaching mit Sebastian am Bureh Beach an. So kann man den Weihnachtsurlaub natürlich bestens starten. Aber wie sooft kommt es dann doch anders als gedacht. Mein anderer Freund John wurde am Sonntag positiv auf Corona getestet, da hieß es für Tina und mich erst einmal Selbstisolation. Etwas besseres hätte uns kaum passieren können. Gut, dass ich das Festival verpasst habe, finde ich sehr schade, aber unsere Selbstisolation hat mir so gut getan: Jeden Tag lange im Bett liegen, dann lange Yogaeinheit mit Meditation, anschließend gesundes Frühstück, ganz viel Lesen und lecker Kochen und Essen. Abends nochmal Abendyoga und das ganze wieder von vorne. Perfekt zum Runterkommen.

Christmas Dinner und Dinner Party

Am Donnerstag haben wir uns rechtzeitig zur ersten Christmas Dinner Einladung aus unserer Selbstisolation entlassen – nach einem negativen Selbsttest selbstverständlich. Rachel, eine Freundin, die ich vom Klettern kenne, hat uns eingeladen. Wir waren etwas unsicher, was zieht man da an, was bringt man mit, was erwartet uns da? Es war viel legerer als erwartet und auch etwas ungewohnt. Auf dem länglichen Balkon waren Stühle aufgereiht, so dass man nur sehr schwer mit anderen Gästen – die in Kleingruppen herumsaßen – ins Gespräch kam. Aber es gab viel zu Trinken und noch mehr zu Essen. Klassiker: Reis, Hühnchen, Fisch, Casava Leaf, Salat. Die meisten Gäste sind nicht lange geblieben, so dass Tina und ich zusammen mit einem weiteren Gast die letzten Gäste waren. Am Ende saßen wir zu viert mit der Gastgeberin in der Runde und haben unsere Qualität als Gäste bewiesen. Wenn wir eins können, dann eben gute Gäste sein, die viel Essen und Trinken und lange bleiben 😉 Ich glaube, Rachel war dann trotzdem froh, als wir gegangen sind. Sie sah mir am Ende etwas müde aus.

Für den 24. hatten wir eine Einladung bei Maria. Maria wohnt im Erdgeschoß und da wir sie und einige ihrer Freunde schon kennen, war klar, dass das eine ganz andere Geschichte werden wird, als am Donnerstag. Wir waren vorbereitet auf Drinks, Tanzen und eine wilde Nacht. Und so kam es dann auch. Wir haben Weihnachtsbowle vorbereitet und mitgebracht – sie kam sehr gut an! Die Bowle wird gerade unser Alleinstellungsmerkmal in der Partyszene. Die Gäste bei Maria sind immer eine bunte Mischung an Leuten die Lust auf Feiern haben. Da die Nacht etwas kurz war, war entsprechend unser erster Weihnachtsfeiertag sehr entspannt. Wir haben natürlich auch einen Weihnachtsbaum – den hat Tina Donnerstagnacht noch für mich aufgestellt und geschmückt! Zwischen zwei Weihnachtsfilmen gab es am 25. dann Bescherung. Ich war abends nochmal auf einen Wein bei Maria, während Tina schon früher ins Bettchen ist.

Gestern ging es für mich zu einer Einladung zum Christmas Lunch. Ein anderer Freund, den ich auch vom Klettern kenne, hatte eingeladen. Aus dem Lunch wurde ein langer Nachmittag bis in den Abend. David wohnt in einem sehr großen Haus, mit großem Garten inklusive Gemüsegarten, Hühnern, Ziegenbock und Blick in die Hügel und auf das Gästehaus der Chinese Embassy. Anfangs hatte ich mich immer gefragt, wo wohnen denn hier alle reichen Leute mit den großen Häusern und den ausufernden Gärten – seit ein paar Wochen weiß ich es. Davids Firma hat das Haus angemietet. Er wohnt dort mit Kolleginnen und Kollegen, die für die gleiche Firma arbeiten. Es war ein super entspannter Nachmittag mit ein paar Bierchen auf der großen Terrasse und sehr netten Leuten.

Jetzt sind die Weihnachtstage offiziell vorbei. Ich habe noch frei bis zum 3. Januar. Dann holen wir unser Peercoaching am Strand nach und dann geht es ab 6. Januar wieder ins Büro. Für Sylvester haben wir schon eine Einladung für eine Party. Ob wir davor nochmal ein paar Tage wegfahren oder nicht, entscheiden wir heute.

Weihnachten war auf jeden Fall dieses Jahr ganz anders als sonst. Am 24. bin ich mit sehr großem Heimweh aufgewacht und mir war klar, dass ich nächstes Jahr auf jeden Fall zuhause bin an Weihnachten. Welch glücklicher Zufall, dass genau in diesem Moment eine sehr liebe Freundin angerufen hat und mich gestärkt hat. Danke! Jetzt sieht die Welt schon wieder anders aus – also mal schauen, was die letzten Tage des alten Jahres noch bringen und was dann 2022 auf mich wartet…

Euch allen weihnachtliche Grüße und ein Gutes Ausklingen von 2021!!!

Please Ma, ah beg yu*

„Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt.“ Es ist einer dieser Sätze, die man als erstes liest oder hört, wenn man sich über Sierra Leone informiert. Aber was dieser Satz bedeutet, das steht nirgends. Was heißt es denn, in einem der ärmsten Länder der Welt zu leben? Ich frage mich das öfter und eine Antwort finde ich nicht so richtig.

Letzte Woche war ich in Kenema, das ist eine Stadt im Südosten des Landes, fünfeinhalb Autostunden von Freetown entfernt. Auf der Heimfahrt beim Blick aus dem Fenster gingen mir viele Gedanken dazu durch den Kopf.

„Die ärmsten Länder der Welt“

Die ärmsten Länder der Welt… Ich sehe da eher Bilder aus dem Jemen vor mir oder aus Krisengebieten in der Sahal. Bilder von Kindern, die so klein und unterentwickelt sind, dass ich ganz tief in mir erschüttert bin vom bloßen Anblick dieser kleinen Körper, bestehend aus Haut und Knochen. Aber bestimmt sehe ich vor meinem inneren Auge nicht Sierra Leone.

Ich bin mir natürlich bewusst, dass ich mich hier nicht mit dem ärmsten Bevölkerungsteil umgebe. Meine Wohngegend ist nicht die schlechteste, eher eine der besten. Trotzdem gibt es viel Wellblech um mich herum, in den Nachbarhäusern wird draußen auf Kohle gekocht, draußen abgespült und Wäsche gewaschen und es gibt öffentliche Toiletten- und Duschhäuschen, die sich mehrere Familien teilen. Viele haben Toilette und Waschstelle nicht im Haus. Durch meine Arbeit in den Dörfern und meinem Alltag in der Stadt habe ich wahrscheinlich schon relativ viele Einblicke in unterschiedliche Lebensrealitäten gewonnen. Natürlich gibt es auch in den ärmsten Ländern der Welt reiche Menschen und arme Menschen. Wie überall. Wie es ja auch in Deutschland mehrere Millionen Menschen gibt, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Das dürfen wir ja auch nicht vergessen. Oder besser: diese Menschen sollten wir auch nicht vergessen.

Was aber gehört dazu, wenn man in einem der ärmsten Länder der Welt lebt? Es gibt nicht immer Wasser und Strom. Manchmal gibt es auch kein Benzin. Die Straßen sind teilweise schlecht. Es gibt keine staatliche Fürsorge. Polizei, Lehrkräfte, Politikerinnen und Politiker, Angestellte im öffentlichen Dienst – viele versuchen ihren geringen Lohn mit zusätzlichen Geldern aufzustocken, sprich: es gibt viel Korruption. Von Machtmissbrauch und Genderthematik möchte ich hier jetzt gar nicht anfangen. Die tägliche Diät ist sehr eingeschränkt und viele Menschen ernähren sich sehr einseitig, was natürlich Einfluß auf den Körperbau, die Gesundheit und die Lebenserwartung hat. Das Schulsystem ist mehr als marode und in den ländlichen Gebieten gibt es meist nur eine Primary School in Laufnähe (Laufnähe bedeutet in einem Umkreis von 3-5km), von einer Secondary School wollen wir mal gar nicht träumen. Die Wirtschaft ist vollständig abhängig vom Ausland. Der Strom in der Hauptstadt kommt teilweise von einem türkischen Schiff, das vor der Küste ankert und dort Strom produziert. Die Regierung hatte vor ein paar Wochen nicht bezahlt, da gab es eben für ein paar Tage keinen Strom. All diese Sachen passieren in reicheren Ländern wahrscheinlich nicht.

Kein Wasser, kein Strom, keine Zuverlässigkeit

Allgemein fehlt es an Zuverlässigkeit im Alltag. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass Sachen funktionieren, weder Infrastruktur noch Dinge, die wir hier kaufen. Die Waren, die es hier zu kaufen gibt, sind entweder gebraucht oder billige Ware aus Asien. Das fängt bei Kugelschreibern, Post-Its und Markern an und geht über Kleidung und Elektroartikel weiter. Wir sind leider darauf angewiesen, mit Produkten von sehr geringer Qualität zu arbeiten, was es natürlich etwas schwer macht, wirklich gut voranzukommen und Sachen zu verbessern. Es sind oft diese kleinen Dinge im Alltag, die das Leben kompliziert und anstrengend machen.

All diese strukturellen Herausforderungen kann ich mal mehr mal weniger gut akzeptieren. Daran gewöhne ich mich teilweise und nehme sie gar nicht immer wirklich wahr. Auf der Rückfahrt von Kenema kam mir deshalb der Gedanke, wenn das hier eines der ärmsten Länder der Welt ist, vielleicht ist es dann doch nicht soooo schlecht um die Welt bestellt. Ja, viele Menschen kämpfen täglich und haben ein sehr anstrengendes Leben – und sei es „nur“ die tägliche Handwäsche der Klamotten und das Transportieren des Wassers – aber es fühlt sich nicht nach Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit an. Das Leben ist wie es ist, und es wird das Beste daraus gemacht. Das Leben hier ist sehr weit entfernt von den Bildern, die in meinem Kopf erscheinen, bei der Phrase „ärmste Länder der Welt“. Diese Bilder sind zu sehr von Katastrophenberichten aus den Medien beeinflusst. Wie überall gibt es auch hier einfach normalen Alltag.

Neben den strukturellen Schwächen im System und der fehlenden Infrastruktur, gibt es für mich aber noch die eine große Herausforderung hier, in einem der ärmsten Länder der Welt. Ich bin auf einmal nicht mehr Teil der Durchschnittsgesellschaft und weit entfernt von Mittelschicht. Durch meine Herkunft, meine Hautfarbe, mein Einkommen und meinen Pass bin ich unglaublich privilegiert.

Meine Privilegien – oft eine große persönliche Herausforderung

All die Sorgen und Nöte der Menschen – ich teile sie nicht wirklich. Ja, auch ich habe oft keinen Strom, aber nur weil ich mich bis jetzt geweigert habe, meine Wohnung an den Generator der Nachbarin anzuschließen. Und sollte ich doch einmal zu lange keinen Strom oder kein Wasser haben, dann habe ich jederzeit die Option ein paar Tage bei einem meiner britischen Johns unterzukommen, die große Wohnungen haben mit 24/7 Strom, Internet und Wasser. Ja, ich habe manchmal kein Wasser, aber dann tragen mir meine Security Leute die Eimer eben in den dritten Stock. Ich habe ein Auto, ich habe keine Geldsorgen und falls ich krank werden sollte, kann ich mir sicher sein, dass ich die bestmögliche Behandlung bekommen werde. Ich habe meine Medizinbox in meinem Schrank, bin gegen vieles geimpft und kann es mir leisten, sauberes Wasser zu haben und Essen in guter Qualität zu kaufen.

Konfrontation mit der Realität – was tun?

Ausschlaggebend für diesen Beitrag war eine Situation von Freitagabend. Sie arbeitet immer noch in mir. Wie gesagt, am Heimweg von Kenema dachte ich noch, ach, wenn das hier eines der ärmsten Länder der Welt ist, dann geht es dem Rest ja wirklich ganz gut. Abends waren wir dann mit meinem einem Freund John in einer der Strandbars auf ein letztes gemeinsames Bierchen dieses Jahr, weil John über Weihnachten und Sylvester in den UK ist.

Wir sitzen also gemütlich an unserem Tisch – Tina, John und ich – und trinken unser Bier. Die Strandbar ist eine Holzkonstruktion, quasi wie eine Holzterrasse direkt am Meer, die auf Stelzen steht. Um uns herum schon Dunkelheit, es wird hier zurzeit immer ab halb sieben/sieben dunkel. Auf einmal kommt von meiner linken Seite eine Stimme an mein Ohr „Yes Ma, please Ma, ah de beg yu“. Als ich in die Richtung schaue, blicke ich einem Jungen in die Augen. Insgesamt waren es drei Jungs, die da am Strand neben uns standen und uns um Geld gebeten haben, damit sie sich Essen kaufen können. John hat offensichtlich die gleiche Policy wie ich – wir geben kein Geld. Aber es ist alles andere als einfach – ah de tell yu. Wir haben den Jungs mehrfach gesagt, dass wir ihnen nichts geben, aber sie waren sehr hartnäckig. Verständlich. Ich denke, wer schnell aufgibt, der überlebt nicht lange auf der Straße. So sind sie immer wieder hochgeklettert neben uns und haben uns um Hilfe gebeten. Wie hart und herzlos ist das – da bittet dich jemand um Hilfe und du sagst einfach nein.

Da war sie also mal wieder. Diese Situation mit den Privilegien. Was tun? Ich weiß, man soll Kindern eigentlich nichts geben, vor allem kein Geld. Wenn sie mit Betteln Geld verdienen, kann es sein, dass sie nichts anderes lernen. Andererseits: was sollen sie anderes machen? Als ob tausend gut bezahlte Jobs auf diejenigen warten würden, die einen guten Schulabschluss haben. So ist es ja nicht. Und die Jungs, die am Strand betteln, sind bestimmt nicht die Jungs, die die Möglichkeit auf eine gute Schulbildung haben. Gleichzeitig ist klar, wenn ich den drei Jungs Geld gebe – abgesehen davon, dass wir nicht wissen, ob sie das Geld wirklich selbst behalten können oder abgeben müssen – was ist das für ein Zeichen? Kommen sie morgen wieder, kommen morgen mehr?

Natürlich wurden nur wir von den Jungs angesprochen. Die Gäste an den anderen Tischen wurden ignoriert. Bestimmt wissen die Jungs, dass Sierra Leoner ihnen nichts geben, im Gegensatz zu den Weißen aus Europa und den USA. Und fast hatten sie mich, mit ihrem Spruch

Wi go make yu laugh

Ein Lachen, eigentlich unbezahlbar. Sie haben auch angeboten, für uns zu tanzen. Es hätte also schon eine Leistung gegeben für unser Geld. Wir haben dann auch mit John darüber gesprochen, was wohl das richtige ist in solchen Situationen. Ich denke, es gibt kein richtig und kein falsch. Es fühlt sich nur so unglaublich falsch an, diesen Jungs kein Geld zu geben oder nicht einfach Essen für sie zu bestellen und es ihnen zu geben, so dass sie nicht hungrig schlafen gehen müssen. Aber ich weiß auch, dass das Problem größer ist als jede und jeder einzelne von uns. Den Jungs sind die großen Zusammenhänge mit Sicherheit vollkommen egal, sie haben Hunger und wollen etwas essen. Die Policy, niemandem Geld zu geben, schützt mich, weil ich dann nicht jedes Mal nachdenken muss, gebe ich jetzt etwas oder nicht. Aber es macht das Ganze nicht einfacher. Soll ich es wirklich zulassen, dass Menschen hungrig sind, wenn es mich ein paar Euro kosten würde und ich die Situation Hier und Jetzt ändern könnte? Ist das wirklich richtig und vor allem ist es menschlich? Es fühlt sich nicht gut an. Aber noch habe ich keine Lösung dafür, mit der ich mich wirklich gut fühle. Wenn ich darüber schreibe, denke ich, es ist mehr als gemein, nichts zu geben. Aber wo anfangen und wo aufhören? Anfangen beim ersten Menschen, der mich anspricht, und aufhören, wenn das Geld aufgebraucht ist? Oder doch im kleinen Kreise unter Freundinnen und Freunden helfen und versuchen über meine Arbeit positive Veränderung zu unterstützen?

Situationen wie die am Strand mit den Jungs gehören eben auch zum Leben in einem der ärmsten Länder der Welt. Meine Hautfarbe strahlt die Informationen über meine Privilegien in alle Himmelsrichtungen. Ich kann mich nicht rausreden mit Sätzen wie „Ich habe auch nicht viel Geld“, „Ich bin auch nicht reich“ oder ähnliches. Ich bin sehr reich im Vergleich zur großen Mehrheit der Bevölkerung hier. Und auch damit muss ich irgendwie klarkommen. Ich möchte jetzt hier nicht rumjammern und so tun als wären meine Privilegien eine ach so große Last. Ich bin sehr sehr dankbar, dass ich sie habe. Und ich bin mir ihrer mehr als bewusst. Bloß, wie damit umgehen? Da muss ich noch ein bisschen in mich gehen und brauche noch mehr Austausch mit anderen. Vielleicht gibt es aber auch einfach keine Lösung dafür.

Omikron und Co – bei dir so?

Zum Schluss noch ein kleines Covid-Update. Da in Deutschland die Zahlen ja gestiegen waren in den letzten Wochen und ich heute gelesen habe, die Niederlande sind wieder im Lockdown + Coronaleugnerinnen und – leugner verseuchen heute mit ihren Ideen und Gedanken mal wieder die Innenstädte, wollte ich kurz zur Situation hier berichten. Offiziell haben wir sehr niedrige Zahlen, wobei Omikron auch hier unterwegs ist. Es gibt jetzt auch hier langsam ein paar Leute, die ich kenne, die positiv getestet wurden bzw. Leute die „erkältet“ sind. Einer meiner Partygäste wurde ein paar Tage nach meiner Party positiv getestet, da war er allerdings schon wieder zurück in Deutschland. Vielleicht hat er es sich auf meiner Party geholt und wir hatten es alle in den letzten zwei Wochen, wer weiß. Da die Party nun schon zwei Wochen her ist, denke ich, dass ein Test jetzt nicht mehr positiv wäre. Gerade kam die Nachricht, dass der Impfstoff hier jetzt auch für Booster-Impfungen zur Verfügung steht. Deshalb werde ich mal schauen, ob ich mir in den nächsten Wochen meinen Booster hole.

In Sierra Leone ist gerade Festival Season. Das bedeutet, es gibt ständig Partys, mehrtägige Festivals, Leute aus aller Welt kommen über die Feiertage hierher, um ihre Familien zu besuchen. Perfekt also für das Virus, sich schön auszubreiten. Wir sind gespannt, ob im Januar vielleicht doch nochmal ein Lockdown kommt, falls die offiziellen Zahlen steigen. Bisher is business as usual. Das bedeutet: alles ist offen, niemand trägt Maske und die Leute feiern mit großer Leidenschaft.

Eigentlich hatte ich schon einen Blog-Beitrag zur Festival Season im Kopf und wollte euch mal wieder Einblicke in mein Leben jenseits der Arbeit geben, aber die Begegnung mit den Jungs am Freitag hat mich einfach zu sehr beschäftigt. Aber vielleicht ist das auch ganz passend, um die verschiedenen Facetten des Alltags hier einzubringen – deshalb voraussichtlich als nächstes ein Beitrag zu Party, Palmen, Fußballmatch.

Postkarten no dae

Und noch eine wichtige Info an alle die schon sehnsüchtig auf Weihnachtspost aus SL warten: Eigentlich wollten Tina und ich fleissig Weihnachtskarten verschicken, aber seit ein paar Wochen gibt es leider keine Postkarten mehr zu kaufen 🙂 Wenn es bis Ostern wieder Karten gibt, gibt es dann statt Weihnachtsgrüße eben Ostergrüße.

Bis dahin wenigstens ein Fotogruß. Heute habe ich den Artikel auf meinem Küchenbalkon verfasst. Hier mein Ausblick:

*Please Ma, ah de beg yu – ist Krio. Ma ist die Anrede für eine Frau. Entweder kommt es von Mama oder von Madame. „Ah de beg yu“ bedeutet „Ich bitte dich“

Mano River Conference und Do No Harm

Die letzten zwei Wochen waren ziemlich voll und anstrengend. Wir hatten zwei Wochen lang workshops. In der ersten Woche fand die CPS Mano River Conference statt. Die Mano River Region erstreckt sich über Sierra Leone, Liberia und Guinea. Im CPS Netzwerk der Mano River Region versammeln sich jedoch nur Organisationen aus Sierra Leone und Liberia. Normalerweise findet die gemeinsame Konferenz einmal im Jahr statt. Wegen Covid gab es letztes Jahr nur eine hybride Veranstaltung, dieses Jahr haben sich alle wieder live getroffen. Dafür kamen die Projektpartnerinnen und – partner aus Liberia nach Freetown und wir haben uns eine Woche lang ausgetauscht, voneinander und miteinander gelernt und haben auch einiges an Input bekommen vom Brot für die Welt – CPS Support-Team aus Deutschland.

Zwei Nürnbergerinnen treffen sich in Freetown

Mein Highlight war natürlich, dass auch Antje nach Freetown kam. Antje kenne ich aus der Vorbereitungszeit. Sie ist seit letztem Jahr Oktober in Liberia. Seitdem klar war, dass ich nach Sierra Leone gehen werde, haben wir uns schon auf unser Wiedersehen hier gefreut. Und so haben wir es beide genossen, einen gemeinsamen Abend am Strand mit Bierchen zu verbringen und uns austauschen zu können. Auch wenn man immer wieder Leute kennenlernt, gibt es eben immer einige, mit denen passt es einfach und andere, mit denen es nicht so gut passt. Bei Antje und mir passt es einfach.

Gruppenarbeit, Austausch und social evening

Auf der Konferenz wurde viel in Kleingruppen gearbeitet. Da wir im Netzwerk des Zivilen Friedensdienstes (CPS) verbunden sind, ging es thematisch natürlich immer um Arbeiten in einer Konfliktsituation oder auch um Arbeiten an einer Konfliktsituation. Wir haben über die Rolle von Medien, Zivilgesellschaft und anderen gesellschaftlichen Gruppen in Bezug auf Konflikte gesprochen und uns überlegt, wie wir auf offene und verborgene Konflikte reagieren können.

Ich fande es sehr spannend, zu erfahren, wie die Situation in Liberia ist. Teilweise ähneln sich die beiden Länder, aber es gibt natürlich auch einige Unterschiede. Der Unterschied, den man als erstes hört, ist, dass die Menschen in Liberia Englisch mit amerikanischem Akzent sprechen.

Von der Tagung selbst habe ich nicht wirklich Fotos, dafür aber vom Blick vom Hotel auf Freetown und auf unseren Fuhrpark 😉

Der krönende Abschluss der Konferenz war ein social evening. Über die Woche hatte jede und jeder eine „heimliche Freundschaft“ gepflegt. Mit dem Los haben wir diese Freundschaften geknüpft und unserem Freund oder unserer Freundin ein kleines Geschenk zukommen lassen. Am social evening wurden die Freundschaften dann visible und jede Person hat in der großen Runde mit dem jeweiligen invisible friend getanzt. Es war ein ganz netter Abschluss und ich persönlich freue mich auf jeden Fall auf ein Wiedersehen mit den Kolleginnen und Kollegen in Liberia nächstes Jahr – dann findet die Konferenz in Monrovia statt.

Do No Harm im Praxistest

In der zweiten Workshop Woche ging es um den Do-No-Harm-Ansatz. Unsere Moderatoren für diese Woche waren Rolf und John. Gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen von anderen Organisationen haben wir die Theorie von Do No Harm anhand eines Projektes von CSSL in der Praxis geprüft.

Worum geht es bei Do No Harm?

Wie der Name schon sagt, versucht man möglichst keinen Schaden zu verursachen. In der Entwicklungszusammenarbeit sind meist die Ziele gut, aber manchmal wird vergessen, sich den gesamten Kontext anzuschauen. Dadurch kann es passieren, dass mit einem Brunnenbau – wenn er an der falschen Stelle gebaut wird oder durch Ausschließen bestimmter Bevölkerungsgruppen in der Planungsphase – mehr Schaden in der Gesellschaft angerichtet wird, als er am Ende nutzen bringt. Bei Do No Harm wird deshalb zunächst eine Kontextanalyse gemacht, bei der mit allen möglichen Beteiligten und Betroffenen gesprochen wird, um ein Gesamtbild der Gesellschaft zu zeichnen und um mögliche Konfliktlinien herauszuarbeiten. Es müssen nicht immer offene Konflikte sein, wichtig ist, dass im Anschluss bei der Projektplanung – und Umsetzung diese (möglichen) Konflikte berücksichtigt werden, damit sie durch die Projektarbeit nicht vergrößert werden. Im besten Fall wird so das Projekt „konflikt-sensibel“ geplant und durchgeführt.

Einen Überblick über Do No Harm findet ihr auf der Website donoharm.info. Ist nicht das aktuellste Design, aber es geht ja um die Inhalte 😉

Do No Harm in Big Water

CSSL arbeitet ja schon eine Weile in Big Water, ihr erinnert euch an die Ökolodge… Eigentlich sollte die Kontextanalyse vor Projektstart stattfinden, wir haben das nun im laufenden Projekt gemacht. Aber die Ergebnisse sind trotzdem sehr interessant und vor allem ist es wichtig, sie nun in die weitere Arbeit vor Ort einfließen zu lassen.

An den ersten beiden Workshop-Tagen gab es nochmal ein kurzes Recap zu Do No Harm und zu Interviewführung. Dann ging es am Dienstagnachmittag in Freetown los. In Kleingruppen von drei Personen haben wir verschiedene Stakeholder, wie National Tourist Board, Ministerium für Tourismus, Ministerium für Landwirtschaft und Forst, Vertreter von Welthungerhilfe und Wild Life interviewt. Die Fragen behandelten die sozialen, ethnischen, religiösen und ökonomischen Gruppen in Big Water, wie sie zueinander stehen, wer verbindendes Element sein könnte und wer oder was die Gesellschaft eher trennt.

Mit dem Wissen um sogenannte Connector und Divider, soll es ermöglicht werden, bei der Projektarbeit sensibel vorzugehen, um die Connector zu stärken und die Divider mit einzubinden und wenn möglichen zu Connectoren zu machen.

Mittwoch und Donnerstag ging es dann ins Feld. Wir haben Einzelpersonen und Gruppen in Big Water und der Umgebung interviewt. Zum Beispiel den village headman, village vice headman (diese Person ist immer eine Frau), Frauengruppen, Lehrer, den Headman, der übergeordneten Ortschaft, Jugendgruppen, die Mummy Queen usw.

Interviews unter Bäumen und Mittagessen am Straßenrand

Bei den Interviews wurde zunächst immer betont, dass es keine Konflikte gibt, nach und nach kam dann aber doch heraus, dass es einige Konfliktlinien gibt und vor allem, dass CSSL bisher nicht ganz perfekt mit diesen bestehenden Konflikten umgegangen ist. Deshalb bin ich gespannt auf die finale Analyse von Rolf und John und wie wir die Ergebnisse dann in die künftige Arbeit in Big Water einbinden.

Das Hauptproblem der Menschen in Big Water ist auf jeden Fall, dass sie sich bisher nicht gut genug eingebunden fühlen in die Projektplanung und Umsetzung; dass sie uns als Regierungsvertreter wahrnehmen, die ihnen verbieten, den Wald zu nutzen – allerdings leben sie vom Wald und wissen nicht, wie sie sonst überleben sollen; die Grenze des „green belt“ wurde so festgelegt, dass die Big Water Community quasi gar keinen Wald und auch die Felder, die sie sonst bewirtschaftet haben, nicht mehr nutzen dürfen (man muss dazu sagen, die community kam nicht zum Meeting, als die Grenzen festgelegt wurden) und so kann zum Beispiel die traditionelle Landwirtschaft mit abwechselnder Nutzung der Felder nicht mehr praktiziert werden.

Außerdem gibt es mehrere große Firmen, die auf dem Gebiet Holz schlagen und jetzt eine neue Firma, die Steine abbauen will. Einerseits will die Community das nicht, weil sie wissen, dass damit ihre Lebensgrundlage – der Fluss, der dem Ort seinen Namen gibt – stark leiden wird, zugleich wollen sie das Land an die Unternehmen verkaufen, um schnelles Geld zu machen für den Hausbau, Autos und ähnliche Anschaffungen. Eine sehr verzwickte Situation. Wie fast überall in den forest edged communities. Die einzige Lösung scheint, alternative nachhaltige Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, so dass der Wald geschützt werden kann und langfristig die Lebenssituation der Bevölkerung stabil bleibt bzw. verbessert wird.

Die Interviews wurden entweder direkt auf dem Schulhof durchgeführt, in der Schreinerei oder unter dem Baum mit Mamy Queen. Auf dem einen Foto seht ihr ein Interview in der Schule, im Hintergrund seht ihr ein rundes Gebilde in den Nationalfarben Salones. In der Mitte dieser runden Dinger sind immer die Handpumpen angebracht. Auch auf den Dörfern sehen die oft so aus. Ich nehme an, weil es relativ einfach ist, die Tiere fernzuhalten, wenn man am Durchgang ein kleines Gitter anbringt.

Raus aus der Komfortzone

Mein Highlight war die Zusammenarbeit mit einer Kollegin von YMCA – Salaimatu. Eine junge Frau, die anfangs etwas schüchtern und unsicher war, am Ende aber perfekte Interviews geführt hat. Es ist sehr cool zu sehen, wie schnell sich Menschen entwickeln können, wenn sie sich auf etwas neues einlassen und sich trauen, ihre Komfortzone zu verlassen. Das werde ich mir als Vorbild nehmen für die Zukunft. Nach den zwei Wochen Workshop und dem anschließenden Partywochenende war ich am Montag so zerschlagen, dass ich eigentlich nur noch reinwollte in die Komfortzone – leider weiß ich noch nicht so genau, wo die sich in Freetown versteckt. Deshalb hieß es dann einfach weitermachen 🙂

Und hier zum Abschluss noch ein paar Fotoeindrücke der letzten Tage und ich freudestrahlend mit meinen Zertifitkat. Ohne Zertifikat geht hier gar nichts!!!

Ich entschuldige mich auch ernsthaft für die oft verwirrenden Sätze und wahrscheinlich fehlen 50% der wichtigen Infos, damit ihr in der Lage seid, alles zu verstehen. Bitte habt Nachsehen – im Gegensatz zu Winter mit Schnee haben wir hier über 30 Grad und ich will gar nicht wissen wie viel Luftfeuchtigkeit. Mein Gehirn ist sehr weit von Höchstleistungen entfernt…

Eigentlich wollte ich ja…

… schon ganz lange mal wieder schreiben, wie es mir geht und was ich so mache … aber es ist so heiß, dass meine Energie nur für das Wesentliche reicht. Außerdem gibt es auch eine Veränderung in meinem Alltag hier: seit fast vier Wochen ist Tina mit bei mir in Freetown, weshalb ich nun neben Arbeit auch noch eine zusätzliche soziale Komponente hier habe und deshalb nicht mehr zu viel Zeit habe, mich vor meinen Laptop zu setzen.

Ein kurzer Abriss deshalb über die letzten Wochen und ihre Ereignisse:

WG-Leben startet

Eine große Veränderung, wie eben schon geschrieben, ist, dass ich nun nicht mehr alleine wohne, sondern für die nächsten Monate eine Mitbewohnerin habe. Das erleichtert meinen Alltag immens. Nicht nur, dass jemand da ist, mit der ich meine Alltagssorgen teilen kann – auf meiner Muttersprache!!!! – sondern es ist einfach auch schön, Tina hier zu haben und gemeinsam die Abende auf dem Balkon zu verbringen oder morgens noch kurz die ersten Worte zu wechseln, bevor ich mich auf den Weg in die Arbeit mache.

Tina hat Dank kreativem Pragmatismus auch schon meine Wohnung vor der Überflutung bewahrt. Als Aminata beim Putzen auf einmal den Wasserhahn der einen Dusche in der Hand hatte, strömte das Wasser anscheinend nur so aus der Wand. Geistesgegenwärtig wurden die beiden Löcher nun mit Tampons abgedichtet und wir warten auf den Klempner.

Tina hat viel tun mit meinen Pflanzen, meinem Balkon und arbeitet zusätzlich noch von hier aus remote. Je nach Internetstärke klappt das mal besser, mal schlechter. Falls sich die Situation in Deutschland nicht entspannt, könnte das ja Schule machen und weitere Leute nach Freetown locken, um hier ihr homeoffice einzurichten 😉

Unser erster offizieller Besucher

Dann haben wir – also Tina und ich – tatsächlich letzte Woche unseren ersten offiziellen Besucher empfangen. Da der Flieger mit zweistündiger Verspätung von Paris aus gestartet ist, saßen wir am Dienstagabend sehr lange auf dem Balkon mit Blick nach Lungi zum Flughafen und haben nach dem Flugzeug und später nach der Fähre gespät, die unseren Gast bringen sollte. Ende gut alles gut, Steff kam schließlich tatsächlich gut an. Zur Begrüßung gab es ein kühles Bier gegen die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit.

Am Tag vorher hatten wir das Gästezimmer noch fertig eingerichtet, mit Gästematratze und Vorhang und am Mittwoch habe ich dann sogar noch die neuen Kissen für das Balkonsofa auf dem Balkon vom Gästezimmer abgeholt. Ja, unser Gästezimmer hat einen eigenen Balkon!

Wir warten schon gespannt auf Steffs Rezension über seinen Besuch hier. Sein Reisebericht wird dann exklusiv auf dieser Seite veröffentlicht. Steff ist quasi unser Testbesuch, mit seinem Feedback und seinen Anregungen wird dann das Programm für künftigen Besuch angepasst.

Spring Alive Program

Selbstverständlich war ich nebenbei auch noch arbeiten. Wir hatten letzte Woche Spring Alive Program, dessen Ziel es hauptsächlich ist, Kinder und Jugendliche für Vögel und die Natur zu begeistern. Wir hatten deshalb eine Activity mit Kindern aus fünf unserer School Nature Clubs und Bird Club Members. Natürlich war die Planung wieder mega kurzfristig, weshalb wir nicht alles umsetzen konnten, was wir so an Ideen hatten. Da wir auf die Schnelle keinen anderen Veranstaltungsort gefunden haben, fand das Ganze in der Aula einer der Schulen statt, mit denen wir arbeiten.

Das diesjährige Thema war „Bird Nest Protection“. Nach Präsentationen von unserem Senior Biodiversity Officer und unserer Community Mobilization Officer habe ich die Nachmittagseinheit übernommen und erst einmal ein bisschen Gruppenarbeit machen lassen. Hier geschieht viel über Frontalunterricht. Lernzielkontrolle geschieht dann meist über ein Quizz.

Dieses Mal wurden die Teilnehmenden in diverse Gruppen aufgeteilt. Sie hatten Zeit zur Diskussion und sollten jeweils zwei Flip Charts vorbereiten, die am Ende im Plenum vorgestellt wurden. Ein paar der Kinder, die präsentiert haben, waren so gut! Mir kam direkt die Idee, wir müssen nächstes Jahr eine TV-Diskussion mit den Kindern aus den School Nature Clubs und Politikern und Politikerinnen organisieren. Beste Fridays for Future Attitude hier…

Warum ist Bird Nest Protection so wichtig?

Das will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

  1. Vögel sind Lebewesen und haben deshalb ein Recht auf Leben und auch ein Recht darauf, dass ihr zuhause und ihre Umwelt geschützt werden.
  2. Vögel sind wichtige Indikatoren für die Biodiversität einer Region. Gibt es viele Vögel und vor allem auch viele unterschiedliche Vogelarten, so ist das ein gutes Zeichen für den Allgemeinzustand der Natur.
  3. Vögel übernehmen wichtige Dienstleistungen im Ökosystem. Einige befruchten Pflanzen, andere verteilen Samen und wieder andere kontrollieren den Wuchs von Gras- und Getreidepflanzen. Außerdem fressen sie Insekten und kontrollieren somit die Anzahl an Insekten im Ökosystem.

Wie schützt man Vögel und ihre Nester am besten?

Leave them alone!

Wenn ihr irgendwo ein Nest seht, vielleicht schon mit Eiern drin, einfach Abstand halten und in Ruhe lassen.

Alle Teilnehmenden waren schwer beeindruckt, als ich gesagt habe, dass es in Deutschland Regeln gibt, wann man Hecken schneiden darf und wann man sie nicht schneiden soll, damit die Vögel in Ruhe brüten können. Ich bringe also immer mal wieder ein paar internationale Aspekte mit ein.

Meine Jahresziele und ich

Ich habe auch wieder ein paar kleine Erfolge zu vermelden 🙂 Auch wenn nur ich meine selbstgesetzten Ziele kenne, freue ich mich doch jedes Mal, wenn ich eines erreiche! Die neue Website ist ja schon online, die E-Mail-Adressen werden auch teilweise genutzt, mit den neuen Corporate Design Vorlagen ist es noch etwas schwieriger, da muss ich noch dran arbeiten. ABER: unsere Business Cards sind gedruckt und nun haben wir sogar noch spontan das neue Roll-Up fertig gemacht und in den Druck geschickt.

Das hört sich jetzt alles nicht nach riesig vielen Erfolgen an, aber kleine Ziele erreicht man eben leichter!

Außerdem war ich den letzten Wochen, als mein Kollege nicht da war, bei meiner Kollegin im Büro gesessen und unsere Zusammenarbeit hat sich dadurch sehr stark verbessert. Und auch das ist ja eines meiner Hauptziele hier. Es geht also voran.

In den nächsten zwei Wochen sind erst einmal Konferenz und Workshops auf der Tagesordnung. Ab morgen ist Mano-River-Union Konferenz, an der alle Organisationen mit ihren Vertreterinnen und Vertretern aus dem Netzwerk des Zivilen Friedensdienstes aus Sierra Leone und Liberia teilnehmen. Es geht wohl viel um Austausch und gemeinsames Lernen. Wir von CSSL haben direkt im Anschluss (Freitag und Samstag) einen Workshop und dann nächste Woche auch nochmal von Montag bis Freitag. Da bleibt dann nicht viel Zeit für die eigentliche Arbeit.

Ich hoffe, dass wir trotzdem auf jeden Fall unseren Workshop zur Planung unserer Strategie für nächstes Jahr noch im Dezember abhalten werden. Wenn wir den Workshop noch machen und dabei ein gutes Ergebnis hervorbringen, dann bin ich mit meiner Arbeit für dieses Jahr eigentlich ganz zufrieden. Aber noch ist nicht sicher, ob das wirklich klappt. Nichts ist vorhersehbar hier.

Erster Gast in der CSSL-Ecolodge

Ich habe es tatsächlich geschafft! Gemeinsam mit Tina und meinem britischen Freund John, waren wir die ersten Gäste in der neuen Ecolodge von CSSL. Ich hatte schon einmal von der Ecolodge berichtet, wahrscheinlich im Artikel über die Wildlife Week. Nun war es soweit und wir waren die ersten Gäste. Es war wirklich sehr gut. Die Unterkünfte sind etwas basic, aber es gibt immer genug Wasser zum Duschen, da gleich ein Fluss neben der Ecolodge vorbeifließt, Solarstrom und sehr viel Kaffee und Tee.

Als wir ankamen, war Osman gerade dabei die Fische im Fluss zu entschuppen, bevor sie dann in der Pfanne gelandet sich. Osman ist security guard, guide und care taker in einem. Nur kochen tut er nicht. Dafür ist ein Koch da. Es gab sehr gute Erdnusssoße mit Fisch und Reis sowie Pommes mit Chicken. Abends gab es dann nur das Plätschern des Baches und die Geräusche de Waldes. Nur einmal unterbrochen durch lautes Motorsägengeräusch. Tja, da war sie wieder die Realität: Deforestation ist nicht stoppbar! Das wird meine große Task für nächstes Jahr.

Am nächsten Tag bin ich mit Osman auf eine adventure tour in den Wald aufgebrochen. Wir wollten eigentlich zur Quelle des Flusses, aber die Wege waren komplett zugewachsen, so dass wir mehrfach umdrehen mussten, weil wir auch mit der Machete den Weg nicht freibekommen haben. Am Ende mussten wir aber aufgeben. Vielleicht nächstes Mal dann. Dafür haben wir aber wilde Chillie geerntet unterwegs. Vielleicht nehmen wir das nächste Mal auch direkt den Weg durch den Fluss und lassen alle technischen Geräte, die wasserempfindlich sind, zurück.

Da Tina noch nicht alle Strände gesehen hat, ging es nach dem Wald-Adventure noch für einen entspannten Nachmittag nach Bureh an den Beach. Ein rundum entspanntes Wochenende.

Party Season has started

Das Ende der Regenzeit läutet den Beginn der Partysaison ein. Jedes Wochenende gibt es jetzt irgendwelche Partys an einem der Strände, Elektrofestival, Yoga-Retreat, Christmas-Fundraising, Cocktail-Bar-Party… Das hört sich für euch jetzt vielleicht alles etwas seltsam an, wenn in Österreich gerade der neueste Lockdown beginnt und in Deutschland über weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus gesprochen wird, aber wir haben offiziell gerade keine neuen Fälle.

In der Arbeit wurde mir auch schon mitgeteilt, dass ab jetzt alle im Christmas mood sind, also noch entspannter als sonst. Mal schauen, wie das mit dem workload zusammenpasst, den wir noch haben bis Ende des Jahres. Ich bleibe gespannt und muss mich jetzt mal in die Windschneiße an der Küchen-Balkon-Türe stellen, weil ich sonst umgehend zerfließe.

In diesem Sinne: Bleibt gesund und genießt das kalte Wetter!

Support Climb Salone

Heute ist Donnerstag und Donnerstag ist Klettertag. Ich freue mich schon auf neue Routen. Nachdem ich jetzt drei Wochen nicht in der Halle war, warten mit Sicherheit neue Herausforderungen auf mich. Außerdem habe ich am Sonntag am Strand zufälligerweise eine Kletterfreundin getroffen. Ihre beiden Bekannten waren dann direkt interessiert an unserem gemeinsamen Hobby und wollen heute auch das erste Mal zum Klettern kommen.

Wer zu faul zum Lesen ist…

… bitte einfach diesen Link hier klicken und spenden 😉
Spendenaktion für Climb Salone

Wer mehr darüber wissen will, einfach weiterlesen…

Erste Kletterhalle Westafrikas

Climb Salone ist wie jede Kletterhalle in Deutschland: Kletterwände mit unterschiedlich schweren Routen; eine Bar, an der es Wasser, Bier und Kaffee gibt, und natürlich ein paar Sofas zum Abhängen. Die Kletter-Community ist klein und es ist ein guter Treffpunkt, um Freundschaften zu knüpfen.

Ob Climb Salone wirklich die erste Kletterhalle Westafrikas ist, habe ich nun nicht verifiziert. Es ist auf jeden Fall die erste und einzige hier in Sierra Leone. Gegründet und aufgebaut wurde sie von ein paar kletterbegeisterten Briten, die hier gelebt haben. Die Gründercrew ist wieder zurück in Europa, aber die Klettergemeinschaft hier versucht, die Halle am Laufen zu halten und vor allem Sierra Leoner für´s Klettern zu begeistern. Es wurde schon ein kleiner Radio-Jingle aufgenommen, um die Halle bekannter zu machen. Alles immer aus privater Tasche finanziert. Klettern ist hier noch nicht bekannt. Aber die meisten lieben den Sport, wenn sie ihn einmal ausprobiert haben. Immerhin ist es super Exercise. Als Abdul das erste Mal mit Klettern war, dachte er erst, alles easy… Dann war er aber echt überrascht, weil es doch anstrengend ist und man durchaus ins Schwitzen kommt – und das nicht nur wegen der Höhe.

Das Herz und die Seele der Halle: Matthew

Matthew betreibt die Halle und ist jeden Tag da. Wer ihn einmal an der Wand gesehen hat, weiß, dass kann nicht mit rechten Dingen vonstatten gehen. Wir sind alle fest davon überzeugt, dass sein ganzer Körper magnetisch ist und er deshalb auch die schwierigsten Routen klettern kann. Ich habe also ein Ziel vor Augen. Mich wenigsten ein bisschen mehr an Matthews Kletterstyle anzunähern.

Woher das Geld für Miete nehmen?

Die Idee und die Hoffnung der Gründer der Halle ist, dass sich die Halle irgendwann selbstfinanziert. Aktuell ist das noch nicht der Fall. Sierra Leoner zahlen 20 000 Leones Eintritt, andere Nationalitäten 80 000 Leones, Schuhausleihe ist kostenfrei. Die Eintrittsgelder reichen normalerweise mehr schlecht als recht dafür aus, die laufenden Kosten zu decken und für ein kleines Gehalt für Matthew.

Nicht aber für die Miete. In Sierra Leone wird die Miete normalerweise nicht monatlich, sondern im Jahresturnus bezahlt. Aktuell steht wieder einmal die Miete für`s nächste Jahr an.

Spendenaktion für die nächste Generation von Kletterbegeisterten

Ein Freund von mir aus England hat eine Spendenaktion auf gofundme.com gestartet, um die Miete für`s nächste Jahr zu sammeln. Außerdem machen wir manchmal kleine Fundraising-Events in der Halle. Es gab einen Halloweenabend, gemeinsames Schauen der Kletterchallenge bei den Olympischen Spielen, nun ist ein Kinoabend geplant. Alles was nicht über die Spendenaktionen gesammelt werden kann, schmeißen Leute wie Hugh und andere Climb Salone Kletterleute in den Topf.

Das Ziel ist es, vor allem auch Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Klettern zu ermöglichen und die Klettergemeinschaft in Salone zu vergrößern. Deshalb ist es wichtig, die Eintrittspreise für Sierra Leoner niedrig zu halten, damit auch Leute mit kleinerem Geldbeutel zum Klettern kommen können.

Wer Lust hat, uns dabei zu unterstützen, Klettern in Salone bekannter zu machen und die Halle am Leben zu halten, ist herzlich willkommen uns zu unterstützen. (Auch wer nicht spenden will, kann mal auf den Link klicken, da gibt es noch ein paar mehr Infos zur Kletterhalle.)

Link zur Spendenaktion: Support Climb Salone

Wen es interessiert, was so die Kletterer selbst sagen, kann auf Insta den Artikel über Samuel nachlesen. Den Artikel könnt ihr teilweise auch lesen, wenn ihr keinen Insta-Account habt.

Oder einfach durch die Fotos scrollen auf der Facebook-Seite: facebook.com/climbsalone

Viel Spaß beim Lesen, Fotos anschauen und vielleicht habt ihr jetzt ja auch Lust auf ein bisschen Klettern bekommen 🙂 Ich verabschiede mich für heute und denke dann an Euch, wenn ich später an der Wand hänge…

Hinweis: Die Fotos stammen teilweise nicht von mir, sondern von der Seite gofundme.com.

Aw de Alltag?

In den letzten Wochen wurden mir viele Fragen gestellt zu meinem Alltag hier. Wie ich wohne, wie das eigentlich so mit Ausgehen abends ist, was ich am schönsten finde und was ich am schwierigsten finde, all solche Sachen. Deshalb möchte ich heute versuchen, euch ein paar Einblicke in meinen Alltag zu geben.

Morgens wenn die Hähne krähen und die Krähen schreien

Normalerweise wache ich spätestens gegen sieben auf. Davor bin ich vielleicht auch schon einmal aufgewacht, weil es wieder einmal einen Hundefight des Nächtens auf der Straße gab – begleitet von lautem Heulen und Kläffen. Gegen halb sechs/ sechs erwacht mein Viertel zum Leben. Ich höre die Kinder, ich höre, wie Wasser in Eimern gesammelt wird, die Unterhaltungen auf der Straße und die ersten Straßenverkäufer mit ihren Megaphonen, die das immer gleiche in blecherner Stimme verkünden. Aber all diese Geräusche können mich so früh noch nicht aus dem Bett locken. Ich stehe erst zwischen sieben und halb acht auf. Dann schäle ich mich elegant unter meinem Moskitonetz hervor und gehe erstmal Duschen.

Ist Strom da, schalte ich direkt mal den Wasserkocher an für mein erstes Käffchen – ist mal wieder kein Strom da, wird die Espressokanne auf den Gasherd gesetzt oder eben Wasser im Topf erhitzt. Je nach Lust und Laune und davon abhängig, was es so an Essensvorräten gerade in der Wohnung gibt, mach ich dann meinen Obstsalat oder schlappe die drei Stockwerke nach unten, um mir im Laden gegenüber Brot oder direkt Brot mit Rührei und scharfer Soße zum Frühstück zu kaufen. Dem Ladem seht ihr auf dem einen Foto weiter unten. Dann geht es wieder nach oben – Morgensport wäre damit dann auch schon abgehakt. Dann muss ich nur noch meinen Kaffee trinken und mein Frühstück genießen, blicke von meinem Balkon aus auf´s Meer und warte darauf, dass Sinneh mich gegen viertel vor neun abholt.

Sinneh sitzt dann meistens gegenüber vor dem Shop, wo ich sonst mein Bier kaufe, da steht morgens ein Bänkchen, auf dem er wartet, bis ich runterkomme. Abends steht das gleiche Bänkchen dann vor meinem Tor (weil dort dann Schatten ist) und ich muss die Herren, die darauf sitzen aufscheuchen, um in meine Einfahrt fahren zu können.

Und Arbeit so?

Viele haben in den letzten Wochen auch gefragt, was ich mache und wo ich arbeite und auch mit wem. Treue Leserinnen und Leser wissen das natürlich alles schon längst. Aber hier nochmal kurz zusammengefasst: Ich arbeite bei einer Sierra Leonischen Umweltschutzorganisation, der Conservation Society of Sierra Leone (cs-sl.org). Ich unterstütze im Bereich Kommunikation und Advocacy (sowas wie Lobbying für andere). Ich bin die einzige europäische Person in meiner Organisation. Neben meinem eigentlichen Auftrag – Internetseite überarbeiten, Kommunikationsstrategie entwickeln, Kommunikationsprodukte überarbeiten und neue entwerfen (also alles Sachen, die ich in meinen Jobs in Deutschland auch gemacht habe), kommt hier noch ein bisschen IT-Unterstützung für die Kolleginnen und Kollegen dazu.

Normalerweise bin ich nine to five im Büro. Ab und an gibt es aber auch Aktionen, Events oder so etwas wie Aufklärungstrips in unsere Projektgegenden zum Beispiel in der Nähe des Gola Rainforest (Der Tanz mit dem Teufel) oder der Tagestrip zur Wildlife Week.

Ich wurde auch gefragt, wie die Leute in den Dörfern das aufnehmen, wenn ich ankomme und sage, was sie tun oder nicht tun dürfen. Da muss ich euch nun enttäuschen. Ich erzähle hier niemandem, was er zu tun oder zu lassen hat. Ich unterstütze „nur“ in der Kommunikation und gebe da meinen Input. Aber es sind meine Kolleginnen und Kollegen, die die Inhalte einbringen. Die meisten sind nämlich im Gegensatz zu mir Expertinnen und Experten auf dem Gebiet Biodiversität und Conservation.

Habe ich einen normalen Tag im Büro, gibt es mittags entweder lecker Mittagessen aus der Tupperdose von zuhause oder ich gönn mir mein Brot mit Ei und Mayonnaise (ich liebe und feiere unseren Brotmann, der jeden Mittag kommt, weil er schon seit Wochen weiß, dass ich mein Brot nicht in einer Plastiktüte haben möchte). Manchmal bestelle ich auch bei dem Restaurant in der Nähe entweder ein Schwarma (so eine Art Wrap) oder African Dish.

Was gibt es da zu Essen?

Das bringt uns schon zur nächsten Frage. Was gibt es da zu Essen? Was esse ich hier eigentlich die ganze Zeit? Das hängt sehr stark davon ab, wie viel Energie und Ambitionen ich habe. Ich kann mich schön gesund ernähren mit vielen frischen Früchten, Gemüse und Salat, oder ich gehe oft essen und kaufe auch mein Mittagessen in dem kleinen Restaurant in der Nähe vom Büro, dann gibt es eher viel Pommes, Reis mit Fisch oder Chicken oder mit spinatähnlicher Soße in der ebenfalls etwas Fisch und manchmal auch Fleisch ist. Die spinatähnliche Soße gibt es in verschiedenen Versionen: Casava-Leave (Casava ist eine Wurzel, die man auch essen kann), Potatoe-leave (hier sind die Blätter von Süßkartoffeln gemeint. Potatoe sind immer Süßkartoffeln, unsere Kartoffeln heißen hier Irish Potatoe) oder Krin-Krin (das ist eine eigene Pflanze über die ich noch nicht mehr herausfinden konnte). Die Blättern werden sehr kleine geschnitten und dann noch im großen Mörser zerstampft. Sie werden mit Zwiebeln, manchmal Erdnußpaste und auf jeden Fall mit Chillies gekocht. Oftmals sind auch Fischstücke mit drin und man bekommt meist noch einen halben Fisch oder einen ganzen Fisch mit in die Schüssel, wenn man es im Restaurant bestellt. Ganz generell gibt es relativ viel Fisch, klar, weil wir direkt am Meer sind. Und als Fleisch hauptsächlich Chicken. In Freetown gibt auch einige libanesische Restaurants, die sehr gut sind, aber auch etwas teurer und es gibt eine echte italienische Pizzeria mit Pizza aus dem Holzofen. Bei mir zuhause gibt es natürlich auch öfter Nudeln mit Soße. Klassiker.

Absolute Luxusprodukte sind alle Milchprodukte. Es gibt keine Milchkühe hier, so dass Milch, Käse, Butter und Co importiert werden. Ein Liter Tetrapack-Milch für 2€ ist absolut bezahlbar für mich, aber ein kleines Stück Emmentaler oder Gauda für 15€? Da hört die Freundschaft auf. Von Butter habe ich mich schon entwöhnt. Aber auf meine Milch im Kaffee möchte ich nicht verzichten. Der einzige „Käse“, der noch auf meinem Frühstückstisch ist, ist in kleine Portionen abgepackter Streichkäse. Den gibt es nämlich auch an den kleinen Kiosken und es stört ihn nicht, wenn die Kühlkette unterbrochen wird 😉

Was hält der Feierabend so bereit?

Nach der Arbeit geht es manchmal noch kurz zum Supermarkt, wo ich mich hauptsächlich mit Kaffee und Milch eindecke. Alles andere bekomme ich auch auf der Straße oder in den kleinen Läden, wie denen in meiner Straße. Für Obst und Gemüse gehe ich meistens zum Strand runter. Da sind Obst und Gemüse zwar nicht am günstigsten, aber ich kann es mit einem kleinen Spaziergang verbinden. Und dann kommt es darauf an, ob ich vollkommen müde und erschlagen bin und einfach nur zuhause bleibe, ein Buch lese, einen Film anschaue oder früh ins Bett gehe. Oder ob ich mich noch auf ein Sundowner Bierchen mit jemandem treffe. Manchmal – so wie heute – sitze ich auch einfach auf meinem Balkon, meine Lichterkette leuchtet und unten von der Straße tönt Musik, Unterhaltungen und gelegentliches Hupen zu mir hinauf. Donnerstags geht es nach der Arbeit immer direkt in die Kletterhalle. Es ist eine kleine Klettercommunity hier, so dass man sich eigentlich kennt. Nach dem Klettern kommt Abdul manchmal mit zu mir und wir holen uns unterwegs noch Essen an meinem mittlerweile favorite Fastfood Restaurant, wo es chicken und fish mit rice oder chips gibt zu super Preisen. Dann genießen wir unser Abendessen bei mir am Balkon und ich freue mich auf mein wohlverdientes Radler (das muss ich natürlich selbst zusammenmischen).

Partyycrew gefunden?

Einige erinnern sich vielleicht, dass ich ja noch auf der Suche nach einer Partycrew war. Nun, ich bin in der Expat-Community angekommen und ich muss sagen, die Irish crew ist immer für drinks und party zu haben. Seitdem die Ausgangssperre vor ein paar Wochen aufgehoben wurde, sind meine Freitagnächte auf jeden kürzer und meine Samstage dafür umso fauler.

Kannst du da abends um die Häuser ziehen?

Um die Häuser ziehen kann ich nicht direkt, nicht so, wie ich es in Nürnberg machen würde. Hier trifft man sich eher mit ein paar Leute in einer Location und fährt dann mit Taxi oder Keke weiter zur nächsten. Einerseits sind die Location nicht so nah aneinander und andererseits ist es dort, wo sie nah beieinander sind – auf der Beach Road – nicht so sicher in der Nacht. Ich habe allerdings auch direkt bei mir in absoluter Nähe zu meiner Wohnung einen Nachtclub und auch ein kleines Restaurant, von wo aus ich auch heimlaufen kann.

Und am Wochenende dann an den Strand?

Ich muss zugeben – ja, ganz viel ist hier auch Klischee. Unter der Woche schön anstrengend arbeiten und dann am Wochenende Party-on und chillen am Strand. Auch für dieses Wochenende wurde ich schon eingeladen, weil eine Expat-Crew von Freitag bis Sonntag an den Strand fährt und dort das Wochenende verbringt. Manchmal fahre ich da mit. Dieses Wochenende nicht. Manchmal mach ich auch einen entspannten und mach am Samstag schön meinen Haushalt und chille dann am Sonntag an meinem Lieblingsplatz am Stadtstrand und schau den Fußballspielern zu oder fahre am Nachmittag zum Cockle Point Beach. Das ist der Plan für diesen Sonntag. Deshalb für euch im Herbst, ein paar Strandbilder von meinen Wochenenden hier:

Was ist das Schönste und was ist das Schwierigste für mich?

Das ist ganz einfach zu beantworten. Das Schwierigste bzw. Nervigste für mich war in den letzten Wochen, dass wir oft keinen Strom hatten bei mir in der Straße. Ich sehe von meinem Balkon aus, dass die ganze Stadt die Hügel in ein wunderschönes Lichtermeer verwandelt, aber meine Straße ist dunkel, bis auf die Häuser, die ihren Generator angeschmissen haben. Und da sind wir schon bei meinem Hauptproblem hier. Wie zu erwarten war, sind es die Generatoren oder besser gesagt, ihr Geräusch. Leider bin ich sehr empfindlich was monotone Motorengeräusche angeht. Angefangen bei der Dunstabzugshaube, über den Staubsauger bis hin zur Klimaanlage des Nachbarn oder noch schlimmer ihrer Generatoren. Aber gut – das wird ganz offensichtlich meine persönliche Challenge hier werden. Ruhig atmen und die Generatorengeräusche im Geiste umarmen.

Und das Beste oder Schönste hier? Ich finde es schlicht und ergreifen sehr gut, dass ich bei einer Umweltschutzorganisation arbeite und hoffentlich durch meine Arbeit die Folgen des Klimawandels abgeschwächt werden können und wir es schaffen, wichtige Lebensräume zu erhalten, Arten zu schützen und die Lebensgrundlage der Menschen nachhaltig zu sichern.

Und natürlich ist auch der Blick von meinem Balkon rüber aufs Meer sehr schön und die vielen Begegnungen mit sehr freundlichen und offenen Menschen.

Hast du das Gefühl, dass deine Arbeit wirkt, dass du Sinnvolles mit deiner Arbeit erreichst oder alles wieder ist wie davor, wenn du weggehst?

Diese Frage habe ich zunächst immer ernsthaft beantwortet, bis mir dann eines Morgens im Bett klar wurde, dass mir zuvor noch nie jemand solche Fragen gestellt hat. Deshalb werde ich künftig immer mit Gegenfragen antworten: Und bei dir so? Hast du das Gefühl, deine Arbeit ist sinnvoll? Weshalb wird an meine Arbeit hier eine andere Erwartung gerichtet als an die Arbeit, die ich in Deutschland gemacht habe? Wieso muss auf einmal alles sinnvoll und nachhaltig sein, was ich mache und früher war es egal? Sollten wir nicht alle Sinnvolles und Nachhaltiges machen, so dass sich die Frage erübrigt?

Wie wohnst du?

Ich wohne in einer großen Wohnung in einer ganz netten Wohngegend. Es ist etwas lauter als ich das von meinen letzten Wochen in Moorenbrunn gewohnt war. Es ist immer etwas los auf der Straße, weil die Leute gegenüber vor dem kleinen Kiosk abhängen, wo immer Musik läuft und lebhafte Gespräche geführt werden. Ich bin langsam fertig eingerichtet, nur Vorhänge fehlen noch im Wohn-Esszimmer. Aber meine ersten Tomaten sind reif und ich habe meine Stammläden, in denen ich einkaufe. Ich habe einerseits Blick aufs Meer und gleichzeitig Blick auf die Hügel Freetowns. Kaum vermeidbar im dritten Stock. Die Gegend ist eine normale Wohngegend, nicht die schlechteste aber auch nicht die allerbeste. Eine ganz angenehme Mischung. Ich laufe nur 10-15 Minuten ans Meer und habe auch einen guten Anschluss an die „Öffis“. Die Öffis, das sind hier einerseits Minibusse, die aber nur sehr selten unterwegs sind. Die Fortbewegung findet hauptsächlich mit den Kekes oder Motorradtaxis statt.

Unten mal ein paar Eindrücke von der Wohnung, Balkon-Impressionen und der Blick in die Nachbarschaft:

Wie bewegst du dich fort?

Mein Fortbewegungsmittel ist etwas abhängig davon, was ich so mache. Zur Arbeit fahre ich immer mit meinem Auto, einem Landcruiser. Wenn ich am Wochenende an den Strand fahre oder abends zum Klettern gehe, mache ich das auch mit meinem Auto. Wenn ich sonst abends unterwegs bin und etwas trinken möchte, dann nehme ich normalerweise ein Keke oder wenn ich mich mit Freunden treffe, die in der Nähe wohnen, gehe ich auch sehr gerne zu Fuß, einfach um ein bisschen Bewegung zu haben.

Auf den Fotos sehr ihr mein Auto und Sulay, einen der beiden Keke-Fahrer meines Vertrauens.

Und kann man dich besuchen?

Ganz klare Antwort: Ja. Falls ich euch von der Fähre abholen soll, einfach kurz vorher Bescheid geben 😉

Das ist nun mal der erste Schwung Antworten auf Fragen, die immer wieder kommen. Wer mehr Fragen hat, immer her damit!

Wildlife Week and Deforestation

Wie jedes Jahr feiert CSSL auch dieses Jahr die Wildlife Week. Die Zielgruppe der Aktionen während der Wildlife Week sind hauptsächlich junge Menschen, aber auch unser weiteres Publikum aus Partnern, Community Members und Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik.

Das diesjährige Motto lautet: Forest and Livelihoods – sustaining people and plant. Ein perfektes Motto, um auf die Folgen der Deforestation auf die Lebensgrundlage der Menschen aufmerksam zu machen. Wie immer, war die Planung für mich interessant zu beobachten. Die Agenda für die Woche wurde mehrmals geändert und angepasst, so dass wir nun final die meisten Aktivitäten an drei Tagen hatten. Die Wildlife Week findet dieses Jahr vom 2. bis zum 8. Oktober statt – sie findet immer in der ersten Oktoberwoche statt.

Deforestation erleben

Generell ist es Teil des Konzeptes der Wildlife Week, junge Menschen mit der Natur und mit Wildlife in Berührung zu bringen. Dieses Jahr haben wir uns dafür entschieden, diese Experience in Big Water stattfinden zu lassen. Big Water ist ein Ort auf der Peninsula, in dem wir gerade dabei sind eine Ecolodge zu bauen und zu eröffnen. Als CSSL angefangen hatte, die Ecolodge zu errichten, war sie noch mitten im Wald. Nun ist sie eher am Waldrand, weil außenherum die Deforestation mit unglaublicher Geschwindigkeit fortgeschritten ist. Durch unsere Arbeit mit der Community von Big Water, wird aber anscheinend nicht mehr weiter abgeholzt, sondern nur noch die schon abgeholzten Bäume verarbeitet und abtransportiert. Teilweise wurde auch schon mit Reforestation begonnen – zum Beispiel an unserem World Environment Day.

Das Spannende daran, dass die Ecolodge nun am Waldrand liegt, ist, dass man direkt den Unterschied zwischen abgewaldeten Gebieten und Wald spürt und erleben kann. Aus Bildungs- und Awarnessperspektive nicht ganz schlecht. Fahrzeuge können nicht bis zur Ecolodge fahren. Die letzten 500m muss man zu Fuß auf einem Trampelpfad begehen. Die Autos bleiben direkt an der Stelle stehen, an der sich die Holzstapel befinden und auf den Weitertransport warten. Dann geht es wie gesagt zu Fuß weiter. Der Fluss plätschert zwar schon fröhlich neben einem her, aber die Sonne und die Hitze sind erbarmungslos. In diesem Bereich wurden zwar schon wieder ein paar Setzlinge gepflanzt, aber sie sind noch sehr klein, so dass man noch nicht von Wald sprechen kann, eher von ein bisschen Buschwerk.

Je näher man der Ecolodge kommt, umso dichter wird das Buschwerk und es gibt auch wieder echte Bäume. Die Lodge selbst ist dann wie ein kleines Paradies. Baumschatten, frische Luft, der Fluss plätschert und die Vögel zwitschern. Auf dem gegenüberliegenden Hang sieht man zwar noch abgeholzte Bäume, aber hauptsächlich sieht und fühlt man den Wald. Wundervoll.

Frische Luft, angenehme Temperaturen und Wasser…

… das sind ein paar der Benefits, die uns der Wald bietet. Alles Dinge, die wir zum Überleben brauchen und die Natur schenkt sie uns einfach so – solange wir sie nicht zerstören.

Am Montag haben wir im Rahmen der Wildlife Week einen Ausflug mit allen CSSL Mitarbeitenden aus Freetown nach Big Water gemacht. Einige Kolleginnen und Kollegen arbeiten ja immer im Büro und kommen selten raus. Auf den Fotos seht ihr uns auf dem Weg zur Ecolodge und dann sind wir aufgebrochen Richtung „monument site“. Was sich dahinter verbirgt, werde ich wohl erst bei meinem nächsten Besuch erfahren. Die Flussdurchquerung haben alle noch mit Lachen und Freude mitgemacht, den ersten Anstieg entlang an den gerodeten Flächen auch noch, aber als es dann immer weiter bergauf ging, mussten wir irgendwann abbrechen. Irgendwie nehmen einen die Leute hier immer nicht ernst, wenn man sagt, man geht wandern. Kennt man hier nicht. War aber nicht meine Idee! Auf jeden Fall ging es dann erst einmal wieder zurück. Die Begründung war, dass ein paar Kolleginnen und Kollegen für die Radio Diskussion am Abend im Rahmen der Wildlife Week rechtzeitig zurück in Freetown sein mussten.

An einer Stelle im Wald, muss man rennen. Dort queren Ameisen den Weg. Große schwarze Ameisen. Wenn man zu langsam ist, greifen sie an und krabbeln sofort an den Beinen hoch. Also mussten alle diese fünf Meter rennend überwinden. Wat ein Spaß!

Die Fotos sind eine bunte Mischung aus Ausflugsfotos, Deforestation und Natur. Da wir alle immer unsere CSSL-Ranger-Westen tragen, sieht es ziemlich witzig aus, wenn wir im Trupp unterwegs sind.
Alle, die mich besuchen kommen, können Big Water schon mal auf ihre Liste setzen. Da gehen wir auf jeden Fall hin!

Am Dienstag stand dann der Ausflug nach Big Water mit Kindern aus den School Nature Clubs, unseren Vorstandsmitgliedern, geladener Presse und Partnerorganisationen an. Ich bin nicht mit im Partybus gefahren, weil ich seit einer Woche etwas kränkle und außerdem das Essen abholen und mitbringen musste. Somit habe ich erst im Nachhinein davon erfahren, dass der Bus nicht um 7:30h am Treffpunkt gestartet ist, sondern erst so gegen 9 und dann auch noch einen Breakdown auf der Strecke hatte. Ich dachte schon, wir wären spät dran, aber weit gefehlt. Der Hauptteil der Teilnehmenden kam erst nach eins in Big Water an.

Herausforderungen und Hoffnungen

Die Wartezeit habe ich damit verbracht, die Arbeiten an der Ecolodge zu beobachten und es gab schon eine Gesprächsrunde mit den Vertreterinnen und Vertretern der Community – die waren pünktlich da. Der Sprecher hat sehr klar die Herausforderungen thematisiert. Wie immer habe ich nicht jedes Wort verstanden, da die Diskussion in Krio war, aber die Hauptpunkte habe ich mitbekommen. Die Probleme sind immer die gleichen: die Menschen leben davon, dass sie Holzkohle herstellen und diese verkaufen; dass die Regierung die Gesetze zum Schutz des Waldes nicht wirklich umsetzt; und im Falle von Big Water, dass auch Menschen von anderen Communities kommen und die Bäume fällen. Das ist ein Unterschied zu den Communities in der Nähe des Gola Nationalparks.

Die Community Mitglieder sind wohl auch etwas enttäuscht, weil sich das mit der Ecolodge so ewig hinzieht. Hier müssen wir anscheinend noch ein bisschen am Erwartungsmanagement arbeiten. Aber der Wille ist da, das Verständnis, weshalb der Wald wichtig ist auch, aber am Ende fragen alle immer nach den direkten, kurzfristigen (finanziellen) benefits. Was erzähle ich euch… Die Wahlergebnisse der Bundestagswahl zeigen ja, wie sehr sich Menschen in Deutschland für die Zukunft des Planeten und für unser aller Zukunft einsetzen wollen.

Reden, Reden und nochmals Reden

Dann kam tatsächlich noch der Bus an und mit ihm die Schulkinder, ihre Lehrkräfte und die weiteren Teilnehmenden. Dann folgten die Reden, die nie fehlen dürfen. Erst einmal ein bis zwei Reden zur Wildlife Week, dann der Direktor von CSSL, dann der Community Chief, dann nochmal CSSL Mitarbeiter, dann Vorstandsmitglieder, dann der Vertreter der Forestry Division vom Landwirtschaftsministerium, dann Community Leute, dann der Präsident des CSSL Vorstands, dann unsere Biodiversity Officer mit ein bisschen Information und Input zu Wildlife in Sierra Leone.

Die Späteren hatten natürlich die schwierige Aufgabe noch irgendetwas Neues zu sagen, da sich ja alle einig sind. Wir müssen die Wälder schützen, wir müssen die Tiere schützen, wir müssen etwas gegen den Klimawandel tun und die Natur ist unsere Freundin. Die Hauptbotschaft von allen war, dass der Wald uns alles Wichtige zum Leben bietet und wir ohne Wald nicht leben können. Die Schülerinnen und Schüler haben die Aufgabe, all diese Informationen und ihr neues Wissen in den kommenden Tagen bei den Schulversammlungen vorzutragen und so unsere Botschaft an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler weiterzugeben. (Hinweis: es gibt hier normalerweise an den Schulen morgens immer eine Assembly. Ich kenne das bisher schon aus anderen Ländern. Morgen werde ich bei meiner ersten Schul-Assembly in Salone teilnehmen. Bin schon gespannt.)

Mit den Best of the 60s der Sonne entgegen

Und dann war auch schon wieder ein anstrengender Tag fast zu Ende. Nach dem Essen habe ich mich mit meinem Fahrer auf den Rückweg nach Freetown gemacht. Seit knapp zwei Wochen sind wir nicht mehr auf das unzuverlässige Radionetz angewiesen. Ich habe bei einem Freund ein paar CDs gefunden, die anscheinend schon vor ihm in seiner Wohnung waren. So dass Sinneh – so heißt mein Fahrer übrigens – und ich nun immer zum besten Sound der 60er Jahre durch Freetown und die Peninsula cruisen. Es sind insgesamt vier CDs und wir haben unsere Lieblings-CD heute gekürt. So fahren wir dann im Abendlicht der Sonne über die roten Straßen am Meer entlang und singen beide bei unseren Lieblingsliedern mit.

Leider war der Abend dann noch nicht ganz zu Ende. Ich habe mich tatsächlich noch zum Abspülen aufgerafft. Ich habe mich schon seit ein paar Tagen gefragt, warum es so komisch riecht in der Küche. Ich dachte, es liegt an der Wasserleitung. Leider habe ich gestern festgestellt, es liegt daran, dass der Abfluss undicht ist und sich das leckere Spülwasser in meinen Unterschränken sammelt. Leider sind die so gemauert, dass nur sehr kleine Menschen unter sie kriechen können, um das zu säubern. Ich warte nun schon seit 1,5 Stunden auf den Hausverwalter und den Klempner, bin extra früher aus der Arbeit heim. Aber anscheinend schaffen die es nicht rechtzeitig. Ich bin heute nämlich noch für ein Sundowner Bier verabredet, das ich mir nicht entgehen lassen kann. Meine kleinen Entspannungsfenster sind zu wertvoll. Die kann ich nicht opfern – auch nicht für einen reparierten Abfluss…

Experience Sharing

Nachdem gestern Abend kein Strom und damit auch kein Internet da war, poste ich den Artikel erst heute. Dafür bekommt ihr jetzt auch noch ganz frisch Fotos von der Schulversammlung. Wie an vielen Schulen in afrikanischen Ländern und auch in Indien ist es üblich, dass sich morgens alle Schüler und Schülerinnen in Reihen aufstellen. Es gibt – je nach Land und Schule – normalerweise ein Gebet, Lieder, eine Ansprache von einer Lehrkraft, manchmal auch einen extra Input, so wie heute von uns, und dann manchmal noch ein paar Worte des Direktors oder der Direktorin. Anschließend wird die Nationalhymne gesungen und die Flagge währenddessen gehiesst.

Wir durften heute vor den Jungs etwas über Conservation und Wildlife erzählen und die drei Mitschüler, die mit uns am Dienstag in Big Water waren, haben ihr Wissen vermittelt. Es war wirklich sehr gut. Hauptbotschaft: Wald beschützen – der Wald gibt uns frische Luft, sauberes Wasser, Medizin, Essen und sogenannte „non-timber-products“.

Jetzt muss ich schnell los. Wir haben noch quaterly CPS-Meeting.

Happy 35th Birthday CSSL

Nachdem ich die letzten zwei Tage mit Erkältung und Schnupfen zuhause war, habe ich mich heute aufgerafft und bin ins Büro gefahren. Ich will mir die Feierlichkeiten zum 35. Geburtstag von CSSL nicht entgehen lassen!

35 Jahre ist eine stolze Zahl und ein stolzes Alter für eine Organisation hier. Natürlich wäre es ein super Anlass gewesen kommunikationstechnisch richtig auf den Putz zu hauen mit vielen Aktionen und großem Tamtam. Wie so oft hier, scheiterte dieses Vorhaben aber an kurzfristiger Planung und zu viel auf dem Tisch. Ich hatte Anfang August ein Konzept vorgelegt, was wir alles machen könnten, leider ist das irgendwie untergegangen, so dass wir dann erst vor zwei Wochen wieder in die Planung eingestiegen sind. Zwischenzeitlich war nicht klar, ob es überhaupt eine Veranstaltung geben wird, wegen der Covid-Restriktionen. Jetzt ist es etwas schade. Wenn klar gewesen wäre, dass wir eine Pressekonferenz mit Fernsehsender abhalten, dann hätten wir etwas mehr Gas gegeben und unsere neuen Roll-Ups und unsere Business-Cards wären vielleicht schon fertig. Aber so ist es eben, wie es ist. No wahala.

Radio, Presse und neue Website

Trotz kurzer Planungszeit haben wir jetzt eine ganz gute mediale Abdeckung. Gestern gab es eine Radiodiskussion auf Radio Democracy. Das ist ein Radiosender, der landesweit ausstrahlt und ziemlich bekannt und beliebt ist. In der Radiodiskussion haben unser Vorstandsvorsitzender, unser Programm Manager und ein weiteres Board Mitglied über die geschichtliche Entwicklung von CSSL berichtet, über aktuelle Herausforderungen und Erfolge. Eine Botschaft für die Radiodiskussion war: become a member. Wir suchen natürlich immer neue Mitglieder. (Ich arbeite noch daran, dass auch ihr alle ganz einfach Mitglied werden könnt und euren Jahresbeitrag ganz easy online überweisen könnt. Das ist leider nicht so leicht, wie ich am Anfang gedacht habe.) Und unsere neue Website wurde beworben.

Jetzt startet gleich die Pressekonferenz. Ich bin schon sehr gespannt, wie das so wird. Ich werde dann im Anschluss direkt hier berichten.

Pressekonferenz mit kritischen Journalisten

Ich mag es wirklich, wie die Leute uns immer wieder daran erinnern, dass wir eigentlich viel mehr machen sollten. Nach den Statements von Programm Manager, Executive Director und President of the Board gab es Zeit für Fragen aus dem Publikum. Die Statements handelten von der Geschichte CSSLs, von unseren aktuellen Projekten und insbesondere unser Executive Director hat die Presseleute dazu aufgerufen, Conservation eine Stimme zu geben und unsere Anliegen einem breiten Publikum zu erklären und unsere Botschaft zu verbreiten. Die Journalisten sind alle für Conservation und unterstützen unsere Anliegen. Aber es kamen doch sehr kritische Fragen, insbesondere für den Bereich Advocacy und Öffentlichkeitsarbeit. Sie finden wohl, dass wir nicht sichtbar genug sind. In Bezug auf den Geburtstag und auch die Wildlife Week weiß ich natürlich sehr genau woran das liegt. Mein Ziel ist es jetzt, dass die Presseleute bei der Pressekonferenz nächstes Jahr, vor allem inhaltliche Fragen stellen und sich unsere mediale Sichtbarkeit bis dahin stark verändert hat. Ideen sind da, jetzt müssen wir nur noch schauen, ob wir es auch schaffen, diese umzusetzen.

Hier ein paar Fotos von der Pressekonferenz:

Mein persönliches Highlight heute: die neue Website

Mein persönliches Highlight ist natürlich, dass die neue website nun offiziell beworben wird. Eines meiner ersten Projekte, die ich umgesetzt habe. Website ist natürlich ein Projekt, dass nie ganz abgeschlossen ist und ein paar Kleinigkeiten sind noch nicht so, wie ich sie gerne hätte, aber im Großen und Ganzen finde ich, dass die Seite gut aussieht. Vor allem, wenn man noch die alte Seite kennt. Auch die Anwesenheitsliste heute war im neuen Design. Ich glaube, langsam, langsam wird sichtbar, woran ich seit Juni arbeite. Somit feiere ich heute nicht nur 35 Jahre CSSL, sondern auch meine kleinen und großen sichtbaren Erfolge.

Und diejenigen, die nun neugierig sind, können einfach mal auf cs-sl.org klicken und unsere neue Seite anschauen. Da alles noch neu ist, freuen wir uns natürlich über Rückmeldungen, entdeckte Fehler und Kommentare.

Ich nehme mir jetzt die Worte der Journalisten zu Herzen und setze mich direkt wieder an meine Jahresplanung für 2022. Die muss ich nämlich bis morgen abgeben…

Participatory Videos sind online

Wie versprochen kommt hier die Info, dass die participartory videos zum International Peace Day jetzt online zur Verfügung stehen. Leider kann ich sie nicht einbinden.

Ich habe sie im Beitrag zum International Peace Day verlinkt. Einfach den Link klicken und runterscrollen.

Die Videos geben euch gute Einblicke in den Alltag hier und ihr seht, wie es in einer Fischercommunity so aussieht.

Link zum Beitrag International Peace Day

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